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Gemeinsam forschen für globale Gesundheit

Vernetzt, koordiniert und gemeinsam: Gebündelte Forschungsexpertise aus Deutschland soll helfen, weltweite Gesundheitsprobleme zu lösen. Die von über 600 Forschenden genutzte Plattform GLOHRA bringt nun die „Global Health Academy“ an den Start.

Junge Frau sitzt am Bildschirm und ist in einer Videokonferenz mit anderen Kolleginnen und Kollegen

Vernetzt über GLOHRA: Die Plattform zur globalen Gesundheit unterstützt die disziplin- und standortübergreifende Zusammenarbeit von Forschenden in Deutschland.

fiszkes / Adobe Stock

Kaum ein Ereignis hat dies so deutlich gezeigt wie die weltweite Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2: Krankheiten kennen keine Grenzen und Gesundheitsgefahren sind eine globale Aufgabe, die sich mit gebündelter Forschung am wirkungsvollsten angehen lässt. Einen solchen kooperativen Ansatz verfolgt die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte „Vernetzungsplattform Forschung für Globale Gesundheit“ (German Alliance for Global Health Research, GLOHRA). Ein Jahr nach seiner Gründung bringt das Netzwerk mit der „Global Health Academy“ ein neues Format zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf den Weg.

Austausch und wissenschaftlichen Nachwuchs fördern

Über GLOHRA arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Expertise in der globalen Gesundheitsforschung disziplin- und standortübergreifend zusammen. Inzwischen engagieren sich dort bereits mehr als 600 Mitglieder aus über 100 Einrichtungen aus den verschiedensten Bereichen – aus der Biomedizin und Public Health-Forschung, aber auch den Sozial-, Geistes-, Technik- und Geowissenschaften. Um ihre Zusammenarbeit zu erleichtern und ihre Expertise sichtbar zu machen, hat das Netzwerk mit dem „Global Health Research Directory“ Deutschlands erste öffentliche Datenbank zu Expertinnen und Experten für Global Health-Forschung entwickelt.

Explizit an die nächste Generation von Forschenden richtet sich die nun eingerichtete Akademie: Sie wird Nachwuchswissenschaftlern den Zugang zu deutschlandweit angebotenen Vorlesungen und Seminaren sowie Qualifizierungsangeboten im Themenfeld globale Gesundheit bieten. Über die Förderprogramme des Netzwerks wurden bereits erste Projekte ausgewählt und zur Förderung empfohlen. Dazu zählt ein Global Health Fellowship, das Postdoktoranden am Beginn ihrer eigenständigen, wissenschaftlichen Karriere unterstützen soll.

„Der hohe Spezialisierungsbedarf in den meisten Wissenschaftsbereichen, insbesondere in den Biowissenschaften, hat zwangsläufig den Blick für übergreifende Zusammenhänge der Problemlösung in den Hintergrund treten lassen“, sagt Prof. Dr. Walter Bruchhausen, Lehrstuhlinhaber der Stiftungsprofessur „Global Health – Social and Cultural Aspects“ am Universitätsklinikum Bonn. Er ist als Ko-Sprecher der GLOHRA-Plattform verantwortlich für die Nachwuchsförderung. „Die große Chance von GLOHRA liegt darin, nicht nur auf der Ebene von Beratungsgremien, Kommissionen, Akademien oder Talkshows, sondern in der aktuellsten Forschung die benötigte Expertise zusammenzubringen – und mittelfristig durch die Nachwuchsförderung auch zu erzeugen.“

Gesundheit weltweit stärken

Weltweit führen Infektionskrankheiten wie HIV/AIDS, Malaria Tuberkulose sowie Antibiotikaresistenzen, aber auch nicht übertragbare Erkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie psychische Erkrankungen zu einer hohen Krankheitslast. Das BMBF leistet mit der Vernetzungsplattform einen Beitrag zur Stärkung der Gesundheitsforschung weltweit und damit auch zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, unter denen die Gesundheit neben der Bekämpfung von Armut und Hunger einen wichtigen Rang einnimmt.

Für einen kooperativen Forschungsansatz zur Lösung dieser Herausforderungen spricht sich auch Prof. Dr. Eva Rehfuess aus, Ko-Sprecherin bei GLOHRA und Lehrstuhlinhaberin für Public Health und Versorgungsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München: „Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie essentiell interdisziplinäre Herangehensweisen sind – wissenschaftliche Fragen werden anders formuliert, wenn Virologen, Kinderärzte, Public Health-Experten, Psychologen, Kommunikationswissenschaftler und Politologen gemeinsam an einem Tisch sitzen. Der Prozess ist oft mühsamer und langwieriger, – weil wir unterschiedliche Sprachen und Methoden verwenden, das Ergebnis aber ist immer ein besseres“.

Das BMBF fördert die „Vernetzungsplattform Forschung für Globale Gesundheit“ („German Alliance for Global Health Research“ – GLOHRA) von 2020 bis 2025 mit mehr als drei Millionen Euro. Zusätzlich werden Fördermittel für sektorübergreifende und interdisziplinäre Projekte sowie Global Health Fellowships bereitgestellt. Die Plattform soll die wissenschaftliche Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene und sowie Nachwuchswissenschaftler in der globalen Gesundheitsforschung unterstützen. Sie wird durch einen interdisziplinären Expertenkreis geleitet und von einer Geschäftsstelle an der Berliner Charité koordiniert.