Psychosomatisch Kranke schaffen die Rückkehr ins Arbeitsleben

Menschen mit psychosomatischen Krankheiten werden besonders oft arbeitslos. Eine Rückkehr ins Berufsleben gelang ihnen bisher nur selten. Die Klinik Roseneck am Chiemsee bietet Betroffenen deshalb spezielle Programme zur beruflichen Reintegration an – mit gutem Erfolg.

Menschen mit Depressionen oder Angststörungen haben oft auch Schwierigkeiten im Berufsleben. „Etwa jeder Dritte unserer Patienten klagt über massive Probleme am Arbeitsplatz“, sagt Privatdozent Dr. Dr. Andreas Hillert von der Psychosomatischen Klinik Roseneck. „Menschen mit psychosomatischen Krankheiten fühlen sich schnell überfordert, haben Schwierigkeiten mit Kollegen oder Vorgesetzten und sind häufig krank geschrieben. Viele verlieren ihren Job.” Die Klinik Roseneck hat deshalb mit finanzieller Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Therapiekonzepte zur beruflichen Rehabilitation psychosomatisch Kranker entwickelt. Diese Programme erhöhen die Chancen deutlich, die Betroffenen zurück ins Arbeitsleben zu bringen.

Zwei Modelle für den Wiedereinstieg
Die Klinik Roseneck bietet zwei Modelle an, um die berufliche Wiedereingliederung zu erreichen. Beim ersten Model erfolgt die Therapie unter Einbeziehung des „richtigen” Arbeitslebens. Hillert und seine Kollegen haben Kontakte zu über 60 Betrieben geknüpft, die Praktikumsplätze für Patienten zur Verfügung stellen. Die Patienten arbeiten wie andere Arbeitnehmer im Betrieb mit, allerdings ist ihre Stundenzahl reduziert. Regelmäßig finden Gespräche zwischen Therapeuten und Patienten beziehungsweise den Vorgesetzten statt. „Berufliche Belastungserprobung“ nennt Hillert dieses Konzept. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Immerhin 58 Prozent der so betreuten Patienten schaffen den Wiedereinstieg ins Berufsleben. Ohne die Maßnahme sind es nur 35 Prozent.
Als Alternative zur Belastungserprobung finden in der Klinik berufsbezogene Therapiegruppen statt. Hier analysieren Patienten und Therapeuten zunächst die individuellen Probleme im Berufsleben und legen fest, was sich ändern sollte. Dann lernen die Betroffenen, zum Beispiel in Rollenspielen, den Umgang mit Kollegen oder üben neue Kommunikationsformen und Strategien zur Stressbewältigung. „Manche Patienten merken gar nicht, wann und wodurch sie gestresst sind. Hier müssen wir dann erstmal die Selbstwahrnehmung trainieren“, so Hillert. Auch die Teilnehmer dieser Therapiegruppen finden häufiger als andere Patienten wieder einen festen Job. Außerdem verbessert sich ihre psychische Situation. Sie neigen im Beruf deutlich weniger zur Resignation als vorher. Wegen der guten Erfolge gehören berufliche Belastungserprobungen und berufsbezogene Therapiegruppen in Roseneck inzwischen zu den Standardangeboten für die Patienten. Zurzeit wird untersucht, ob das Konzept auch Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder orthopädischen Erkrankungen den beruflichen Wiedereinstieg erleichtert. 

Die eigenen Ressourcen abschätzen

Psychosomatisch kranke Menschen wieder ins Arbeitsleben zu integrieren, ist das eine. Aber wie kann man von vornherein verhindern, dass der Job psychisch krank macht? Hillert: „Nehmen sie einen Marathonläufer. Er setzt sich klare Ziele, bereitet sich nach einem detaillierten Trainingsplan monatelang auf den Lauf vor und weiß genau, wann sein Körper nicht mehr mitspielt. Auf das Berufsleben bereiten sich die meisten Menschen dagegen überhaupt nicht vor. Man fängt einfach an zu arbeiten, ohne die eigenen Ressourcen abzuschätzen oder seine Stärken und Schwächen zu analysieren. Kein Wunder, dass so viele Arbeitnehmer gestresst sind und psychosomatische Störungen entwickeln.“ Viele psychische Probleme am Arbeitsplatz ließen sich nach Ansicht Hillerts durch bessere individuelle Selbstmanagement-Fähigkeiten verhindern. Dabei sei nicht zuletzt ein angemessener Ausgleich zum Berufsleben wichtig.

Ansprechpartner:
PD Dr. Dr. Andreas Hillert 
Schön Klinik Roseneck
Am Roseneck 6
83209 Prien am Chiemsee
Tel.: 08051/68-0
Fax: 08051/68-3532
E-Mail: ahillert@schoen-kliniken.de