Februar 2019

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Mehr Lebensqualität für krebskranke Menschen

Forschende aus Regensburg haben es sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität von Menschen mit Krebserkrankungen zu verbessern. Ihr Konzept konnten sie in zwei wissenschaftlichen Studien erfolgreich umsetzen.

Frau Dr. Monika Klinkhammer-Schalke

Frau Dr. Monika Klinkhammer-Schalke leitet das Tumorzentrum in Regensburg.

Dr. Monika Klinkhammer-Schalke

Viele Krebserkrankungen sind heute gut behandelbar. Dennoch leidet die Lebensqualität der Betroffenen häufig unter der Erkrankung. „Diesen Menschen kann es helfen, wenn ihre Lebensqualität regelmäßig erfasst und bei der Therapie und Nachsorge stärker berücksichtigt wird. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte können dann frühzeitig reagieren und beispielsweise psychologische oder schmerztherapeutische Fachkräfte hinzuziehen“, erklärt Dr. Monika Klinkhammer-Schalke, Leiterin des Tumorzentrums in Regensburg. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen konnte sie dieses Konzept bereits in einer wissenschaftlichen Studie mit Brustkrebspatientinnen erfolgreich umsetzen. „Damit diese Erkenntnis auch anderen Krebspatientinnen und -patienten zu Gute kommt, haben wir eine weitere Studie durchgeführt. Mit dieser konnten wir zeigen, dass sich unsere Ergebnisse auch auf andere Krebserkrankungen übertragen lassen“, ergänzt die Wissenschaftlerin.

Umfangreiche Studie zur Lebensqualität

Für ihre Studie, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt hat, rekrutierten die Forschenden 220 Patientinnen und Patienten, die an Darmkrebs erkrankt waren. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe aufgeteilt. In beiden Gruppen wurde unmittelbar nach der Operation sowie zu vier Zeitpunkten innerhalb der folgenden 18 Monate die Lebensqualität mithilfe eines standardisierten Fragebogens erfasst. Die Ergebnisse wurden allerdings nur in der Interventionsgruppe dem Arzt bzw. der Ärztin rückgemeldet und mit Behandlungsempfehlungen verknüpft, sodass sie in die weitere ärztliche Nachsorge einbezogen werden konnten. Die Kontrollgruppe erhielt den üblichen Behandlungsstandard.

„Eine besondere Herausforderung war es für uns, ein Netzwerk zu schaffen, das zeit- und wohnortsnah entsprechende Therapieoptionen anbieten konnte. Denn ein solches fehlt in der ambulanten Nachsorge weitestgehend“, ergänzt Klinkhammer-Schalke. Das entstandene Netzwerk bringt vier Darmkrebszentren, rund 200 Hausärztinnen und Hausärzte bzw. Onkologinnen und Onkologen und 75 Fachkräfte aus der Psychologie, der Schmerz- und Physiotherapie sowie der Sozial- und Ernährungsberatung zusammen und verknüpft damit den stationären mit dem ambulanten Bereich. Mit Erfolg: Ebenso wie die Brustkrebspatientinnen aus der vorangegangenen Studie, profitierten auch die Darmkrebserkrankten davon, dass die Auswirkungen auf ihre Lebensqualität stärker berücksichtigt und gegebenenfalls Therapiemaßnahmen eingeleitet wurden. Ein Jahr nach der Operation wiesen die Patientinnen und Patienten der Interventionsgruppe eine höhere Lebensqualität auf als in der Kontrollgruppe. „Die Ergebnisse bestätigen die Annahme, dass sich der therapeutische Ansatz auch auf andere Krebserkrankungen übertragen lässt“, so die Wissenschaftlerin. „Zukünftig könnte er daher vielen Menschen helfen.“

Grafische Darstellung, wie sich die Lebensqualität während der Erkrankung entwickelt.

Die Grafik zeigt den Lebensqualitätsbefund eines Patienten mit Darmkrebs. Bei Werten, die links neben dem markierten 50er-Balken liegen, wurde therapeutische Unterstützung angeboten.

Tumorzentrum Regensburg

Digitale Auswertung zur schnelleren Verfügbarkeit

In einer weiteren Studie haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Regensburg ein computergestütztes Verfahren entwickelt, mit dem die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten auf dem Tablet erfasst werden kann. Zudem entwickelten sie ein Programm, das mithilfe einer Bilderkennungssoftware auch Fragebögen auf Papier auswerten kann, die hierfür lediglich per Fax verschickt werden müssen. Beide Verfahren haben den Vorteil, dass die Ergebnisse sowohl Ärztinnen und Ärzten als auch Patientinnen oder Patienten unmittelbar zur Verfügung stehen und damit schnell in die Therapie einfließen können. Diese Studie wurde durch die Deutsche Krebshilfe e.V. unterstützt.

Ansprechpartnerin:
Priv.-Doz. Dr. Monika Klinkhammer-Schalke
Tumorzentrum Regensburg
Institut für Qualitätssicherung und Versorgungsforschung der Universität Regensburg
Am BioPark 9
93053 Regensburg
monika.klinkhammer-schalke@ur.de