Einzelprojekt

Intraoperatives Neuromonitoring zur Identifikation und Überwachung von Nervengewebe des Beckens (NeuroNeB)

Förderkennzeichen: 13GW0192
Fördersumme: 717.348 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2020
Projektleitung: Dr.-Ing. Andreas Langer
Adresse: Dr. Langer Medical GmbH
Am Bruckwald 26
79183 79183 Waldkirch

Deutschlandweit werden laut Statistischem Bundesamt derzeit jährlich rund 437.200 Operationen im Bereich des kleinen Beckens durchgeführt. Dazu gehören Behandlungen des Rektums, der Harnblase, der Harnröhre und der inneren Geschlechtsorgane. Die besondere Herausforderung bei Operationen in diesem Bereich ist das sehr feine Nervengeflecht des Beckens, das motorische, sensorische und autonome Nervenfasern enthält.

Das Risiko einer intraoperativen Schädigung dieses Nervengeflechts im kleinen Becken ist bei den gegenwärtigen Therapieoptionen sehr groß und hat bedeutenden Einfluss auf die Lebensqualität von Betroffenen. Die Folgen von Nervenschädigungen des Beckens sind postoperativ auftretende Funktionsstörungen der Beckenorgane. Bis zu 38 % der Patienten leiden nach einer Operation im Bereich des Beckens an Harninkontinenz, ca. 46 % der Patienten an Stuhlinkontinenz und bis zu 76 % der Patienten an sexuellen Funktionsstörungen. Für das Gesundheitssystem entstehen Folgekosten.

Es wurden verschiedene Methoden des Neuromonitorings erprobt, darunter die Rektaldruckmessung, die Blasendruckmessung und die EMG-Messungen (Messung der elektrischen Aktivität) am Schließmuskel. Probleme liegen in der zu geringen Sensitivität und Spezifität der Verfahren, in einer fehlenden Zuverlässigkeit und einer schwierigen und aufwändigen Applikation der Messmittel, wodurch sich die Operationszeit verlängert. Die Forschung an innovativen effizienteren Verfahren zur Überwachung des Nervengewebes und die Entwicklung von Auswertealgorithmen des Neuromonitoring-Signals sind deshalb unerlässlich.

Ziel dieses Projekts ist die Entwicklung eines intraoperativen Neuromonitoring-Systems, das eine verlässliche Identifikation und Überwachung der Beckennerven bei Operationen im Bereich des kleinen Beckens ermöglicht. Zur Stimulation des Nervenplexus im Becken werden innovative Elektrodendesigns entwickelt. Zur Extrahierung des Nutzsignals aus der Stimulationsreaktion werden neue Sensoren und Auswertealgorithmen entwickelt, die einen geringen zusätzlichen Applikationsaufwand erfordern und eine reproduzierbare Lokalisation und Funktionskontrolle der Nerven ermöglichen. Durch Vergleich aktueller Messwerte mit den gesammelten Informationen in einer Patientendatenbank soll eine zeitnahe Entscheidungshilfe gegeben werden. Eine solche Verifizierung des Nutzsignals wurde bisher ebenfalls in keine Entwicklung zum Monitoring der Beckennerven integriert. Durch Weiterentwicklung des bei Projektabschluss bestehenden Prototyps soll ein marktreifes Medizinprodukt entstehen.