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Chronische Herzinsuffizienz: Tragbare Sensoren und Apps sollen Forschung und Versorgung verbessern

Wie neue Technologien die Lebensqualität chronisch Kranker verbessern, das zeigt die Medizininformatik-Initiative am Beispiel der Herzinsuffizienz: Die Daten mobiler Sensoren sollen helfen, Klinikaufenthalte zu verhindern.

Blaue Smartwatch mit Fitness-App im Display

Vitaldaten von Patientinnen und Patienten sollen nach der stationären Therapie per App in die Klinik übertragen werden. Deuten die Daten eine bevorstehende Verschlechterung des Krankheitsbildes an, können Ärztinnen und Ärzte rechtzeitig präventiv tätig werden.

alexey_boldin/Adobe Stock

Chronische Herzinsuffizienz, auch Herzschwäche genannt, betrifft zwei bis drei Millionen Menschen in Deutschland. Sie ist eine der häufigsten Ursachen für Krankenhauseinweisungen. Bei einem Teil der Betroffenen verschlechtert sich das Krankheitsbild schubweise – wiederholte Klinikaufenthalte sind die Folge. Diese Risikopatientinnen und -patienten frühzeitig zu identifizieren, sie optimal zu behandeln und schweren Verläufen vorzubeugen – das ist eines der Ziele des HiGHmed-Konsortiums in der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Medizininformatik-Initiative.

Tragbare Sensoren und Apps: Wegbereiter für die präventive Behandlung von Risikopatienten

Ärztinnen und Ärzte arbeiten in der Medizininformatik-Initiative eng zusammenmit Expertinnen und Experten aus den Bereichen Medizininformatik und Datenwissenschaften. „Wir verknüpfen Forschungsdaten aus klinischen Studien mit Informationen, die im Krankenhaus routinemäßig erhoben werden. Mit innovativen IT-Lösungen – darunter auch Verfahren der Künstlichen Intelligenz – wollen wir in diesen Daten Anzeichen für bevorstehende Verschlechterungen des Krankheitsbildes herzinsuffizienter Menschen aufspüren“, so Prof. Dr. Dagmar Krefting, Leiterin des Instituts für Medizinische Informatik an der Universitätsmedizin Göttingen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Udo Bavendiek, Oberarzt an Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinische Hochschule Hannover, leitet Krefting den Anwendungsfall zur Herzinsuffizienz in der Medizininformatik-Initiative. Neben Göttingen und Hannover arbeiten vier weitere Universitätskliniken an gemeinsamen Lösungen.

Um chronisch Kranke auch außerhalb der Klinik über längere Zeiträume beobachten zu können, erproben die HiGHmed-Partner neue mobile Technologien: tragbare Sensoren und Apps. Die sogenannten „Wearables“ können nach der Entlassung aus der Klinik wichtige Parameter der Herzfunktion im täglichen Leben der Patientinnen und Patienten erfassen. „Sobald die übertragenen Daten eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes andeuten, könnten wir künftig präventiv tätig werden – anstatt die Betroffenen wie bisher erst dann zu behandeln, wenn sie mit akuten Beschwerden in die Klinik zurückkehren“, so Bavendiek.

Kardiologische Pionierarbeit soll auch die Versorgung anderer Krankheitsbilder verbessern

Bei der Verknüpfung und Analyse von Datenströmen aus Praxen und Kliniken mit Informationen, die Wearables im täglichen Leben der Patientinnen und Patienten erfassen, leistet der kardiologische Anwendungsfall der Medizininformatik-Initiative Pionierarbeit – auch für die Behandlung anderer Erkrankungen. Dazu zählen beispielsweise die chronische obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und die Multiple Sklerose. Wie die Herzinsuffizienz schreiten auch sie in Schüben voran. Daher kann der Einsatz tragbarer Sensoren außerhalb der Kliniken auch hier wertvolle Daten liefern – Daten, die Ärztinnen und Ärzten helfen, den Krankheitsverlauf nach der Entlassung der Betroffenen aus der Klinik durch eine optimale Nachsorge positiv zu beeinflussen.

DZHK-HiGHmed-Symposium: Potenzial der Digitalisierung zum Wohle der Patientinnen und Patienten heben

Neben dem Einsatz mobiler Sensoren eröffnet der digitale Wandel viele weitere Möglichkeiten, die Erforschung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und deren medizinische Versorgung zu verbessern. Dazu veranstalteten das HiGHmed-Konsortium und das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauferkrankungen (DZHK) im Vorfeld des Weltherztages gemeinsam ein Symposium zum Thema Digitale Gesundheit. „Unser Ziel ist es, das vielfältige Potenzial der Digitalisierung zu verdeutlichen und zum Wohle der Patientinnen und Patienten zu nutzen“, sagt Prof. Dr. Christoph Dieterich, Organisator des Symposiums und Leiter des Klaus Tschira Institute for Computational Cardiology am Universitätsklinikums Heidelberg. Am 21. und 22. September diskutierten Expertinnen und Experten hier über innovative Ansätze in der Kardiologie – von neuen Verfahren des maschinellen Lernens, mit deren Hilfe Computer Bilddaten selbstständig auswerten und die Diagnostik unterstützen, bis hin zu molekularen Techniken, die individualisierte Ansätze in der Therapie ermöglichen, etwa bei der Rekonstruktion von Herzgewebe nach einem Infarkt. Das Symposium wurde als Videokonferenz übertragen.

DZHK-HiGHmed-Symposium: Innovative Ansätze für die Kardiologie

Am 29. September ist Weltherztag!

Ziel des Weltherztages ist es, Menschen besser darüber zu informieren, wie sie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem Schlaganfall vorbeugen können. Sie sollen motiviert werden, gesünder zu essen, ihren Alltag bewegt und aktiv zu gestalten, Stress einzudämmen und nicht zu rauchen. Laut World Heart Federation (WHF) könnten durch eine gesunde Lebensweise rund 80 Prozent der Todesfälle durch Herzinfarkt und Schlaganfall vermieden werden. Der Weltherztag ist eine Initiative der World Heart Federation, in der sich die Herzstiftungen und kardiologischen Fachgesellschaften von mehr als 100 Ländern zusammengeschlossen haben.

Deutsche Herzstiftung: Informationen zum Weltherztag

Medizininformatik-Initiative – die Eckdaten

Daten vernetzen, Gesundheitsversorgung verbessern – dafür steht die Medizininformatik-Initiative der Bundesregierung. Das BMBF stellt dafür von 2018 bis 2021 mehr als 160 Millionen Euro bereit.

  • Aufbau und Vernetzungsphase (2018-2021): Das BMBF fördert vier Konsortien der Medizininformatik, die ab 2018 Datenintegrationszentren aufbauen. Anhand konkreter Anwendungsfälle sollen sie den medizinischen Mehrwert der entwickelten IT-Architekturen und Softwarelösungen in der Praxis demonstrieren. Die Anwendungsfälle decken dabei vielfältige Bereiche der Medizin ab, darunter Kardiologie, Onkologie und Neurologie, aber auch Krankenhausinfektionen und Arzneimittelwechselwirkungen.
  • Ausbau und Erweiterungsphase (2022-2025): Weitere Partner sollen bewährte Lösungen übernehmen, damit Patientinnen und Patienten in Deutschland flächendeckend von den Fortschritten der Medizininformatik-Initiative profitieren.