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Brustkrebs effektiver bekämpfen

Jährlich erkranken weltweit etwa 1,7 Millionen Frauen an Brustkrebs. Viele von ihnen erhalten eine Hormontherapie, doch nicht bei allen führt diese auch zum gewünschten Erfolg. Eine Kombinationstherapie könnte diesen Patientinnen zukünftig helfen.

Eine Frau mittleren Alters wird in ein MRT Gerät geschoben.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Wenn der Krebs rechtzeitig erkannt wird, sind die Heilungschancen gut.

iStock/skynesher

Der Wirkstoff Tamoxifen wird seit Jahrzehnten als Standardtherapie zur Behandlung von Brustkrebs eingesetzt. Bevor er allerdings seine Wirkung entfalten kann, muss er zunächst in der Leber der Patientin in seine aktive Form Endoxifen umgewandelt werden. Da der Stoffwechsel aber von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ist, hilft Tamoxifen nicht allen Patientinnen gleichermaßen. Denn etwa jede zweite Frau verstoffwechselt den Wirkstoff nicht in ausreichender Menge, um das Tumorwachstum effektiv zu stoppen. Ob es diesen Patientinnen hilft, wenn sie zusätzlich auch eine geringe Menge der aktiven Form Endoxifen einnehmen, untersucht eine große klinische Studie, die durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.

„Die zusätzliche Gabe von synthetisch hergestelltem Endoxifen zu einer bestehenden Tamoxifengabe stellt eine völlig neue Therapieform dar, die für alle Patientinnen mit einer fehlenden bzw. eingeschränkten eigenen Bildung von Endoxifen ein verbessertes Ansprechen in Aussicht stellt. Diese Therapieoption ist allerdings bislang nicht erprobt und wird jetzt erstmals in einer prospektiven Studie überprüft“, erläutert Prof. Matthias Schwab, Direktor des Dr. Margarete-Fischer-Bosch-Instituts für Klinische Pharmakologie am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen setzt der Mediziner auf dieses neue Therapiekonzept. Bei der ergänzenden Gabe von Endoxifen wird nur eine geringe Dosierung eingesetzt. „Damit sind keine weiteren Nebenwirkungen, als diejenigen, die bisher schon unter Tamoxifentherapie bekannt sind, zu erwarten - ein enormer Vorteil für alle Patientinnen“, so Schwab.

Brusttumoren benötigen das körpereigene Hormon Östrogen, um wachsen zu können. Ziel der Hormontherapie ist es daher, den Tumoren Östrogen zu entziehen und somit ihr Wachstum zu stoppen. Hierfür wird Tamoxifen eingesetzt, dessen aktive Form Endoxifen an bestimmte Strukturen der Tumorzellen bindet und somit verhindert, dass Östrogen die Teilung fördert.

Deutschlandweite klinische Studie gestartet

Die Studie, die im Oktober gestartet ist, soll zukünftig mehr als 500 Brustkrebspatientinnen beteiligen. Teilnehmen können nur Patientinnen, die nach fachärztlicher Diagnose bereits mit Tamoxifen behandelt werden. Um die Patientinnen zu identifizieren, die einen eingeschränkten Tamoxifenstoffwechsel aufweisen, werden ihr genetisches Profil und die Höhe ihres Medikamentenspiegels im Blut bestimmt. Ihre Behandlung wird entsprechend um die aktive Form von Tamoxifen erweitert. Die dafür benötigte Dosierung wurde mithilfe von komplexen Computermodellen errechnet und basiert auf den individuellen Testergebnissen der Patientinnen. „Unser Ziel ist es, die Therapie an den persönlichen Merkmalen jeder einzelnen Patientin auszurichten und die Wirkstoffkonzentration über den gesamten Therapiezeitraum konstant zu halten. So können wir sicherstellen, dass ausreichend Wirkstoff vorhanden ist, um das Tumorwachstum effektiv zu stoppen“, erklärt Schwab. Die Studie wird in mehreren Behandlungszentren in Deutschland in Zusammenarbeit mit wichtigen Partnern wie der German Breast Group (GBG) Forschungs GmbH durchgeführt.

Frauen, die eine eingeschränkte Aktivität des Enzyms Cytochrom P450 2D6 (CYP2D6) aufweisen, können Tamoxifen nicht ausreichend zu Endoxifen umsetzen. Ihnen könnte zukünftig helfen, wenn sie eine zusätzliche Dosis Endoxifen erhalten.

Frauen, die eine eingeschränkte Aktivität des Enzyms Cytochrom P450 2D6 (CYP2D6) aufweisen, können Tamoxifen nicht ausreichend zu Endoxifen umsetzen. Ihnen könnte zukünftig helfen, wenn sie eine zusätzliche Dosis Endoxifen erhalten.

Dr. Margarete-Fischer-Bosch-Instituts für Klinische Pharmakologie

Sollte sich der Therapieansatz als erfolgreich erweisen, könnten zukünftig insbesondere jüngere Frauen mit einem eingeschränkten Medikamentenstoffwechsel davon profitieren. Denn für sie gibt es bisher noch  keine andere zugelassene hormonelle Behandlungsoption außer der Tamoxifen-Therapie. Aber auch Männern mit einer Brustkrebserkrankung, die bisher ausschließlich mit Tamoxifen behandelt werden, könnte die Therapieoption zukünftig helfen.

Bei Interesse kontaktieren Sie den Leiter der Studie, Prof. Dr. Matthias Schwab, im Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Forschung, Stuttgart, unter +49 (0) 711 - 8101 3700.
Weitere Informationen finden Sie hier.

Auch anderen Erkrankten können die Ergebnisse helfen

Unterschiede im Medikamentenstoffwechsel können nicht nur bei der Brustkrebstherapie zum Problem werden. Denn viele Medikamente wirken erst, wenn sie im Körper umgewandelt werden. Dies gilt für sowohl für andere Krebserkrankungen, aber auch für einige nicht onkologische Krankheiten. Der Ansatz, zusätzlich geringe Dosen des aktiven Stoffwechselproduktes zu verabreichen, könnte somit zukünftig auf viele andere Bereiche der Arzneimittetherapie erfolgreich übertragen werden.

Mit der Maßnahme „Innovationen für die individualisierte Medizin“ unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Forschungsverbünde, die die Einführung neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren und Produkte zum Ziel haben. Sie sollen anhand von körpereigenen Faktoren auf die jeweilige Patientin oder den jeweiligen Patienten individuell zugeschnitten werden, damit sie bestmöglich wirken können.

Online-Dialog zur Krebsforschung startet

Unter dem Motto „Jeder ist Experte!“ öffnet die Nationale Dekade gegen Krebs ihre neue Dialog-Plattform. Vom 15. November an ist jede und jeder dazu aufgerufen, mitzumachen und sich zu den Themen Krebs und Krebsforschung zu äußern.