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Covid-19: Warum erkranken infizierte Kinder seltener?

Gesunde Kinder scheinen nach einer SARS-CoV-2-Infektion weniger schwer an Covid-19 zu erkranken als ältere Erwachsene. Ein BMBF-gefördertes Forschungsprojekt untersucht, inwiefern das mit der Entwicklung des Immunsystems zusammenhängt.

Gesunde Kinder haben nach einer SARS-CoV-2 Infektion oft nur milde oder keine Symptome

Gesunde Kinder haben nach einer SARS-CoV-2 Infektion oft nur milde oder keine Symptome

BMBF / DLR Projektträger

Obwohl sich Kinder anscheinend genauso oft mit SARS-CoV-2 infizieren, erkranken sie deutlich seltener als Erwachsene. Dieser altersabhängige Unterschied ist auch von anderen Infektionserkrankungen bekannt und wird darauf zurückgeführt, dass die Immunzellen von Kindern und Jugendlichen anders auf Erreger reagieren als die Erwachsener. Das Immunsystem scheint mit zunehmendem Alter weniger effektiv zu arbeiten. Ob das auch auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 zutrifft, ist jedoch noch nicht untersucht worden.

Unterschiede im Immunsystem

„Wir wollen den Schlüssel für diese altersspezifische Reaktion des Immunsystems bei SARS-CoV-2 finden “, sagt Professorin Dr. Sawitzki. Die Immunologin leitet eine Arbeitsgruppe zur Immuntoleranz im Institut für Medizinische Immunologie in der Charité – Universitätsmedizin Berlin und koordiniert das Forschungsprojekt mit dem Namen RECAST. Zusammen mit ihren Kollegen aus der Charité, Professor Dr. Leif Erik Sander, Professor Dr. Marcus Mall, Dr. Jobst Röhmel, Professor Markus Ralser und Dr. Victor Corman hat sie eine Studie geplant, mit deren Hilfe sie Antworten auf folgende Fragen finden will:

Wie unterscheidet sich die Immunantwort bei Covid-19 erkrankten Kindern mit milder und starker Verlaufsform von den Kindern, die infiziert sind, aber symptomlos bleiben? Gibt es diese Unterschiede auch bei Erwachsenen?

Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden untersucht

In der Studie werden dafür Kinder von null bis 18 Jahren und Erwachsene untersucht. Alle werden in drei Gruppen eingeteilt: Nicht infiziert, infiziert und milde Verlaufsform sowie infiziert und schwere Verlaufsform. Die Forschenden profitieren dabei von einem Netzwerk von über 20 Kinderarztpraxen und Kindergärten, das sie bereits aus früheren Studien aufgebaut haben.

Die Immunologen erhoffen sich Erkenntnisse über den Mechanismus, der Kinder und Jugendliche offenbar schützt. „Unsere Ergebnisse könnten auch helfen, neue diagnostische Marker und Therapieansätze zur Behandlung von Covid-19 zu entwickeln und die Hygieneregeln in Kindergärten und Schulen besser einzuschätzen“, so Sawitzki.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung öffnete zu Beginn der SARS-CoV-2 Pandemie das Rapid Response Modul der „Richtlinie zur Förderung eines Nationalen Forschungsnetzes zoonotische Infektionskrankheiten“ für einen Förderaufruf zur Erforschung von Covid-19. Ab dem 3. März 2020 konnten Forschende Anträge stellen, um zum Verständnis des Virus und dessen Ausbreitung beizutragen sowie um therapeutische und diagnostische Ansätze gegen Covid-19 zu entwickeln.