Verbund

UNMET - Antidepressiva-induzierte Manie: die Rolle von Glutamat

Bipolare Störungen, im Allgemeinen auch als manisch-depressive-Erkrankung bekannt, verursachen bei Betroffenen einen hohen medizinischen und sozio-ökonomischen Leidensdruck. Bezeichnend ist der rasche Wechsel von einer depressiven in eine manische Phase. Dieser sogenannte Switch in eine manische Phase wird häufig durch Antidepressiva induziert, welche zur Behandlung einer depressiven Episode notwendig sind. Nach aktuellem Stand der Forschung ist der Botenstoff Glutamat zwar daran beteiligt, doch die dem Switch zugrundeliegenden Mechanismen sind noch immer nicht entschlüsselt..

Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des UNMET-Projektes ist es deshalb, die neurobiologischen Grundlagen dieses Switchs zu untersuchen. Sie wollen Biomarker identifizieren, die eine Vorhersage des Switch-Risikos erlauben und entsprechende prophylaktische Behandlungsmaßnahmen entwickeln. Dazu werden die Forschenden in der multidisziplinären Studie zunächst in einem Tiermodell für Manie-artiges Verhalten die Mechanismen und Therapierbarkeit der Störung untersuchen, um dann die Befunde auf Patientinnen und Patienten mit einer bipolaren Störung zu übertragen. Dabei wird besonders das Glutamat-Signal mit biochemischen, elektrophysiologischen, und bildgebenden Methoden betrachtet. Neben dem besseren Verständnis der Krankheitsmechanismen sind die Ergebnisse durch die Testung der Wirksamkeit neuer Therapeutika zur Prophylaxe einer manischen Phase auch von klinischer und wirtschaftlicher Bedeutung.

Der Verbund ist Teil des transnationalen ERA-NET NEURON und umfasst jeweils eine Forschungsgruppe aus den Niederlanden, Slowakei, Belgien, Italien und Deutschland. Das ZI Mannheim trägt maßgeblich zur Charakterisierung der Tiermodelle und Wirkweisen von Psychopharmaka bei.

Teilprojekte

UNMET - Antidepressiva-induzierte Manie: die Rolle von Glutamat

Förderkennzeichen: 01EW1911
Gesamte Fördersumme: 309.711 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2022
Projektleitung: Prof. Dr. Peter Gass
Adresse: Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
J 5
68159 Mannheim

UNMET - Antidepressiva-induzierte Manie: die Rolle von Glutamat

Ziel des Gesamtverbundes ist es, in einem translationalen interdisziplinären Verfahren die neurobiologischen Grundlagen des raschen Wechsels von einer depressiven in eine manische Phase bei der Bipolaren Störung (manisch-depressiven-Erkrankung) zu untersuchen, zum einen im Rattenmodell, zum anderen in bipolaren Patienten. Das deutsche Teilprojekt wird dabei einerseits an der Verhaltenscharakterisierung der beiden Rattenlinien unter Basalbedingungen und unter Stimulation mit Antidepressiva partizipieren, zum anderen mithilfe eines MRT-Tierscanners bildgebende Untersuchungen in Analogie zu den beim Menschen stattfindenden Untersuchungen durchführen. Der so genannte "Switch" in eine manische Phase wird häufig durch Antidepressiva induziert, welche zur Behandlung einer depressiven Episode notwendig sind. Nach gegenwärtigen Hypothesen ist dabei der Neurotransmitter Glutamat ursächlich beteiligt. Mithilfe von zwei transgenen Rattenmodellen für manieartiges Verhalten sollen unter Einsatz von molekularen, biochemischen, elektrophysiologischen, bildgebenden und verhaltensbiologischen Methoden Veränderungen der glutamatergen Neurotransmission in spezifischen Hirnarealen identifiziert werden. Anschließend soll im Tiermodell die Therapierbarkeit dieser Veränderungen getestet werden. Gleichzeitig wird die Übertragbarkeit der Befunde mittels struktureller und funktioneller kernspintechnologiebasierter bildgebender Verfahren auf Patienten mit einer bipolaren Störung untersucht werden. Ziel ist es, Biomarker zu identifizieren, die eine Vorhersage des Switchrisikos erlauben, und gegebenenfalls entsprechende prophylaktische Behandlungsmaßnahmen. Das Vorhaben dient zum einen wissenschaftlichen Zwecken, wie der Klärung der Pathophysiologie von bipolaren Störungen, hat aber auch eine klinische und wirtschaftliche Bedeutung durch die Testung der Wirksamkeit neuer Mittel zur Prophylaxe einer manischen Phase.