Fördermaßnahme

Langzeituntersuchungen

Veröffentlichung der Bekanntmachung: 2007
Förderzeitraum: 2008 - 2022
Gesamte Fördersumme: bis zu 52 Mio. Euro
Anzahl der Projekte: 1. Förderphase: 11 Projekte mit insgesamt 24 Teilvorhaben 2. Förderphase: 5 Projekte mit insgesamt 10 Teilvorhaben

1. Ziele des Förderschwerpunktes

Entwicklungen im Krankheitsgeschehen beim Menschen - wie die Zeiträume vom Einwirken von Krankheitsursachen auf die Krankheitsentstehung oder die Krankheitsverläufe selbst - sind häufig durch langfristige Prozesse gekennzeichnet, die bisher nur unzureichend erforscht sind. Mithilfe der Langzeituntersuchungen an prospektiven Kohorten aus gesunden Probanden sowie Patientenkohorten werden wissenschaftlich anspruchsvolle Fragestellungen aus der analytischen Epidemiologie und der klinischen patientenorientierten Forschung bearbeitet. Dazu werden in diesen Kollektiven zu mehreren Zeitpunkten sowohl Parameter zur Lebenssituation, zum Verhalten, zu Umwelteinflüssen, zu klinischen Parametern wie Diagnose- und Therapieverfahren als auch genetische Marker erhoben und analysiert. Die Forschungsergebnisse sollen dazu beitragen, die Ätiologie und Pathogenese von Erkrankungen und deren Prognosen besser zu verstehen und die Erfolgswahrscheinlichkeiten von Therapien besser abschätzen zu können.

2. Stand der Fördermaßnahme

Auf die öffentliche Bekanntmachung hin gingen 144 Antragsskizzen ein. Nach Begutachtung durch ein international und interdisziplinär besetztes Begutachtungsgremium wurden 22 AntragstellerInnen zur Vorlage eines formlosen Antrags aufgefordert. Davon wurden elf Projekte zur Förderung in der ersten Förderphase mit einer Laufzeit von sechs Jahren empfohlen. Das Finanzierungsvolumen betrug insgesamt rund 31 Millionen Euro. Zehn dieser Vorhaben haben einen Anschlussantrag für die zweite Förderphase vorgelegt. Davon hat das Begutachtungsgremium fünf Vorhaben zur Förderung in der zweiten Förderphase mit einem Finanzierungsvolumen von insgesamt rund 21 Millionen Euro empfohlen. Das Themenspektrum der in der zweiten Phase geförderten Projekte umfasst Darmkrebsverläufe und -behandlung, Frühgeborenenentwicklung, Langzeitanalysen zum Zusammenhang von motorischer Leistungsfähigkeit, körperlich-sportlicher Aktivität und Gesundheit, Arthritis sowie der Zusammenhang von Depression und Arteriosklerose. Es werden sowohl Kinder- als auch Erwachsenenkohorten untersucht.

Einzelprojekte

Analyse der Beziehung zwischen subklinischer Arteriosklerose und der Depression (BIDirekt)

Förderkennzeichen: 01ER1506
Gesamte Fördersumme: 3.677.492 EUR
Förderzeitraum: 2016 - 2022
Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Berger
Adresse: Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Universitätsklinikum, Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin
Domagkstr. 3
48149 Münster

Analyse der Beziehung zwischen subklinischer Arteriosklerose und der Depression (BIDirekt)

Die BiDirect-Studie untersucht die Beziehung zwischen der Depression und einer subklinischen Arteriosklerose, d.h. vor Auftreten akuter, klinischer Krankheitsereignisse wie dem Herzinfarkt. Hauptziel der Studie ist es herauszufinden, ob die Depression zur Entwicklung und der Ausprägung einer Arteriosklerose der großen Arterien in verschiedenen Körperregionen beiträgt und, umgekehrt, ob der Schweregrad der Arteriosklerose zur Enstehung einer Depression beiträgt. Das Projekt vereint drei, mit identischen Methoden und parallel untersuchte, prospektive Kohorten in einem Projekt: Patienten mit einer Depression, Patienten mit einem akuten Koronarereignis und Bevölkerungskontrollen, zufällig über das Einwohnermeldeamt der Stadt Münster ausgewählt. Alle Studienteilnehmer/innen haben bereits die Basis- und die erste Nachfolgeuntersuchung in der ersten Förderphase (2009-2015) erhalten. In der zweiten Förderphase werden zwei weitere Nachfolgeuntersuchungen durchgeführt und damit eine Gesamtstudiendauer von 12 Jahren ermöglicht. Die ausführliche Analyse der wiederholt eingesetzten standardisierten Untersuchungsverfahren erlaubt es, gesundheitsrelevantes Verhalten und biologische Stoffwechselwege zu beschreiben, die relevant sind für die bidirektionale Beziehung zwischen der Depression und der subklinischen Arteriosklerose. In der Förderphase 2 werden zwei weitere Untersuchungen (Follow up 2 und 3) mit dem standardisierten Untersuchungsprogramm der ersten beiden Untersuchungen aus Förderphase 1 durchgeführt. Dadurch werden der Schweregrad depressiver Symptome, Depressionssubtypen und die Ausprägung subklinischer, arteriosklerotischer Veränderungen der großen Arterien in verschiedenen Körperregionen erhoben und ihre Progression über die Zeit erfasst. Das Untersuchungsprogramm wird jetzt ergänzt um eine Anlyse des Schlafs basierend auf einer Polysomnographie, sowie um Gen-Expressions- und Cortisolmessungen.

Deutsches Frühgeborenen Netzwerk (German Neonatal Network, GNN)

Förderkennzeichen: 01ER1501
Gesamte Fördersumme: 5.088.217 EUR
Förderzeitraum: 2015 - 2021
Projektleitung: Prof. Dr. Wolfgang Göpel
Adresse: Universität zu Lübeck, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Ratzeburger Allee
23562 Lübeck

Deutsches Frühgeborenen Netzwerk (German Neonatal Network, GNN)

Ziel des Projektes ist die Untersuchung der Effekte genetischer und klinischer Risikofaktoren, der Einflüsse zentrumsspezifischer Behandlungsstrategien und der Auswirkungen randomisierter Studien auf die langfristige Entwicklung von Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm. Klinisch wichtige Endpunkte, die im Rahmen des Projektes untersucht werden, sind, neben der Frühgeburtlichkeit selbst, die etablierten relevanten kurzfristigen Outcomeparameter (Tod, Hirnblutung, Wachstumsretardierung, Sepsis mit positiver Blutkultur, Operationen aufgrund von Komplikationen) und die körperliche und geistige Entwicklung der Frühgeborenen im Alter von fünf Jahren. Im einzelnen werden folgende Arbeitsziele verfolgt: 1)        Identifizierung genetischer Risikofaktoren für Frühgeburtlichkeit und schwere Erkrankungen des Frühgeborenen. 2) Verbesserung der Behandlungsergebnisse der an der Studie teilnehmenden Zentren durch standardisierte Rückmeldungen der von besonders erfolgreichen Zentren eingesetzten Behandlungsmethoden. 3) Förderung der Durchführung von randomisierten klinischen Studien an Frühgeborenen. In der ersten Förderphase (2009-2015) konnten bereits mehr als 10.000 Frühgeborene in das Deutsche Frühgeborenen Netzwerk eingeschlossen werden. In der 2. Förderphase wird die Zahl der in die Studie eingeschlossenen Frühgeborenen auf mehr als 25.000 Kinder erhöht, da für viele wichtige Komplikationen der Frühgeburtlichkeit (wie z. B. Hirnblutungen, chronische Lungenerkrankungen und Sehstörungen) nur durch die Untersuchung von sehr großen Kohorten genetische und klinische Risikofaktoren identifiziert werden können. Es ist deshalb die Untersuchung genetischer Polymorphismen bei mehreren tausend Frühgeborenen geplant. Ferner werden die in den Jahren 2009-2015 eingeschlossenen Kinder im Alter von fünf Jahren nachuntersucht. Zusätzlich werden auch gesunde am errechneten Termin geborene Kinder als Kontrollgruppe untersucht.