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Welt-Parkinson-Tag: Biomarkern auf der Spur

In Deutschland leben 200.000 bis 300.000 Menschen mit Morbus Parkinson – und ihre Zahl steigt. Am 11. April, dem Welt-Parkinson-Tag, rücken Patientenorganisationen deshalb die Erkrankung in den Fokus der Öffentlichkeit.

Forscherin bearbeitet im Labor eine Probe

Forscherinnen und Forscher des DZNE suchen nach Biomarkern, mit denen sie die Entwicklung der Parkinson-Erkrankung vorhersagen können. Künftig könnten Betroffene dadurch bereits behandelt werden, bevor die typischen motorischen Symptome auftreten.

NGFN / BMBF

Morbus Parkinson ist die häufigste neurodegenerative Bewegungsstörung. Bisherige Behandlungsmöglichkeiten lindern lediglich die Symptome, halten jedoch den Fortschritt der Erkrankung nicht auf. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Erforschung von Morbus Parkinson und anderer neurodegenerativer Erkrankungen in vielen Bereichen – von der Aufklärung der molekularen Krankheitsmechanismen über die Entwicklung neuer Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bis hin zur Verbesserung der Patientenversorgung. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) spielt dabei eine Schlüsselrolle. Im Jahr 2019 stellte das BMBF dem DZNE im Rahmen der institutionellen Förderung rund 78 Millionen Euro zur Verfügung.

In einem Interview des DZNE zum Welt-Parkinson-Tag berichtet der Wissenschaftler Prof. Thomas Gasser jetzt über die Vorboten der Krankheit, die Bedeutung der Diagnose für Patientinnen und Patienten und deren Angehörige sowie über mögliche neue Therapieansätze. Der Mediziner leitet die klinische Forschung am DZNE-Standort Tübingen und ist Vorstandsvorsitzender des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung.

Aktuelle Studie des DZNE sucht nach prognostischen Markern

Prof. Thomas Gasser leitet die klinische Forschung am DZNE-Standort Tübingen

Prof. Thomas Gasser leitet die klinische Forschung am DZNE-Standort Tübingen

Ingo Rappers / Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)

„Die große Mehrzahl der Betroffenen ist 60 Jahre oder älter, wenn die Krankheit festgestellt wird“, so Gasser. Etwa zehn Prozent der Fälle seien jedoch genetisch bedingt und treten früher ein, meist schon vor dem 50. Lebensjahr. „Was die genetische Parkinson-Erkrankung betrifft, fokussieren wir uns am DZNE auf Mutationen des sogenannten GBA-Gens“, erklärt der Mediziner. Nicht alle Träger einer solchen Mutation erkranken auch an Parkinson. Woran das liegt, das wollen die DZNE-Forscherinnen und -Forscher in einer Studie mit 400 Teilnehmenden herausfinden: In dieser MiGAP-Studie suchen Gasser und sein Team nach bislang unbekannten Biomarkern – das können z.B. im Blut oder im Nervenwasser nachweisbare Moleküle sein –, mit deren Hilfe sie vorhersagen können, wer  eine Parkinson-Erkrankung entwickeln wird und wer gesund bleiben wird. Die Hoffnung der Forschenden ist, dass diese Biomarker nicht nur bei den Trägern einer GBA-Mutation, sondern auch bei allen künftigen Parkinsonpatientinnen und Patienten eine Prognose ermöglichen. „Für zukünftige Therapieansätze könnte das heißen, dass man noch vor dem Auftreten der ersten motorischen Symptome tätig werden könnte, sofern entsprechende Biomarker auffällig sind. Damit gäbe es die Chance, den Ausbruch der Krankheit zu verzögern oder vielleicht sogar zu verhindern“, so Gasser. Das vollständige Interview und weitere Informationen zur Parkinson-Erkrankung finden Sie auf der Homepage des DZNE:

DZNE: Interview mit Parkinson-Wissenschaftler Prof. Thomas Gasser

Am 11. April ist Welt-Parkinson-Tag

Mit dem Welt-Parkinson-Tag rücken Patientenorganisationen jedes Jahr die Parkinson-Erkrankung in den Fokus der Öffentlichkeit. Zahlreiche Aktionen für Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie Ärztinnen und Ärzte sollen das Verständnis für diese Erkrankung mit all ihren Facetten verstärken. Wie sieht beispielsweise der Alltag der Betroffenen aus? Und welche Neuigkeiten gibt es aus der Forschung? Der 11. April ist der Geburtstag des englischen Landarztes James Parkinson (1755-1824), der die Erkrankung vor rund 200 Jahren erstmals beschrieben hat.

Weitere BMBF-Maßnahmen zu neurodegenerativen Erkrankungen

Neben der Förderung des DZNE stärkt das BMBF die Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen auch mit seiner Medizininformatik-Initiative. Hier widmet sich das Konsortium DIFUTURE der Multiplen Sklerose und der Parkinson-Erkrankung: Neurologen, Medizininformatiker und Statistiker analysieren zahlreiche Patientendaten aus der klinischen Praxis und dem Labor. Mit innovativen Computerprogrammen suchen sie nach Auffälligkeiten und Mustern in den Krankheitsverläufen. Und sie analysieren, wie diese Muster mit dem Erfolg verschiedener Therapien zusammenhängen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen Ärztinnen und Ärzten dabei helfen, Multiple Sklerose und Morbus Parkinson künftig früher zu diagnostizieren und personalisiert zu behandeln.

Auch in internationalen Kooperationsprojekten fördert das BMBF die Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen. Ein Beispiel dafür ist die Initiative „EU Joint Programme – Neurodegenerative Disease Research“ (JPND), an der EU Mitgliedsstaaten sowie weitere Partner mitwirken. Auch im ERA-Netz NEURON, einem weiteren internationalen Netzwerk von Förderorganisationen, steht die Erforschung von Krankheiten des Gehirns im Mittelpunkt der Förderung.