| Aktuelle Meldung

Risiken genauer einschätzen, Diabetes besser behandeln

Präzise Prävention und Therapie bei Diabetes – diesem Ziel sind Forschende einen Schritt näher gekommen: Sie klassifizierten unterschiedliche Diabetes-Subtypen und können so das Risiko von Begleiterkrankungen besser einschätzen. 

Einer Patientin wird Blut abgenommen

Über Blutuntersuchungen lässt sich ein erhöhter Glukosespiegel nachweisen – das untrügliche Zeichen für eine Diabetes-Erkrankung.

DLR Projektträger / BMBF

Diabetes mellitus gehört in Deutschland zu den Volkskrankheiten: Rund sieben Millionen Menschen leiden an der „Zuckerkrankheit“, wie Diabetes umgangssprachlich häufig genannt wird. Die am weitesten verbreitete Form von Diabetes ist Diabetes mellitus Typ 2. Dieser entwickelt sich meist schleichend über viele Jahre hinweg, denn bei Typ-2-Diabetes sprechen die Körperzellen nach und nach immer schlechter auf die Wirkung des Hormons Insulin an (Insulinresistenz). Das Hormon ist zunehmend weniger in der Lage, Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen einzuschleusen. Um das auszugleichen, bildet die Bauspeicheldrüse mehr Insulin. Nach vielen Jahren der ständigen Insulin-Mehrproduktion lässt die Funktion der insulinproduzierenden Zellen immer mehr nach. Die Folge: Die im Blut befindliche Menge an Glukose ist stark erhöht, wodurch schwerwiegende Organschädigungen entstehen können. So haben Menschen mit Diabetes ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall sowie Erkrankungen der Niere, Augen und des Nervensystems.

Weltweit finden Mitte November Informationsveranstaltungen zum Thema Diabetes statt – rund um den Weltdiabetestag am 14. November. Seit 1991 gibt es diesen Gesundheitstag anlässlich des Geburtstages des Forschers Frederick G. Banting, der 1921 gemeinsam mit Charles Herbert Best das lebenswichtige Insulin entdeckte. Der Aktionstag wird gemeinsam von der Internationalen Diabetes-Föderation und der Weltgesundheitsorganisation durchgeführt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) und ihrer Partner am Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) und der Universität Lund in Schweden haben die unterschiedlichen Krankheitsverläufe des Typ-2-Diabetes nun mittels einer großangelegten Studie neu klassifiziert. Dies ermöglicht in Zukunft eine bessere Risikoabschätzung sowie eine gezieltere Prävention und Behandlung der Patienten.

Die Teilnehmenden wurden beispielsweise anhand ihres Alters bei der Diagnosestellung, ihres Body-Mass-Indexes und bestimmter Marker für Glukose- und Insulinspiegel den unterschiedlichen Subgruppen zugeordnet. Zwei dieser neuen Subtypen zeichnen sich durch weniger schwere Krankheitsverläufe aus: der milde adipositasbedingte Diabetes und der milde altersbedingte Diabetes. Zwei weitere Untergruppen weisen hingegen bereits nach der Diabetes-Diagnose ein höheres Risiko für Folgeerkrankungen auf: Patienten mit schwerem insulinresistenten Diabetes haben vermutlich ein höheres Risiko für Erkrankungen der Leber und Nieren, während jene mit einem schweren insulindefizitären Diabetes eher an Netzhautschäden und einem gestörten Schmerzempfinden wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl an Händen und Füßen leiden. Der fünfte Subtyp ist der schwere autoimmune Diabetes, der dem klassischen Typ-1-Diabetes entspricht.

Wichtiger Schritt in Richtung Präzisionsmedizin

Die Forscher werten ihre Arbeit als wichtigen Schritt in Richtung Präzisionsmedizin bzw. personalisierte Medizin, denn eine gezielte Prävention und passgenaue, individuelle Therapieansätze können dazu beitragen, Folgeerkrankungen zu verzögern oder sogar zu vermeiden. „Die neuen Sub-Typen werden dazu beitragen, präzise Präventions- und maßgeschneiderte Behandlungsstrategien für die jeweiligen Hochrisikogruppen zu entwickeln“, erklärt Professor Michael Roden, Vorstand des DDZ und Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf.

Roden bezieht sich auf aktuelle Erkenntnisse aus der deutschen Diabetes-Studie (GDS), die Menschen mit diagnostiziertem Diabetes seit mehr als zehn Jahren begleitet. Die GDS wird bundesweit an acht Standorten im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung unter der Leitung des DDZ durchgeführt. Sie untersucht den Einfluss einzelner Faktoren und deren Zusammenspiel, um gezielte Empfehlungen geben zu können und neue Behandlungskonzepte zu entwickeln.

Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

Ein wesentlicher Eckpfeiler der Forschungsförderung zum Thema Diabetes ist das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD), eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern gefördert werden. Das DZD bündelt deutschlandweit Expertise; eng miteinander vernetzt arbeiten dort Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Grundlagenforschung und Klinik. Wie die anderen Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung berücksichtigt auch das DZD in seinem Forschungsbereich den Ansatz der sogenannten Präzisionsmedizin (Precision Medicine). So sollen neue Erkenntnisse möglichst zügig in innovative präzise Therapien einfließen und Patientinnen und Patienten schneller von medizinischen Therapien und Produkten profitieren können.