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Europa sucht gemeinsam nach neuen Wirkstoffen

Die Infrastruktur EU-OPENSCREEN bringt neuen Schwung in die Wirkstoffforschung. Sie bündelt einschlägiges Know-how und Ressourcen in ganz Europa. Wirkstoffe, etwa für neue Medikamente, sollen so künftig schneller entwickelt werden können.

Die EU-OPENSCREEN-Partnerstandorte stellen Forscherinnen und Forschern modernste Technik für die Wirkstoffsuche zur Verfügung.

Die EU-OPENSCREEN-Partnerstandorte stellen Forscherinnen und Forschern modernste Technik für die Wirkstoffsuche zur Verfügung.

Bernd Müller, Fraunhofer IME ScreeningPort

Eine Substanzbibliothek, die künftig bis zu 140.000 chemische Verbindungen umfassen wird – das ist das Herzstück von EU-OPENSCREEN. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt können sie nutzen, um vielfältige chemische Verbindungen auf deren biologische Wirkung zu testen und nach Kandidaten für neue pharmakologische Substanzen oder umweltverträgliche Pflanzenschutzmittel zu fahnden. Die EU-OPENSCREEN-Partnerstandorte zeichnen sich durch einschlägige Expertisen und jahrelange Erfahrungen in der Wirkstoffsuche aus und stellen den Forschenden ihr Know-how und modernste Techniken zur Verfügung.

Ab 2020 werden Forschende die Angebote von EU-OPENSCREEN nutzen: Zwölf ausgewählte Vorhaben wird die Europäische Kommission über das Horizont-2020-Projekt EU-OPENSCREEN-DRIVE dafür fördern. Bis zum 30. September 2019 können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Projektideen einreichen und sich bewerben. Unabhängig von einer Förderung können interessierte Forschende die Nutzung der EU-OPENSCREEN-Infrastruktur auch selbst finanzieren.

Zukunftweisende Infrastruktur mit Sitz in Deutschland

Die Geschäftsstelle und die Substanzbibliothek von EU-OPENSCREEN sind auf dem Campus in Berlin-Buch angesiedelt. 23 Forschungsinstitute aus bislang acht europäischen Ländern sind Teil der Forschungsinfrastruktur. Deutsche Partner sind der Fraunhofer IME ScreeningPort in Hamburg, das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin und das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig. Die Europäische Kommission verlieh EU-OPENSCREEN 2018 den Status eines „European Research Infrastructure Consortium“ (ERIC). EU-OPENSCREEN ist damit nach SHARE („Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe“) das zweite ERIC mit Sitz in Deutschland.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt EU-OPENSCREEN bis 2023 mit rund 24 Millionen Euro. Diese Mittel dienen zum einen dem Aufbau der Substanzbibliothek am Standort Berlin-Buch. Zum anderen werden sie die technische Ausstattung der deutschen Partnerstandorte weiter stärken. Ebenso fördern die anderen Mitgliedsländer ihre Partnerlabore und beteiligen sich an der Finanzierung der zentralen Einrichtungen.

Die Natur als „Muse“ der chemischen Biologie

Alles Leben beruht auf chemischen Vorgängen. Entsprechend groß ist die Vielfalt natürlich vorkommender, biologisch aktiver Substanzen. Die chemische Biologie fahndet daher auch in dem gigantischen Arsenal der Naturstoffe nach möglichen Wirkstoffen, die nach dem „Schlüssel-Schloss-Prinzip“ biologische Prozesse ganz gezielt beeinflussen. Von den Strukturen und Wirkungsweisen dieser Substanzen inspiriert entstehen synthetische Wirkstoffe, die den natürlichen Vorbildern ähneln.