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Dialyseverfahren: Arzt und Patient sollten gemeinsam entscheiden

Wie wichtig es ist, dass eine Therapieentscheidung gemeinsam von Arzt und Patient getroffen wird, zeigt die CORETH-Studie. Sie untersucht, welche Gründe bei Nierenkranken die Wahl des Dialyseverfahrens bestimmen.

Blutreinigung in einem Dialysezentrum

Etwa 95 Prozent der Dialysepatienten in Deutschland suchen ein Zentrum auf, um ihr Blut reinigen zu lassen.

Zeljko Bozic/Thinkstock

Rund 80.000 Menschen in Deutschland sind auf eine Dialyse angewiesen, da ihre Nieren das Blut nicht ausreichend reinigen können. Obwohl etwa ein Drittel der Betroffenen die Nierenersatzbehandlung auch zu Hause durchführen könnte, suchen 95 Prozent der Nierenkranken in Deutschland dafür ein Dialysezentrum auf. „Wir haben uns gefragt, aus welchen Gründen sich so viele Menschen für ein Zentrum und gegen die Selbstbehandlung entscheiden. Denn diese Entscheidung wirkt sich enorm auf den Alltag der Erkrankten aus“, erläutert der Studienleiter Matthias Girndt die Zielsetzung seines Forschungsprojektes CORETH („The Choice of Renal Replacement Therapy“).

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befragten 780 Nierenkranke in 55 deutschen Dialysezentren. Jeder Vierte der Befragten berichtete, dass die Entscheidung für das Zentrum vorrangig durch den Arzt getroffen wurde. Einigen war nicht einmal bekannt, dass es eine Alternative gibt. Aber auch der Wunsch nach medizinischer Unterstützung in der zentralisierten Einrichtung gab bei manchen Befragten den Ausschlag. Für die Dialyse im eigenen Zuhause spricht der Umfrage zufolge hingegen, dass sie den Betroffenen mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit ermöglicht. So gaben einzelne Befragte beispielsweise an, dass sie dadurch in der Lage seien, auch weiterhin zu arbeiten beziehungsweise zu studieren.

„Unsere Ergebnisse zeigen auch, dass die Menschen, die ihre Entscheidung gemeinsam mit dem Arzt getroffen haben, mit ihrer Behandlung auch längerfristig zufrieden sind – unabhängig davon, welches Verfahren sie gewählt haben“, ergänzt Girndt. „Das macht deutlich, wie wichtig es ist, dass die Betroffenen in die Entscheidung eingebunden werden.“ Auch die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie griff die Studienergebnisse auf und betonte die Notwendigkeit, Patientinnen und Patienten umfassend über alle Nierenersatzverfahren aufzuklären. Sie stellt ihren Mitgliedern entsprechende Aufklärungs- und Dokumentationsbögen zur Verfügung.

Die beiden Dialyseverfahren: Peritoneal- und Hämodialyse

Die beiden in die Studie einbezogenen Dialyseverfahren sind – neben der Nierentransplantation – die wichtigsten Nierenersatzverfahren.

In einem Dialysezentrum wird das Blut der Erkrankten zwei- bis dreimal in der Woche über vier bis fünf Stunden gewaschen. Dafür wird es außerhalb des Körpers über eine Membran gefiltert. Das Verfahren wird auch als Hämodialyse oder Zentrumsdialye bezeichnet.

Die Peritonealdialyse, auch Bachfelldialyse genannt, führt der Patient hingegen selbst zu Hause durch. Im Gegensatz zur Hämodialyse muss dies täglich geschehen. Über einen Katheter injiziert der Betroffene ein flüssiges Dialysat in seine Bauchhöhle. Das Dialysat nimmt die Stoffwechselprodukte auf, die sonst über die gesunde Niere ausgeschieden werden. Das Bauchfell dient dabei als körpereigene Membran, über die das Blut gereinigt wird. Die Peritonealdialyse ist die kostengünstigere Behandlungsform, wie die Wissenschaftler der CORETH-Studie zeigen konnten.

Versorgungsforschung ist die Wissenschaft, die die Patientenversorgung und ihre Rahmenbedingungen beschreibt, erklärt und unter Alltagsbedingungen bewertet. Die Versorgungsforschung entwickelt neue Versorgungskonzepte und erprobt sie auch.

Um die Versorgungsforschung zu stärken hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Dezember 2014 den Aktionsplan „Versorgungsforschung - Forschung für ein patientenorientiertes Gesundheitswesen“ veröffentlicht. Die Fördermaßnahme „Studien der Versorgungsforschung“ ist Teil dieses Aktionsplanes. Das Forschungsprojekt CORETH ist eines der Projekte, die durch diese Maßnahme gefördert wurden.