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POLAR_MI: Besserer Schutz vor Arzneimittelwechselwirkungen

21 Partner der BMBF-Medizininformatik-Initiative wollen in den klinischen Routinedaten zu verordneten Medikamenten riskante Wirkstoffkombinationen aufspüren. Ihr Ziel: Risikopatienten sollen künftig besser vor unerwünschten Nebenwirkungen geschützt werden.

Verschiedene Tabletten und Kapseln

Computergestützte Analysen von klinischen Daten und Arzneimittelverschreibungen sollen helfen, Gesundheitsrisiken durch unerwünschte Nebenwirkungen weiter zu minimieren.

Crazydiva/Thinkstock

Insbesondere ältere Menschen leiden häufig an mehreren chronischen oder akuten Erkrankungen zugleich und müssen verschiedene Arzneimittel einnehmen – im Fachjargon spricht man von Polymedikation. Dabei können die verschiedenen Substanzen ihre Wirkung gegenseitig schwächen oder verstärken, unerwünschte Nebenwirkungen oder sogar ganz neue Erkrankungen auslösen. Um dem künftig besser vorzubeugen, haben sich 21 Partner der Medizininformatik-Initiative zu dem Forschungsverbund „POLypharmazie, Arzneimittelwechselwirkungen und Risiken“ (POLAR_MI) zusammengeschlossen. Sie wollen die klinischen Daten über verordnete Medikamente vereinheitlichen und mit maßgeschneiderten IT-Lösungen riskante Wirkstoffkombinationen und Risikopatienten aufspüren, um unerwünschten Nebenwirkungen künftig systematisch vorbeugen zu können. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert POLAR_MI mit rund 5,5 Millionen Euro für zwei Jahre.

Standortübergreifende und datenschutzkonforme Erforschung von Medikationsprofilen

„Wir werden einzigartige Daten aus 13 Universitätskliniken über die verordneten Medikationsprofile von Patientinnen und Patienten mit Mehrfacherkrankungen und die damit verbundenen Arzneimittelrisiken erhalten“, sagt Prof. Markus Löffler, Direktor des Institutes für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie (IMISE) an der Universität Leipzig. Löffler leitet den Forschungsverbund POLAR_MI. Prof. André Scherag, sein Stellvertreter und Direktor des Instituts für Medizinische Statistik, Informatik und Datenwissenschaften (IMSID) am Universitätsklinikum Jena, betont: „Wir freuen uns, in diesem einmaligen Projekt über die Grenzen von Disziplinen und Institutionen aus allen Konsortien der Medizininformatik-Initiative hinweg zusammenarbeiten. In POLAR_MI haben wir Informatiker mit Apothekern, klinischen Pharmakologen, Labormedizinern und anderen Gesundheitsforschern an einen Tisch gebracht.“

POLAR_MI will die in der Medizininformatik-Initiative des BMBF entstandenen und entstehenden Strukturen und Methoden nutzen, um Medikationsdaten für Forschungszwecke künftig standortübergreifend und datenschutzkonform verfügbar zu machen – mit dem Ziel, die Behandlung der Patientinnen und Patienten zu verbessern.

Medizininformatik-Initiative – die Eckdaten

Daten vernetzen, Gesundheitsversorgung verbessern – dafür steht die Medizininformatik-Initiative der Bundesregierung. Das BMBF stellt dafür von 2018 bis 2021 mehr als 160 Millionen Euro bereit.

  • Aufbau und Vernetzungsphase (2018-2021): Das BMBF fördert vier Konsortien, die ab 2018 Datenintegrationszentren aufbauen. Anhand konkreter Anwendungsfälle sollen sie den medizinischen Mehrwert der entwickelten IT-Architekturen und Softwarelösungen in der Praxis demonstrieren.
  • Ausbau und Erweiterungsphase (2022-2025): Weitere Partner sollen bewährte Lösungen übernehmen, damit Patientinnen und Patienten in Deutschland flächendeckend von den Fortschritten der Medizininformatik-Initiative profitieren.