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Jenaer Institut widmet sich dem Kampf gegen resistente Krankenhaus-Keime

Das vom BMBF geförderte Zentrum für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene in Jena ist jetzt ein eigenständiges Institut. Es verstetigt eine erfolgreiche Forschungsstruktur, die sich dem Kampf gegen Antibiotika-resistente Keime verschrieben hat.

Die Zahl der im Krankenhaus erworbenen Infektionen reduzieren und die Patientensicherheit weiter verbessern – das ist das Ziel der Expertinnen und Experten am Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene, kurz IIMK. „Dabei spielen der sorgsame Einsatz von Antibiotika und Hygienemaßnahmen eine entscheidende Rolle“, erläutert Prof. Dr. med. Mathias Pletz, Direktor des IIMK. „Unsere Arbeit in der Klinik und unsere Forschung am Institut haben das Ziel, Patientinnen und Patienten mit Infektionen durch die richtige Auswahl, Dosierung und Anwendungsdauer der Antibiotika erfolgreich zu behandeln, ohne Resistenzen Vorschub zu leisten“, betont Pletz.

Wissenschaftler mit Zellkulturen in einer 6-Well-Platte

Wissenschaftler mit Zellkulturen in einer 6-Well-Platte

NGFN/BMBF

Doppelstrategie: „Antibiotic Stewardship“ und Hygienemaßnahmen

Die Therapie von Infektionskrankheiten wird durch die Ausbreitung resistenter Keime immer anspruchsvoller: Einerseits sollen Ärztinnen und Ärzte den Antibiotikaeinsatz sachgemäß reduzieren, um der Entwicklung und Verbreitung von Resistenzen entgegen zu wirken. Andererseits müssen sie Antibiotika rechtzeitig einsetzen, um die Gesundheit von Patientinnen und Patienten mit schweren Infektionen zu schützen. Diese anspruchsvolle Balance steuern Strategien zum rationalen Einsatz von Antibiotika, im Fachjargon „Antibiotic Stewardship“ genannt. Ergänzende Hygienemaßnahmen – beispielsweise eine verbesserte Handhygiene – sollen verhindern, dass sich die Bakterien im Krankhaus ausbreiten.

Beratung von Ärztinnen und Ärzten – nicht nur in Jena

Die Expertinnen und Experten des IIMK verbessern durch ihre Beratung den zielgenauen Einsatz von Antibiotika und reduzieren zugleich einen unsachgemäß hohen Verbrauch der Wirkstoffe. „Wir begleiten beispielsweise die Visite auf den Intensivstationen. Zudem haben wir einen klinikumsweiten Konsildienst eingerichtet. Ärztinnen und Ärzte fordern dessen Unterstützung an, wenn eine Antibiotikatherapie nicht die erhoffte Wirkung zeigt. Oft haben wir es dann mit seltenen oder multiresistenten Erregern zu tun und entwickeln gemeinsam die optimale Therapie“, erklärt Pletz. Rund um die Uhr beantwortet das IIMK auch telefonische Anfragen zur Infektionsmedizin und zur Krankenhaushygiene. „Auch die Kolleginnen und Kollegen außerhalb des Jenaer Universitätsklinikums nutzen unser Angebot zunehmend“, so Pletz.

Für den erfolgreichen Kampf gegen resistente Erreger gilt es vielfältige Strategien und Kompetenzen zu bündeln. Deshalb schloss sich am Universitätsklinikum Jena die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte „Forschergruppe Infektiologie“ mit der Stabsstelle für Krankenhaushygiene und der Sektion Klinische Infektiologie zusammen. So entstand vor fünf Jahren das Zentrum für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene. Anfang 2018 wurde dieses Erfolgsmodell verstetigt und in das jetzt eigenständige Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene umgewandelt. Das BMBF fördert die Arbeit der Jenaer Infektionsmedizinerinnen und -mediziner im Zeitraum von 2012 bis 2020 mit mehr als 4 Millionen Euro.

Forschen für einen effizienteren Antibiotika-Einsatz

Das IIMK entwickelt neue Methoden, mit denen Infektionen effizienter bekämpft werden können. Die Forschungsprojekte adressieren dabei vielfältige Aspekte, wie die folgenden Beispiele zeigen:

  • Die richtige Dosis: Messung der Antibiotika-Konzentration im Blut
    Patientinnen und Patienten mit schwerer Sepsis – also einer „Blutvergiftung“ durch bakterielle Infektionen – müssen mit Antibiotika behandelt werden. Doch bei einem Drittel der Betroffenen liegen die Antibiotikaspiegel unterhalb der Wirksamkeit. Die Ursache: Der durch die Sepsis aus dem Gleichgewicht geratene Organismus reduziert den Wirkstoffspiegel. Das IIMK entwickelt eine Technik, die den Antibiotikaspiegel im Blut stetig misst und die Wirkstoffgabe – falls nötig – sofort anpasst. Bei der Entwicklung des Wirkstoffsensors arbeitet das IIMK eng mit dem Leibniz-Institut für Photonische Technologien zusammen.
  • Biofilme: Wie sind die bakteriellen Bollwerke zu überwinden?
    Auf Oberflächen siedelnde Bakterien bilden oft hartnäckige Beläge, so genannte Biofilme. Sie bilden sich im Körper beispielsweise auf künstlichen Oberflächen wie Implantaten, aber auch auf Herzklappen oder in den Atemwegen. Eingebettet in einen schleimigen Film sind die Bakterien vor Angriffen des Immunsystems geschützt. Um in diese Festungen einzudringen, müssten Antibiotika in extrem hoher Konzentration eingesetzt werden. Die Jenaer Infektionsmediziner erforschen Substanzen, die die Biofilm-Bildung stören und die Bakterien angreifbar machen. Mit ihrer Hilfe können Antibiotika dann in deutlich niedriger Konzentration wirken.