Professorin Dr. Bettina Schöne-Seifert, Medizinethikerin (DE)

Bettina Schöne-Seifert ist Professorin für Medizinethik in Münster, war lange Mitglied des Deutschen Ethikrates und engagiert sich als Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in der AG „Embryonenschutz in Deutschland“.

Portrait Professorin Bettina Schöne-Seifert

Professorin Dr. Bettina Schöne-Seifert

privat

Schöne-Seifert studierte Medizin, Philosophie und Medizinethik. Nach mehrjähriger Tätigkeit als praktische Ärztin an einer Kinderklinik fokussierte sie sich zunehmend auf die Medizinethik. Seit 2003 ist Schöne-Seifert Inhaberin der Professur für Medizinethik an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster. In Ihrer Forschung beschäftigt sie sich u. a. mit den ethischen Herausforderungen der modernen Medizin, beispielsweise in der Reproduktionsmedizin und der Stammzellforschung.

Sie war im Jahr 1986 u. a. Gründungsmitglied der Akademie für Ethik in der Medizin sowie von 2001 bis 2010 Mitglied des Deutschen Ethikrates. Sie gehört dem International Bioethics Comitee (IBC) der UNESCO an und wurde jüngst im September 2022, auf Vorschlag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, in den im Juli 2022 von Bundeskanzler Olaf Scholz eingerichteten Zukunftsrat berufen.

Weitere Informationen:  https://www.medizin.uni-muenster.de/egtm/institut/team/prof-bettina-schoene-seifert/


Abstract

Gründe für eine erneute ethische Bewertung der Embryonenforschung in der Deutschen Biopolitik

Hinter Deutschlands striktem gesetzlichen Verbot, an menschlichen Embryonen zu forschen, steht zumeist die ethische Auffassung, bereits frühe menschliche Embryonen müssten um ihrer selbst willen vor primär fremdnützigen Umgangsweisen geschützt werden. Diese Auffassung lässt sich (1.) mit guten ethischen Argumenten in Frage stellen; wird (2.) in der internationalen Biopolitik keineswegs durchgehend geteilt; führt (3.) zu einem Forschungsverbot mit wachsend hohen moralischen Kosten und wird (4.) auch in Deutschland mitnichten allgemein geteilt. Vor diesem Hintergrund sollte die deutsche Biopolititk über eine differenzierte Neubewertung der Embryonenforschung nachdenken, die dem bestehenden (und wohl absehbar irreduziblen) Pluralismus moralischer Überzeugungen in dieser spezifischen Frage Rechnung trägt.

Einen (5.) Grund für ein solches neues Nachdenken – der uns vor allem am zweiten Konferenztag interessieren wird – liefern die rasant fortschreitenden innovativen Möglichkeiten der Wissenschaft, ohne Ei- und Samenzellen partielle biologische Annäherungen an frühe Embryonen (sogenannte embryo models) herzustellen und für die Forschung zu nutzen. Aktuell wird in der Bioethik international darüber diskutiert, wie mit solchen Entitäten, wenn sie in Zukunft immer embryo-ähnlicher würden, umzugehen wäre.