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Erhebung drängendster Forschungsfragen zu Darmkrebs

Traditionell legen Forschende selbst fest, welchen Themen sie Priorität einräumen. Doch geht es um medizinische Fragen, haben Betroffene und Versorgende oft zusätzliche Sichtweisen. Diese können Sie bis zum 31. Oktober 2020 in Umfrage einbringen.

Die Forschungspartnerschaft Darmkrebs sucht die wichtigsten Forschungsfragen zu Diagnostik, Therapie und Nachsorge beim kolorektalen Karzinom (Darmkrebs) bei älteren Patientinnen und Patienten.

Die Forschungspartnerschaft Darmkrebs sucht die wichtigsten Forschungsfragen zu Diagnostik, Therapie und Nachsorge beim kolorektalen Karzinom (Darmkrebs) bei älteren Patientinnen und Patienten.

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Aus der Erfahrung relevanter Gruppen schöpfen

Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige wissen am besten um die alltäglichen Probleme, die eine Krankheit und ihre Behandlung mit sich bringt. Oftmals sind ihnen Dinge wichtig, die Forschende nicht immer auch im Fokus haben. So können sich beispielsweise Forschungsarbeiten mit Neuentwicklungen beschäftigen, die Betroffenen ein ­oft nur um wenige Wochen­ längeres Leben ermöglichen. Erhebungen zeigen, dass es den Erkrankten manchmal wichtiger ist, dass bereits bestehende Therapien und Erkenntnisse zur Diagnostik oder Nachsorge vertieft und zugunsten der Lebensqualität weiterentwickelt werden.

Bürgerbeteiligung in der Forschung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt die partizipative Forschung, bei der Bürgerinnen und Bürger beteiligt werden. So ist beispielsweise in der BMBF-initiierten Nationalen Dekade gegen Krebs die Bürger- und die Patientenbeteiligung an der Krebsforschung ein wichtiges Thema. Auch bei der Förderung von Forschungsprojekten ist eine solche Beteiligung eine wichtige Voraussetzung.

Mehr Informationen finden Sie hier: https://www.dekade-gegen-krebs.de/de/patienten-zur-beteiligung-befaehigen-2263.html

Das medizinische Personal wiederum bringt aus seiner Praxiserfahrung einen eigenen Blickwinkel auf die größten Nöte mit ein. Eine zunehmende Herausforderung ist hier u.a. das immer höhere Alter von Krebserkrankten und damit verbundene weitere Erkrankungen, die bei der Behandlung berücksichtigt werden müssen und Heilungschancen und Lebensqualität mindern. Mitarbeitende einer Klinik werden dabei mit anderen Schwierigkeiten konfrontiert als solche aus der ambulanten Versorgung (z.B. in der Hausarztpraxis). Das bedeutet: Jede bzw. jeder deckt einen eigenen Erfahrungsbereich ab und alle müssen gehört werden, um Blick auf das Gesamte zu haben.

Partizipative Forschung zu Darmkrebs

In einer aktuellen Umfrage der Forschungspartnerschaft Darmkrebs können Patientinnen und Patienten, Angehörige, Pflegepersonal und versorgende Ärztinnen und Ärzte nun aus ihrer Sicht bislang unbeantwortete Fragen zu Diagnose, Therapie und Nachsorge des Darmkrebses (kolorektales Karzinom) bei älteren Patientinnen und Patienten darlegen, denen sich die Wissenschaft in Zukunft widmen soll.

Über ein Online-Formular können Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den fünf Themenfeldern Diagnose, Therapie, unterstützende und ergänzende Therapien, tägliches Leben und Nachsorge ihre Anregungen eingeben. Aus den Umfrageergebnissen werden in einem systematischen Prozess die zehn wichtigsten Forschungsfragen erarbeitet und am Ende veröffentlicht, um die zukünftige Forschung gezielt auf dem Gebiet dieser Erkrankung zu verbessern.

So können Fragen und Beiträge von Betroffenen Einfluss auf die Forschung nehmen:

  • „Wie kann man nach einer OP schneller wieder auf die Beine kommen?“ Wissen Forschende um diesen Wunsch, könnten sie im Rahmen von Studien die Mobilisierungszeit von weniger invasiven OP-Methoden mit herkömmlichem Vorgehen vergleichen. Gleichzeitig muss dabei geprüft werden, ob sich damit nicht die Heilungschancen verschlechtern.
  • „Die Chemotherapie direkt nach der OP hat mich sehr belastet.“ Forschende könnten hier untersuchen, ob eine Chemotherapie, die die Wundheilung beeinträchtigt, statt direkt nach der OP etwas später eingesetzt werden kann. Auch hier muss wieder erhoben werden, ob das für Betroffene einen Nachteil hat.
  • „Ich habe mich mit dem künstlichen Darmausgang nicht mehr aus dem Haus getraut.“ Diese Aussage könnte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dazu ermutigen, die Lebensqualität in ihren Studien mehr in den Vordergrund zu heben und zu prüfen, ob es z.B. besser ist, entsprechende Anschluss-Operationen schneller durchzuführen als bisher üblich.
  • „Ich habe seit der Darmkrebs-OP hartnäckige Verdauungsstörungen – was kann man dagegen machen?“ Dies kann anregen, in Studien zu vergleichen, welche Ernährung nach Operationen bei Darmkrebs am besten vertragen wird bzw. was die Darmtätigkeit schnell wieder in Gang bringen kann.

Die Forschungspartnerschaft Darmkrebs ist ein Netzwerk nach dem Vorbild der englischen James Lind Alliance und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Detailinformationen zur Forschungspartnerschaft Darmkrebs finden Sie hier:

Weitere Forschung zu Darmkrebs fördert beispielsweise die Nationale Dekade gegen Krebs und einer ihrer Partner, die Felix Burda Stiftung. Aktuell ist eine Förderung interdisziplinärer Verbünde zur Erforschung zur Prävention von Darmkrebs in jüngeren und künftigen Generationen ausgeschrieben. Trat diese Krebsart bislang überwiegend in höherem Alter auf, erkranken in den letzten Jahren vermehrt auch jüngere Jahrgänge. Um der Herausforderung steigender Darmkrebsfälle wirksam entgegenzutreten, müssen die Ursachen der Erkrankung sowie verbesserte Möglichkeiten zur Früherkennung und dem Leben mit der Krankheit erforscht werden.