Erkrankungen des Gehirns

Wenn das Gehirn erkrankt, kann das dazu führen, dass Nervenzellen zugrunde gehen. Bei anderen Erkrankungen funktionieren wiederum die „Schaltkreise“ des Hirns anders, als sie sollten. Beides kann Auswirkungen auf die Hirnfunktion und die Psyche haben.

Eine Ärztin betrachtet CT- Aufnahmen des Gehirns.

Rund 450 Millionen Menschen leiden weltweit unter einer Erkrankung des Gehirns.

Moodboard/Thinkstock

Das Nervensystem gliedert sich in einen zentralen und einen peripheren Bereich. Die Nervenzellen des Gehirns und des Rückenmarks bilden das zentrale Nervensystem. Nervenzellen in anderen Teilen des Körpers gehören zum peripheren Nervensystem. Beide hängen eng zusammen: Wenn uns jemand über die Wange streichelt, kommt es in den Sinneszellen der Haut zu Reaktionen, die in ein elektrisches Signal übersetzt und über das periphere Nervensystem an Rückenmark und Gehirn weitergeleitet werden. Umgekehrt erreichen elektrische Signale des Gehirns über das Rückenmark und das periphere Nervensystem die Muskeln und setzen dort komplexe Vorgänge in Gang: Die Muskeln ziehen sich zusammen – wir lächeln.

Das menschliche Gehirn hat innerhalb des Nervensystems eine Sonderstellung: Es besteht aus etwa 86 Milliarden Nervenzellen, die untereinander mit hunderten Billionen von Verbindungen verknüpft sind. Diese immense Verdrahtung produziert etwas Neues, das über die reine Übertragung von Information hinausgeht. Durch bisher nur ansatzweise verstandene Prozesse entstehen aus elektrischen und biochemischen Signalen jene Phänomene, die wir Bewusstsein und Psyche nennen.

Nervenzellen sind jene Zellen, die den Organismus fast aller Lebewesen „verdrahten“. Denn biologisch betrachtet dienen Nervenzellen in erster Linie der Übertragung von Information. Dies geschieht durch elektrische und biochemische Signale. Die an der Übertragung beteiligten Signalmoleküle werden von Fachleuten „Transmitter“ genannt. Die Gesamtheit aller Nervenzellen im Körper wird als Nervensystem bezeichnet.

Krankheitsbilder mit stark unterschiedlichen Symptomen

Erkrankungen des Gehirns können zu zwei unterschiedlichen Arten von Symptomen führen. Es können einerseits eng umschriebene Hirnfunktionen beeinträchtigt sein, beispielsweise das Gedächtnis oder die Muskelkontrolle. Andererseits kann es Probleme mit den übergeordneten Funktionen geben, mit der Stimmung oder dem Bewusstsein. Die Medizin unterscheidet zwischen neurologischen Symptomen und psychiatrischen Symptomen. In der Praxis ist jedoch hier eine scharfe Trennung oft nicht möglich.

In ihrer Gesamtheit gehören Erkrankungen des Gehirns zu den großen Herausforderungen für Medizin und Gesellschaft. In den Statistiken zu globaler Krankheitslast und vorzeitigen Todesfällen kommen fünf der zehn wichtigsten  Krankheiten aus diesem Bereich (WHO). Die Krankheitsbilder und ihre Ursachen sind unterschiedlich. Bei der Alzheimer-Demenz und der Parkinson-Erkrankung gehen Nervenzellen zugrunde, die für das Gedächtnis beziehungsweise die Kontrolle der Muskulatur wichtig sind. Bei der Depression und bei der Schizophrenie dagegen ist die Kommunikation zwischen den Nervenzellen beeinträchtigt. Dies kann zu Stimmungsschwankungen beziehungsweise zu Wahnvorstellungen führen. Bei der Multiplen Sklerose wiederum ist die Weiterleitung von elektrischen Signalen durch die Nervenzellen beeinträchtigt, weil die die Nervenzellfortsätze umgebende Isolierschicht, das sogenannte Myelin, zerstört wird.

Erfahrene Nervenärztinnen  und -ärzte können oft vom Muster der Symptome sehr genau auf die zugrundeliegende Erkrankung schließen.

Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE) erforscht die Ursachen von Störungen des Nervensystems und entwickelt Strategien zur Prävention, Therapie und Pflege. Dabei kooperiert es eng mit Universitäten, deren Kliniken und außeruniversitären Einrichtungen.Das DZNE ist eines von sechs Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Bekämpfung der wichtigsten Volkskrankheiten eingerichtet wurden.

Warum das Gehirn krank wird

Es gibt einige wenige Krankheiten des Gehirns, die direkt auf eine genetische Anlage zurückzuführen sind. So gehen bei der Huntington-Erkrankung ganz bestimmte Nervenzellen des Großhirns als Folge eines Gendefekts zugrunde. Hierdurch entstehen die typischen Muskelzuckungen, die früher „Veitstanz“ genannt wurden.

Auf der anderen Seite gibt es einige Krankheiten, die unmittelbar auf äußere Faktoren zurückgehen, beispielsweise Infektionen des Gehirns. Sie können sowohl durch Viren als auch durch Bakterien (und in sehr seltenen Fällen auch durch Pilze) verursacht werden. Infektionen des Gehirns früh zu erkennen ist wichtig, weil sie dann oft gut behandelbar sind.

Die meisten Erkrankungen des Gehirns lassen sich allerdings nicht so klar auf Gene einerseits oder äußere Faktoren andererseits zurückführen. Meist besteht eine gewisse genetische Veranlagung, die aber nicht immer zu einer Störung der Hirnfunktionen führt. Die zunehmende Alterung der Bevölkerung beispielsweise geht einher mit einer zunehmenden Häufigkeit von Demenzerkrankungen. Aber nicht jeder, der die Veranlagung für eine Demenz im höheren Alter in sich trägt, wird auch dement. Ähnlich ist es bei der Depression und der Schizophrenie. Hier kennt die Wissenschaft jeweils genetische Faktoren, die für diese Krankheiten anfällig machen. Das heißt aber nicht, dass der jeweilige Mensch auch wirklich eine Depression oder Schizophrenie entwickelt.

Forschungsnetz für psychische Erkrankungen

Das Forschungsnetz für psychische Erkrankungen vereint über 30 wissenschaftliche Einrichtungen aus ganz Deutschland. Sie erforschen neue und bewährte Wege der Prävention, Diagnostik und Therapie und optimieren sie. Es geht um Erkrankungen wie depressive und Angststörungen, bipolaren Störungen, Schizophrenie, Suchterkrankungen sowie Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) und Autismus.

Ergebnisse der Gesundheitsforschung

Forscher arbeitet mit Mikroskop.

Therapien nach einem Schlaganfall

Neue Erkenntnisse über Lernmechanismen helfen, Funktionsverluste nach einem Schlaganfall zu kompensieren.

Unter dem Fluoreszenzmikroskop werden die gefährlichen Oligomere sichtbar.

Alzheimer-Demenz frühzeitig erkennen

Test schafft Grundlage für die gezielte Überprüfung möglicher Arzneistoffe.

Studie belegt, dass neue Antipsychotika wirksamer sind als Medikamente der alten Generation.

Antipsychotika im Fokus

Studie belegt, dass neue Antipsychotika wirksamer sind als Medikamente der alten Generation.

Professor Michael Bauer, Sprecher des Forschungsnetzes zu psychischen Erkrankungen

Interview mit Professor Michael Bauer

„Für die Erforschung psychischer Störungen bedarf es konzentrierter und vernetzter Forschungsanstrengungen“