Verbund

Individualisierte Modulation kortikaler Netzwerke durch Adaptive Stimulation (IMONAS)

Das Projekt IMONAS adressiert die nichtinvasive und individualisierte Stimulation von Hirnfunktionen für die Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Menschen mit körperlichen Einschränkungen, Hirnverletzungen und Schlaganfall. Alleine in Deutschland erleiden jährlich mehr als 450.000 Menschen eine - zum Teil irreparable - Schädigung des Gehirns, 150.000 davon allein durch Schlaganfall. Etwa 40 Prozent der von Schlaganfall Betroffenen sterben innerhalb eines Jahres an den Folgen, 15 Prozent werden zumindest innerhalb des ersten Jahres in Pflegeeinrichtungen betreut und insgesamt 65 Prozent sind noch nach ei-nem Jahr auf fremde Hilfe angewiesen.

Das grundsätzliche Erholungspotential zur Wiedererlangung verloren gegangener Hirnfunktionen wird bis heute nur unzureichend ausgeschöpft. Die Lernfähigkeit des Gehirnes und die damit einhergehende Empfänglichkeit für therapeutische Maßnahmen kann durch Hirnstimulation die Rehabilitation in allen Phasen des Krankheitsverlaufes unterstützen. Die Art der Stimulation ist jedoch patientenindividuell und vom aktuellen Zustand des Gehirnes abhängig. Eine dem Krankheits- und Erholungsverlauf angepasste Therapie mittels Hirnstimulationsverfahren ist bisher nicht realisiert worden und stellt ein großes Defizit in der adäquaten und individuellen Behandlung von Patienten mit Hirnverletzungen oder Schlaganfall dar.

Hier setzen die Arbeiten im Projekt IMONAS zur Entwicklung einer innovativen medizintechnischen Lösung an. Zur individuellen Therapie mittels Hirnstimulationsverfahren wird dabei ein integriertes Mess- und Stimulationssystem bestehend aus EEG-Messungen, zur Abbildung der elektrischen Aktivitäten des Gehirns, mit einer Stimulation kombiniert. Die Innovation des Projektes besteht in der Echtzeitrückmeldung des aktuellen, individuellen Hirnzustan-des des Patienten. Diese Rückmeldungen werden genutzt um die Effektivität der Stimulation anzupassen und somit die Lernfähigkeit und die Empfänglichkeit für therapeutische Maßnahmen zu erhöhen. Die verwendete transkranielle Methode der Stimulation (durch die Schädeldecke hindurch), die zur Erregung und Messung der Aktivität des Gehirns dient, ist für den betroffenen Patienten besonders risikoarm.

Das Projekt IMONAS wird durch ein Konsortium aus zwei Partnern realisiert. Die Firma neuroConn GmbH übernimmt die technische Entwicklung und die Weiterführung des Systems zur Serienreife. Die Abteilung Funktionelle Neurochirurgie des Uniklinikums Tübingen führt die notwendigen physiologische Studien und die klinische Evaluation durch. Zukünftig könnte durch dieses kombinierte Mess- und Stimulationssystem eine deutliche Steigerung der Versorgungsqualität und eine Verbesserung der Lebensqualität der betroffenen Patienten erzielt werden.