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Therapeutische radiologische Kontrastmittel für die Strahlentherapie (THERAKON)

Mit über 71.000 Diagnosen pro Jahr ist Brustkrebs in Deutschland die häufigste Krebsneuerkrankung bei Frauen. Die Tumore werden in den meisten Fällen per Strahlentherapie behandelt oder operativ entfernt. Im fortgeschrittenen Stadium wird zusätzlich die systemische Chemotherapie eingesetzt. Bei einer Strahlentherapie zur Behandlung von Brustkrebs werden standardmäßig hochenergetische Photonen verwendet, um die Tumorzellen zu zerstören. Nachteile sind unmittelbare Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Hauterkrankungen sowie lebensgefährliche Langzeitschäden durch die Bestrahlung.

Ziel dieses Vorhabens ist es, ein alternatives Verfahren zur hochenergetischen strahlenthera-peutischen Behandlung von Tumoren – am Beispiel des Mammakarzinoms – zu etablieren. Hierfür werden neuartige Nano-Partikel als Therapie-Verstärker (nanoTVs) entwickelt. Die nanoTVs können beim Einsatz von niederenergetischer Röntgenstrahlung auf der Grundlage des photoelektrischen Effektes Photoelektronen emittieren. Diese führen wiederrum zur Bildung von freien Radikalen (z.B. aus Wassermolekülen), die in der Lage sind, Tumorzellen zu zerstören. Gleichzeitig haben diese nanoTV Eigenschaften eines Kontrastmittels und sind demzufolge therapeutisch und diagnostisch wirksam.

Im Gegensatz zu der klassischen Strahlentherapie, die durch einen Linearbeschleuniger er-zeugte hochenergetische Strahlung benötigt, wird bei dieser Methode nur niederenergetische Röntgenstrahlung eingesetzt. Diese kann mit standardmäßigen, diagnostischen Computertomographen erzeugt werden. Zusätzlich können die nanoTVs, aufgrund ihrer optimalen Kontrasteigenschaften in der Computertomographie, zur Optimierung der diagnostischen Bildgebung verwendet werden.

Neben der Synthese der nanoTVs und ihrer in vitro- Charakterisierung soll in einer finalen präklinischen Proof-of-Concept-Studie die Machbarkeit sowie Wirksamkeit des neuen therapeutischen Verfahrens in vivo gezeigt werden. Durch den Einsatz der innovativen nanoTVs als Alternative zur klassischen Strahlentherapie, soll die chemotherapeutische Belastung für den Patienten reduziert, die Behandlungsdauer verkürzt und die Nebenwirkungen und Langzeitfolgen minimiert werden. Die Anwendung ist dabei nicht auf das Mammakarzinom begrenzt, sondern aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeit der nanoTVs mittels der Compu-tertomographie auch als Therapie bei anderen Tumorerkrankungen denkbar.