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Wenn Corona-Schutzmaßnahmen zur Belastung werden

Schutzmaßnahmen, die zur Eindämmung der Corona-Pandemie beitragen sollen, werden für viele zu einer Belastung. Was dabei ethisch, rechtlich und sozioökonomisch vertretbar ist, erforschen Berliner Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler.

Frau mit Masket guckt aus dem Fenster

Maskenpflicht, Abstand halten, Quarantäne, Corona-Warn-Systeme: Was macht das mit uns?

Halfpoint / Adobe

Das Coronavirus SARS-CoV-2 und die von ihm ausgelöste Corona-Pandemie betreffen Menschen nicht nur in körperlicher Hinsicht – viele leiden unter den damit einhergehenden Einschränkungen und Auflagen. Proteste und Demonstrationen gegen diese Maßnahmen berühren die Gesellschaft als Ganzes. Auch die Sozialwissenschaft untersucht deshalb, wie Menschen mit der Pandemie umgehen und fragt: Was ist ethisch, rechtlich und sozioökonomisch vertretbar, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern oder zu verlangsamen?

Einer Antwort auf diese Frage will das Institut für psychologische Forschung (IFP) an der Sigmund Freud PrivatUniversität Berlin mit dem Projekt Understand_ELSED näherkommen. Anhand von Befragungen und Mediendaten untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IPF, wie sich die Pandemie auf das Verhalten von Menschen in Deutschland auswirkt und wie man diese bestmöglich unterstützen kann.

„Uns geht es darum konkrete Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die negativen Auswirkungen der Pandemie verringert werden können“, erläutert Professorin Dr. Meike Watzlawik das Ziel des IPF-Vorhabens. In dessen Rahmen werden 30.000 Haushalte in Deutschland gebeten, an einer Online-Befragung teilzunehmen. Ergänzend dazu werden mit einem Teil der Befragten vertiefende Interviews geführt. Eine weitere Gruppe der Befragten wird darum gebeten, in einem Tagebuch wöchentlich zu beschreiben, wie es ihnen bei der Bewältigung alltäglicher Herausforderungen ergangen ist. Darüber hinaus soll das allgemeine Stimmungsbild bezüglich der Pandemie anhand von Daten des Kurznachrichten-Dienstes Twitter untersucht werden.

Zu den von den Forschenden aufgeworfenen Fragen gehören auch:

  • Welche Konsequenzen haben die getroffenen Entscheidungen für die Menschen in Deutschland?
  • Welche Risiken und mögliche Schutzmaßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sind ihnen bekannt?
  • Wo erhalten die Menschen Informationen und wie verstehen sie diese?
  • Welche Faktoren beeinflussen die Bereitschaft, Ausgangsbeschränkungen einzuhalten?
  • Wer fühlt sich ausgegrenzt und dadurch besonders belastet?

„Pandemien sind eben nicht als rein medizinisches Geschehen zu betrachten“, betont Watzlawik. Das Ausmaß und die Wirksamkeit erster Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung von Covid-19 – wie etwa Hygieneverhalten, soziale Distanzierung und Selbstisolierung – seien komplexe Prozesse, die es zu verstehen gelte: „Nur so kann sichergestellt werden, dass Menschen sich unterstützend einbringen und vor allem auch psychische Belastungen dabei möglichst gut verkraften.“

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung öffnete zu Beginn der SARS-CoV-2 Pandemie das Rapid Response Modul der „Richtlinie zur Förderung eines Nationalen Forschungsnetzes zoonotische Infektionskrankheiten“ für einen Förderaufruf zur Erforschung von Covid-19. Ab dem 3. März 2020 konnten Forschende Anträge stellen, um zum Verständnis des Virus und dessen Ausbreitung beizutragen sowie um therapeutische und diagnostische Ansätze gegen Covid-19 zu entwickeln und um ethische, rechtliche und sozio-ökonomische Implikationen (ELSA) im Zusammenhang mit der Pandemie zu erforschen.