28.09.2020

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Schützen Wurmerkrankungen vor einem schweren Covid-19-Verlauf?

Möglicherweise können parasitäre Wurmerkrankungen vor einem schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung schützen – deutsch-afrikanische Forschungsteams wollen dies im Norden Ghanas mit Unterstützung des BMBF in einer epidemiologischen Studie untersuchen.

Frauen aus Afrika sitzen mit dem Rücken zum Betrachter auf Holzbänken und hören einer Frau zu.

Auf Abstand und mit Mund-Nasen-Schutz: Im Forschungsnetzwerk TAKeOFF wird im Norden Ghanas untersucht, ob Wurmerkrankungen die Schwere einer Covid-19-Erkrankung beeinflussen.

Onchocerciasis & Lymphatic Filariasis Group, KCCR, Kumasi, Ghana

Obwohl sich das neue Coronavirus auch in den Ländern südlich der Sahara rasant ausbreitet, werden dort weniger Tote in Verbindung mit einer SARS-CoV-2-Infektion als in anderen Ländern verzeichnet. Bonner Forschende führen dies nicht allein auf eine geringere Zahl durchgeführter Tests zurück, sondern vermuten einen Zusammenhang mit anderen Infektionserkrankungen. Möglicherweise, so erklärt Professor Dr. Achim Hörauf, „kann eine Wurminfektion aufgrund der damit einhergehenden Dämpfung der Immunreaktionen den Schweregrad einer Covid-19-Erkrankung beeinflussen.“

Hörauf ist Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn und begleitet auf deutscher Seite das Forschungsvorhaben TAKeOFF, eines von fünf Forschungsnetzwerken für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika. In diesem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützten Netzwerk haben sich Infektionsforschende aus drei afrikanischen Ländern (Ghana, Tansania und Kamerun) sowie aus Deutschland zusammengeschlossen. 

Vor Ort wollen medizinische Teams die im Rahmen von TAKeOFF aufgebaute Infrastruktur nutzen, um in einem abgelegenen Gebiet im Norden des Landes eine epidemiologische Studie durchzuführen und Daten zur Verbreitung des SARS-CoV-2-Virus zu erheben. Darüber hinaus werden sie eine Biobank aus den gewonnenen Proben anlegen, um den Zusammenhang zwischen Wurminfektionen und einem etwaigen Schutz vor Covid-19 auch auf zellulärer Ebene zu klären. In Ghana sorgen parasitäre Würmer, in der Fachwelt Helminthen genannt, für eine hohe Krankheitslast.

„Es ist bekannt, dass eine Infektion mit Helminthen auf die Immunantwort des menschlichen Körpers einwirkt, die Reaktion auf unspezifische Reize unterdrückt und den Schweregrad von Virusinfektionen beeinflusst“, erläutert Hörauf den wissenschaftlichen Hintergrund des Vorhabens. Wie sich eine Koinfektion mit Helminthen und SARS-CoV-2 gegenseitig beeinflusse, sei bislang aber noch unbekannt. Mit ihren Untersuchungen hoffen die deutschen-afrikanischen Wissenschaftlerteams diese Forschungslücke zu schließen. Die Untersuchungen sollen zudem Aufschluss darüber geben, wie schnell auf einen neu auftretenden Krankheitserreger reagiert werden kann und epidemiologische Daten bereitgestellt werden können – eine wichtige Orientierungshilfe für politische Entscheidungsträger vor Ort. Ihre Daten werden die Forschungsteams den Gesundheitsbehörden in Ghana und der Weltgesundheitsorganisation WHO zur Verfügung stellen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung öffnete zu Beginn der SARS-CoV-2 Pandemie das Rapid Response Modul der „Richtlinie zur Förderung eines Nationalen Forschungsnetzes zoonotische Infektionskrankheiten“ für einen Förderaufruf zur Erforschung von Covid-19. Ab dem 3. März 2020 konnten Forschende Anträge stellen, um zum Verständnis des Virus und dessen Ausbreitung beizutragen sowie um therapeutische und diagnostische Ansätze gegen Covid-19 zu entwickeln.

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