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Speed-Dating für Bakterien

Die wenigsten Bakterien lassen sich im Labor kultivieren – doch erst dann kann man sie und ihr Potential für neuartige Anwendungen etwa in der Medizin untersuchen. Diesem Problem widmete sich der Kreativ-Workshop Culture Challenge, der vom BMBF ausgerichtet wurde.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer basteln einen Prototypen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer griffen zu Knete, Luftballons und Pfeifenreiniger, um erste Prototypen ihrer Kultivierungsverfahren zu visualisieren.

Projektträger Jülich

Die Kultivierung von Bakterien und anderen Mikroorganismen gleicht oftmals einem Kampf gegen Windmühlen. Was in WG-Kühlschränken wie von alleine wächst, will bei den meisten Bakterien im Labor nicht klappen. Die Gründe dafür sind vielfältig und häufig schwer zu ermitteln – mal ist es der falsche Nährstoffcocktail, mal fehlt der passende Wirt. Die Suche nach passenden Bedingungen ist zeitaufwendig und häufig kostenintensiv. Daher beschäftigen sich wenige Forschungsgruppen mit den Herausforderungen der Kultivierung, auch wenn das Problem seit mehr als 100 Jahren bekannt ist. Andererseits haben die wenigen Bakterien, die sich bislang im Labor züchten lassen, unsere Welt verändert: Sie liefern Wirkstoffe gegen gefährliche Krankheiten, produzieren umweltfreundliche Rohstoffe oder bauen Giftstoffe in Gewässern ab. Welches Potential schlummert wohl in den anderen Bakterien, die sich bislang nicht im Labor kultivieren lassen?

Beim Kreativworkshop „Culture Challenge“ am 26. und 27. März 2019 in Berlin waren zwei Tage diesem Thema gewidmet. Eine bunte Mischung aus 24 MikrobiologInnen, BioinformatikerInnen und IngenieurInnen konnte sich im Bewerbungsverfahren durchsetzen. Neben Austausch und Vernetzung des interdisziplinären Teilnehmerkreises ging es darum, sich mit Kreativmethoden etwa aus dem Design Thinking der Entwicklung neuer Kultivierungsverfahren zu nähern. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten sich dafür in die Bedürfnisse von Mikroorganismen hineinversetzen und erste Prototypen ihrer Kultivierungsverfahren mit Knete und Luftballons visualisieren. Dabei gingen sie unkonventionell vor und bestimmten die richtigen Symbionten etwa beim Speed-Dating.

Zum Abschluss sind die Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmer in fünf Teams mit ihren erarbeiteten Ideen bei einem Pitch gegeneinander angetreten. Neben einer überzeugenden Darstellung ging es vor allem um die Originalität der Ideen. Durchsetzen konnten sich drei Teams, die sich mit den Herausforderungen bei der Kultvierung folgender Bakterien beschäftigen:

  1. Bakterien, die unter hohem Druck in den Tiefen der Erdkruste wachsen
  2. Darmkrebs-assoziierte-Bakterien, die abhängig von Helferbakterien sind
  3. Sehr langsam wachsenden Bakterien, die mit anderen Bakterien einen Biofilm bilden

Die drei Gewinnerteams haben in einer einjährigen Sondierungsphase die Gelegenheit, ihre Ideen weiter auszuarbeiten. Dabei unterstützt sie das Bundesforschungsministerium jeweils mit bis zu 200.000 Euro.