Methoden und Strukturen

International genießt die deutsche Gesundheitsforschung einen exzellenten Ruf - nicht zuletzt dank einer engen Vernetzung relevanter Akteure in der Hochschulmedizin, in außeruniversitären Forschungseinrichtungen und forschenden Unternehmen.

Die deutsche Hochschulmedizin bietet optimale Voraussetzungen für die erfolgreiche Translation innovativer Konzepte in den klinischen Alltag.

Die deutsche Hochschulmedizin bietet optimale Voraussetzungen für die erfolgreiche Translation innovativer Konzepte in den klinischen Alltag.

NGFN/BMBF

Vielfalt des deutschen Forschungssystems nutzen

Der Wissenschaftsstandort Deutschland ist im Bereich der Gesundheitsforschung vielfältig aufgestellt. Universitäten, Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Ressortforschungseinrichtungen und forschende Unternehmen arbeiten kooperativ und wettbewerblich zusammen und werden in ihrer jeweiligen Rolle gleichermaßen geschätzt. Gemeinsam sollen sie sowohl Translation als auch wichtige Entwicklungen wie Digitalisierung, Personalisierung und Partizipation voranbringen.

Hochschulmedizin: Wichtige Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis

Wichtigste Säule der Gesundheitsforschung in Deutschland ist die Hochschulmedizin. Sie vereint 38 Medizinische Fakultäten und 33 Universitätskliniken und bietet optimale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Translation von Forschungsergebnissen in die Versorgung und für die Rückkopplung klinischer Erfahrungen und konkreter Forschungsbedarfe in die Forschung. Dabei ist die Hochschulmedizin sowohl dem wissenschaftlichen als auch dem krankenhauswirtschaftlichen Wettbewerb ausgesetzt. Denn die Universitätskliniken stellen nicht nur die Behandlung besonders komplexer oder seltener Erkrankungen sicher und tragen zur Gesundheitsversorgung und zur umfassenden Notfallversorgung bei. Forschung und Lehre sind auch in der Breite auf eine unmittelbare Verbindung an das Versorgungsgeschehen in den Universitätskliniken angewiesen. Die Institute und klinischen Einrichtungen der Universitäten sind durch ihr breites Kompetenz- und Methodenspektrum wissenschaftlich sehr gut aufgestellt. Ihre fachliche Breite umfasst nahezu alle Krankheitsbilder. Zusätzlich trägt die gesundheitspolitisch unterstützte Bildung von Versorgungszentren, beispielsweise für Seltene Erkrankungen, dazu bei, dass Kooperationen universitärer Spitzenmedizin mit Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung und auch ärztlichen Praxen möglich werden und in besonderer Weise der Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die unmittelbare Versorgung von Patientinnen und Patienten fördern.

Forschungspolitische Akzente durch außeruniversitäre Einrichtungen

Auch die gemeinsam von Bund und Ländern geförderten außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind ein wichtiger Grundpfeiler der Gesundheitsforschung in Deutschland. Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen arbeiten eng untereinander und mit der Hochschulmedizin zusammen. Ihre Aufgaben decken das gesamte Spektrum von der Grundlagenforschung über Infrastrukturen bis zur industrienahen, anwendungsorientierten Forschung ab. Zentren beziehungsweise Institute im Forschungsbereich Gesundheit finden sich in den Forschungsorganisationen Fraunhofer- und Max-Planck-Gesellschaft sowie der Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft. Aus öffentlichen Mitteln wird auch das Berliner Institut für Gesundheitsforschung finanziert – als ein Modell für die krankheitsübergreifende translationale Forschung. Wesentliches Merkmal der außeruniversitären Forschung ist, dass sie sich strategisch ausrichten muss. Dadurch sind sie gut aufgestellt, forschungspolitisch Akzente zu setzen und die Medizin der Zukunft mitzugestalten.

Innovative Ideen in den klinischen Alltag bringen

Die pharmazeutische und medizintechnische Industrie ist heute mehr denn je auf das Wissen und die Kreativität der universitären und außeruniversitären Forschung angewiesen. In Deutschland sind – dank starker Förderung durch Bund und Länder – zahlreiche junge Biotechnologie-Unternehmen entstanden, die Ideen aus der Wissenschaft in die wirtschaftliche Anwendung überführen. Meist übernehmen sie die frühen Phasen der Wirkstoffentwicklung. Erfolgversprechende Ansätze übergeben Biotechnologie-Unternehmen danach meist an größere Unternehmen, weil ihnen – neben einer ausreichenden Kapitalausstattung – die erforderliche Expertise für die späten Phasen der Arzneimittelentwicklung und -zulassung oft fehlen.

Ressortforschungseinrichtungen zeichnen sich durch ihre spezifischen Aufgaben an der Schnittstelle von Politik, Wissenschaft und Praxis aus. Sie tragen damit entscheidend zur erfolgreichen Ausgestaltung von Innovationsprozessen bei.

Um im globalen Wettbewerb zu bestehen und diesen mitzugestalten, muss Deutschland die Vielfalt seines Wissenschaftssystems als Stärke begreifen und dessen Leistungsfähigkeit und Kreativität langfristig sicherstellen. Damit wichtige Ergebnisse zügig in die Anwendung umgesetzt werden können, ist ein Zusammenspiel von Forschung und Praxis einschließlich der regulatorischen Entscheidungsträger Voraussetzung.

Zusammenwirken von Gesundheitsforschung und Schlüsseltechnologien stärken

Innovationspotenziale werden künftig ganz wesentlich auch an der Schnittstelle zwischen Lebenswissenschaften und den Schlüsseltechnologien zu heben sein. Die Verbindung von Biotechnologie, der Digitalisierung, der Nanotechnologie, neuen physikalisch-chemischen Analysemethoden und anderen Technologien wird gänzlich neue Möglichkeiten und Erkenntnisse in der Gesundheitsforschung schaffen. Die Bundesregierung wird daher unter dem Dach der ressortübergreifenden Agenda „Von der Biologie zur Innovation“ vor allem auch das Zusammenspiel von Lebens- und Technikwissenschaften durch disziplinübergreifende Ansätze stärken.

Ein Element der Agenda werden neuartige Therapieverfahren sein, die patienteneigene Ressourcen nutzen, wie etwa die Zell-, Immun- und die somatische Gentherapie oder das „Tissue Engineering“. Hier wird die Bundesregierung einschlägige Forschungsaktivitäten bündeln, da die regenerative Medizin das Potenzial hat, nicht nur Symptome von Krankheiten zu lindern, sondern bisher unheilbare Krankheiten gänzlich zu besiegen.