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Transportsystem für Spenderlungen in USA zugelassen

Eine aktuelle Studie belegt, dass ein an der Medizinischen Hochschule Hannover entwickeltes „Organ Care System“ für die Lunge erfolgreich bei Transplantationen eingesetzt werden kann.

Blick in einen Operationssaal während gerade operiert wird.

Dank OCS haben Ärztinnen und Ärzte bis zu zwölf Stunden Zeit, bevor das Spenderorgan transplantiert werden muss.

DLR Projektträger / BMBF

Spenderlungen können im Organ Care System (OCS) der Firma Transmedics sicher und wirksam gelagert werden. Das zeigte ein Vergleich zum derzeit üblichen Standardverfahren, der Lagerung bei vier Grad Celsius. Ein großes internationales Studienteam unter Leitung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat den Vergleich im Rahmen der klinischen Studie INSPIRE durchgeführt. Der klinische Vorteil: Die Patientinnen und Patienten, die ein Organ aus dem OCS erhielten, erlitten seltener eine primäre Transplantatdysfunktion. Bei einer Transplantatdysfunktion handelt es sich um eine übliche Komplikation bei der gekühlten Lagerung, die meist innerhalb der ersten 72 Stunden eintritt. „Das könnte für die Patienten bedeuten, dass sie kürzer beatmet und schneller entlassen werden können“, sagt Professor Dr. Gregor Warnecke, leitender Oberarzt in der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantation- und Gefäßchirurgie (HTTG) und Hauptprüfarzt der Studie.

An der internationalen Studie waren 21 Transplantationszentren beteiligt. Verschiedene Aspekte der Forschung und die Weiterentwicklung der ex-vivo-Lungenperfusion wurden von den drei großen Transplantationsforschungsverbünden der MHH unterstützt: dem Exzellenzcluster REBIRTH (Von Regenerativer Biologie zu Rekonstruktiver Therapie), dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) und dem Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum Transplantation (IFB-Tx).

Deutsches Zentrum für Lungenforschung

Das im Jahr 2011 gegründete Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und den Ländern gefördert werden. Im DZL arbeiten exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und deren Teams aus universitären und außeruniversitären Institutionen an fünf Standorten auf dem Gebiet der Lungenforschung zusammen. Gemeinsam haben sie das Ziel, neue Ansätze für die Prävention, Diagnose und Therapie von Lungenerkrankungen zu entwickeln.

IFB Tx

Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum Transplantation (kurz IFB-Tx) an der Medizinischen Hochschule Hannover, will die Qualität in der Organ- und Stammzelltransplantation verbessern. In klinische Studien werden Diagnostik und Therapie optimiert und junge Nachwuchskräfte in Medizin und Wissenschaft gefördert. Hierfür wurde es von 2008 bis 2018 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Das IFB-Tx ist eines von insgesamt acht Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren (IFB) in Deutschland. Jedes der geförderten Zentren hat dabei einen anderen Schwerpunkt. 

Basierend auf den Ergebnissen der Studie erteilte die Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde der Vereinigten Staaten (Food and Drug Administration – FDA) bereits Ende März die Zulassung des OCS zur Lagerung von Lungen für die Transplantation.

Die Vorteile des Organ Care Systems im Überblick

Das OCS ist ein mobiles Gerät für die Lungenperfusion außerhalb des Körpers, auch ex-vivo-Lungenperfusion genannt. In dem Gerät wird das Organ körperwarm transportiert, von einer blutähnlichen Lösung durchflossen und mit Nährstoffen versorgt. Die Lunge wird im OCS beatmet und kann sich so selbst mit Sauerstoff versorgen. Das Gerät gibt den Ärztinnen und Ärzten bis zu zwölf Stunden Zeit, das Spenderorgan zu transportieren, die Lungenfunktion zu beurteilen und zu verbessern: Sie können beispielsweise Flüssigkeitseinlagerungen austrocknen und Schleim absaugen. „So erreicht das Organ den Empfänger in einem deutlich besseren Zustand als bei der bisher üblichen kalten Lagerung“, sagt Professor Warnecke. „Und auch die Operationen werden besser planbar – das kommt am Ende der Patientensicherheit zugute!“ Professor Dr. Axel Haverich, Direktor der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie, ergänzt: „In Deutschland werden immer weniger Organe gespendet. Das OCS ermöglicht uns Spenderorgane aus dem weiter entfernten europäischen Ausland hier in Hannover zu implantieren – dies war bisher nicht möglich.“

Die bisherige Standardmethode für den Transport bei vier Grad Celsius räumt den Transplanteuren nur bis zu zehn Stunden Zeit ein. Dabei verschlechtert sich das Organ aufgrund fehlender Blut- und Nährstoffversorgung kontinuierlich, sodass es bei bis zu 30 Prozent der Patientinnen und Patienten nach der Transplantation zur primären Transplantatdysfunktion kommt, bei der sich die Lungenfunktion verschlechtert und die zum Tode führen kann.