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Demenz. Einander offen begegnen

Am 21. September ist Welt-Alzheimertag. Vielfältige Aktionen rund um diesen Tag helfen, die Lebensumstände und die Bedürfnisse demenzkranker Menschen besser zu verstehen.

Pflegekraft kümmert sich um Seniorin.

Vor allem in frühen und mittleren Demenz-Stadien kann soziale Teilhabe die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen stärken.

GettyImage/FredFroese

Demenzkranke und ihre Angehörigen sollen spüren, dass sie trotz der Erkrankung akzeptiert werden und dazu gehören – dafür steht das diesjährige Motto „Demenz. Einander offen begegnen“. Die Allianz für Menschen mit Demenz und die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. setzten sich dabei für mehr Wissen und Verständnis in der Öffentlichkeit ein. Der Welt-Alzheimertag ist eingebettet in die Woche der Demenz, die vom 16. bis 22. September stattfindet. In dieser Zeit bieten örtliche Gesellschaften, Selbsthilfegruppen, Ärztinnen und Ärzte sowie Forschende vielfältige Veranstaltungen in ganz Deutschland an – von Vorträgen, Tagungen und Gottesdiensten bis hin zu Benefizkonzerten.

Erforschung von Demenz-Erkrankungen

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ist Mitglied der Allianz für Menschen mit Demenz und fördert vielfältige Forschungsvorhaben in diesem Bereich. Die Projekte sollen helfen, Krankheitsmechanismen aufzuklären, neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten zu entwickeln und die Patientenversorgung zu verbessern. Zudem suchen Forscherinnen und Forscher nach Möglichkeiten, der Entstehung von Demenz vorzubeugen oder ihre Entwicklung zumindest zu verlangsamen. So untersucht das interdisziplinäre Bonner Forschungsnetzwerk Diet-Body-Brain (DietBB), welche Rolle die Ernährung für den Erhalt unserer kognitiven Fähigkeiten spielt – und ob ein bestimmtes Ernährungsverhalten einer Demenzerkrankung vorbeugen kann.

DietBB – die Rolle der Ernährung bei Demenzerkrankungen

Das Forschungsnetzwerk DietBB arbeitet daran, Risikofaktoren für die kognitive Entwicklung und kognitive Beeinträchtigungen zu identifizieren. Die Forscherinnen und Forscher wollen dabei auch die Mechanismen verstehen, über die unsere Ernährung die Gehirngesundheit beeinflusst: Welche Rollen spielen dabei beispielsweise unser Immunsystem, der menschliche Stoffwechsel oder der Darm?

„Im Zentrum unserer Forschung steht der Mensch“, betont Professorin Ute Nöthlings, die Sprecherin des Netzwerkes. „Es gibt gute Hinweise, dass eine ausgewogene, auch gern als mediterran spezifizierte Ernährungsweise, unserem Gehirn gut tut. Für die Ableitung von Ernährungsempfehlungen bedarf es aber zusätzlicher wissenschaftlicher Erkenntnisse und einer systematischen Evidenzbewertung. Nur so können wir wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für die Prävention aussprechen.“

Dafür schaffen große Humanstudien eine wertvolle Grundlage, etwa die Rheinland Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und die an der Universität Bonn durchgeführte DONALD Studie. In der DONALD Studie werden im Rahmen von DietBB die Teilnehmenden vom Säuglingsalter bis ins Erwachsenenalter untersucht, um jene Faktoren zu identifizieren, die unsere kognitiven Fähigkeiten beeinflussen – einschließlich der Ernährung. „Wir wissen, dass neurodegenerative Erkrankungen sich nicht einfach auf einen oder wenige Faktoren zurückführen lassen. Sie sind vielmehr multifaktoriell. Das heißt, mehrere Faktoren, die die Gesundheit schützen, schädigen und fördern bzw. wiederherstellen können, spielen hier zusammen“, so Ute Nöthlings. Langfristig arbeitet das Netzwerk mit seinen Partnern an effektiven Kommunikationsstrategien um eine nachhaltige Veränderung des Ernährungsverhaltens in der Bevölkerung zu entwickeln.

DietBB ist einer von vier Kompetenzclustern der Ernährungsforschung, die das BMBF bis 2021 mit bis zu 56 Millionen Euro fördert.

Diet-Body-Brain (DietBB)

Forschung fördern: Kompetenzcluster Ernährungsforschung

Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)

Ein großer Teil der Fördermittel, die das BMBF jährlich für die Demenzforschung bereitstellt, fließt in das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Im Jahr 2018 waren dies rund 80 Millionen Euro. Am DZNE arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deutschlandweit an zehn Standorten zusammen, um die Ursachen von Störungen des Nervensystems zu erforschen und Strategien zur Prävention, Therapie und Pflege zu entwickeln. In diesem Jahr feierte das DZNE sein zehnjähriges Bestehen:
Gemeinsam gegen Demenz: 10 Jahre DZNE

Pflege und Versorgung verbessern

Die Verbesserung der Pflege und Versorgung von Menschen mit Demenz steht auch im Mittelpunkt von Projekten aus verschiedenen Förderschwerpunkten des BMBF, die mit ganz unterschiedlichen Ansätzen die Lebensqualität und Selbstbestimmung der Betroffenen steigern wollen. Die Forscherinnen und Forscher testen hier beispielsweise neue Präventions- oder Versorgungskonzepte.

Ethische Aspekte

Mit dem neuen Wissen der modernen Lebenswissenschaften gehen auch neue Fragen einher: Wie wirken sich die Entwicklungen auf unsere Gesellschaft aus? Was möchten, was dürfen wir erreichen? Welche Grenzen ziehen wir? Diesen Fragen widmet sich die ELSA-Forschung. Sie setzt sich mit ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten auseinander, die etwa durch die Frühdiagnostik von Demenz-Erkrankungen entstehen.

Internationale Zusammenarbeit

Das Bundesforschungsministerium engagiert sich seit vielen Jahren ebenfalls intensiv in internationalen Kooperationsprojekten. Ein Beispiel dafür ist die Initiative „EU Joint Programme – Neurodegenerative Disease Research“ (JPND), an der EU Mitgliedsstaaten sowie weitere Partner mitwirken. Sie erforschen beispielweise, wie pflegende Angehörige mithilfe von Musik die Lebensqualität demenzkranker Menschen in ihrer häuslichen Umgebung verbessern können oder ob Stress bestimmte Formen der Demenz auslösen kann – und welche Mechanismen dabei eine Rolle spielen.