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Langzeitstudie zur Parkinson-Demenz ermöglicht neue Therapieansätze

Rund 700 Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, haben an der LANDSCAPE-Studie teilgenommen. Die gesammelten Daten helfen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern dabei, die Parkinson-Demenz besser zu verstehen.

Pfleger reicht Patienten ein Glas Wasser.

Die Parkinson-Erkrankung wird durch einen langsam fortschreitenden Verlust an Nervenzellen ausgelöst. Als Folge leiden die Betroffenen an Bewegungsstörungen.

DLR PT/BMBF

Die Parkinson-Erkrankung ist eine chronische, neurodegenerative Erkrankung, die langsam fortschreitet. Zu den typischen Symptomen gehören zitternde Hände, steife Muskeln und verlangsamte Bewegungen. Viele Betroffene entwickeln im Verlauf der Erkrankung zudem auch kognitive Einschränkungen. Diese sogenannte Parkinson-Demenz äußert sich häufig zunächst über ein geringeres Aufmerksamkeitsvermögen, Antriebslosigkeit oder Depressionen. Bei welchen Patientinnen und Patienten sich im Rahmen der Parkinson-Erkrankung diese Parkinson-Demenz entwickelt und bei welchen nicht, ist bislang kaum vorhersehbar. Zu wenig ist über die Faktoren bekannt, die zu ihrer Entstehung und ihrem weiteren Verlauf beitragen.

Die „LANDSCAPE-Studie“, eine Langzeitbeobachtung von Symptomen und möglichen prognostischen Markern im Zusammenhang mit der Parkinson-Erkrankung, soll dabei helfen, die noch offenen Fragen zur Parkinson-Demenz zu beantworten. Sie bietet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich mit der Erkrankung beschäftigen, einen umfangreichen Datenschatz zu deren Entstehung und Verlauf. Die so gewonnenen Erkenntnisse tragen dazu bei, neue Therapien für diese Krankheit zu entwickeln und die Versorgung der Betroffenen zu verbessern. Denn die Parkinson-Demenz ist – genau wie die durch die Parkinson-Erkrankung hervorgerufenen Bewegungsstörungen auch – bislang nicht heilbar. Mit den bestehenden Behandlungsoptionen lässt sich lediglich das Fortschreiten der Erkrankung verzögern. Die Behandlung geht aber oft mit schweren Nebenwirkungen einher oder verliert mit der Zeit an Wirkung.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die LANDSCAPE-Studie im Rahmen der Fördermaßnahme „Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Degenerative Demenzen“ über einen Zeitraum von sieben Jahren von 2011 bis 2018 mit rund 3,4 Millionen Euro gefördert.

Mehr als 850 Personen nahmen an der Studie teil

Die LANDSCAPE-Studie schließt rund 700 Parkinson-Erkrankte mit und ohne kognitive Beeinträchtigungen ein. Sie wurden über einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren jährlich umfassend körperlich und neuro-psychologisch untersucht. Darüber hinaus haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Blutproben genommen, um diese zu analysieren und für zukünftige Untersuchungen zu verwahren. Derzeit wird in Zusammenarbeit mit der Universität Köln und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) das Erbgut von etwa 400 Probandinnen und Probanden nach möglichen krankheitsbezogenen genetischen Variationen durchsucht.

Um Erkrankungen besser verstehen zu können und ihre Besonderheiten zu erkennen, brauchen Forschende aber auch Vergleichsgruppen. Für die LANDSCAPE-Studie wurden daher zusätzlich rund 90 Gesunde und 60 Menschen, die unter Lewy-Körper-Demenz litten, rekrutiert. Eine Lewy-Körper-Demenz kann sowohl kombiniert mit einer Parkinson-Erkrankung als auch als eigenständige Krankheit auftreten. Von dem Vergleich der beiden Demenzformen erhoffen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zukünftig eine präzisere Diagnose – und damit auch eine zielgerichtetere Therapie.

Die Studie, die federführend von der Philipps-Universität in Marburg durchgeführt wurde, fand an insgesamt neun Studienzentren in Deutschland statt.

Am 11. April ist Welt-Parkinson-Tag!

Am 11. April findet alljährlich der Welt-Parkinson-Tag statt. Die Wahl des Tages fiel auf den Geburtstag von James Parkinson, der die Krankheit erstmals beschrieb. Der Tag soll die Aufmerksamkeit auf diese häufige neurodegenerative Krankheit lenken.

Das BMBF fördert die Forschung zu neurodegenerativen Erkrankungen in vielen Bereichen – von der Aufklärung der Krankheitsmechanismen über die Entwicklung von Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bis hin zur Verbesserung der Patientenversorgung.

Im Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deutschlandweit an zehn Standorten zusammen. Sie erforschen die Ursachen der Erkrankungen und entwickeln Strategien zur Prävention, Therapie, Pflege und Patientenversorgung. Im Jahr 2017 stellte das BMBF hierfür knapp 80 Millionen Euro zur Verfügung.

Darüber hinaus engagiert sich das BMBF in internationalen Kooperationsprojekten. Ein Beispiel dafür ist die Initiative „EU Joint Programme – Neurodegenerative Disease Research“ (JPND), an der EU Mitgliedsstaaten sowie weitere Partner mitwirken. Auch im ERA-Netz NEURON, einem weiteren internationalen Netzwerk von Förderorganisationen, steht die Erforschung von Krankheiten des Gehirns im Mittelpunkt der Förderung.