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Individualisierte Diagnosen für die Früherkennung von Hirnerkrankungen mittels nicht-invasiver Augenbewegungsmessungen (DIADEM)

Jedes Jahr wird in Europa bei rund 100.000 Menschen Morbus Parkinson neu diagnostiziert. Viele dieser Patienten haben aufgrund der atypischen und unspezifischen Anfangssymptome länger als ein Jahr auf die richtige Diagnose gewartet. Die Patienten werden dadurch oft zu spät oder sogar mit unnötigen Therapien versorgt, die schwere Nebenwirkungen haben können.
Gegenstand des geplanten Projektes ist die Erforschung eines neuartigen neuromedizinischen Diagnosesystems zur individuellen Früherkennung von Hirnerkrankungen auf der Basis eines hochauflösenden video-okulographischen Messsystems.

Mit Hilfe dieser Augenbewegungsmessungen soll die konventionelle klinisch-neurologische Untersuchung, die im Wesentlichen auf einer Evaluation der Symptomatik oder aufwendigen bildgebenden Verfahren (wie fMRT oder PET-Scans) beruht, erweitert werden. Augenbewegungen dienen dabei als objektiver und leicht zugänglicher Parameter der Körpermotorik und eröffnen dem behandelnden Arzt ein „Fenster in das Gehirn“. Die Augenbewegungen weisen bei einer Vielzahl neuropsychiatrischer Erkrankungen charakteristische Abweichungen auf, die als Biomarker genutzt werden können. Damit lassen sich Hirnerkrankungen bereits im Frühstadium, also bevor die Kardinalsymptome sichtbar werden, erkennen und so die konventionelle Diagnose signifikant verbessern.

Die Nebenwirkungen einer unnötigen Therapie und die damit einhergehende Verringerung der Lebensqualität des Patienten, sowie die Kosten einer Fehlbehandlung könnten mit Hilfe von quantitativen Augenbewegungsmessungen vermieden werden. Hierbei ergibt sich Schätzungen zufolge allein für die potentielle Frühdiagnose der Parkinsonkrankheit ein Einsparungspotential in Deutschland von ca. 1 Mrd. € pro Jahr. Außerdem können Augenbewegungen als objektive Parameter für die Überwachung des Therapieverlaufs eingesetzt werden und zu einer schnelleren Auswahl des geeigneten Medikaments und der optimalen Dosierung beitragen.