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Engagement und Forschung zeigen erste Erfolge

Der Infektionsmediziner Samuel Wanji leitet in Kamerun eine klinische Studie zur Bekämpfung der gefürchteten Tropenkrankheit Podokoniose.

Professor Dr. Samuel Wanji, Infektionsmediziner und Leiter der Abteilung Mikrobiologie und Parasitologie sowie Executive Director der Research Foundation zur Tropischen Krankheiten und Umwelt(einflüssen) der Universität Buea/Kamerun

Professor Dr. Samuel Wanji, Infektionsmediziner und Leiter der Abteilung Mikrobiologie und Parasitologie sowie Executive Director der Research Foundation zur Tropischen Krankheiten und Umwelt(einflüssen) der Universität Buea/Kamerun

BMBF / Pavel Desort

Professor Wanji, es war nicht einfach, die im Rahmen von TAKeOFF vorgesehene Studie auf den Weg zu bringen – was ist Ihnen ein Anliegen und macht Sie besonders stolz?

Professor Wanji: Mit unserer Arbeit haben wir den Menschen neue Hoffnung gegeben – nicht nur in den dörflichen Gemeinden lenken wir die Aufmerksamkeit auf diese lange vernachlässigte Krankheit und die Möglichkeiten zu ihrer Linderung und Heilung, sondern auch im kamerunischen Gesundheitssystem insgesamt. Der Einsatz unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vor Ort hat den Blick auf die Krankheit verändert und verbessert das Leben unserer Patientinnen und Patienten auf sichtbare Weise. Die enge Zusammenarbeit zwischen der Universität Buea und dem kamerunischen Gesundheitsministerium hat diese Arbeit erleichtert und trägt zudem dazu bei, dass auf wissenschaftlicher Seite Kapazitäten aufgebaut werden, die uns bei weiteren Forschungen zugutekommen.

TAKeOFFNetzwerk zur Überwindung der Schwierigkeiten bei der Bekämpfung von Filariose

Für das Projekt TAKeOFF (Tackling the obstacles to fight filariasis and podoconiosis), eines von insgesamt fünf Forschungsnetzen für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika, haben sich Experten in der Infektionsforschung aus drei afrikanischen Ländern (Ghana, Tansania und Kamerun) sowie aus Deutschland zusammengeschlossen. Das TAKeOFF-Netzwerk baut eine Plattform auf, die klinische Studien und Forschungen zu Filarien mit der Patientenversorgung verzahnt (F-CuRE; Filarial Clinical Trial & Research Platform). Ein weiteres Ziel des Netzwerks ist es, die Ausbildung von  Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie die Kliniken vor Ort zu unterstützen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt bis 2021 mit mehr als acht Millionen Euro. Koordinator des Netzwerks ist Prof. Alexander Yaw Debrah der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Ghana, Ko-Koordinator auf deutscher Seite ist Professor Dr. Achim Hörauf, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn.

Was sind die bislang wichtigsten Erkenntnisse Ihrer Untersuchungen?

Professor Wanji: Aufbauend auf früheren Studien haben wir festgestellt, dass in Kamerun vor allem die Podokoniose verbreitet ist, eine Form von Lymphödemen, die nicht durch Filarienwürmer hervorgerufen wird, sondern durch Mikropartikel, die bei barfuß laufenden Menschen durch die Haut ins Gewebe eindringen. Die bislang eingesetzten Medikamente zeigen da nur wenig Wirkung; es braucht einen neuen Ansatz zur Diagnose und Behandlung.

Im Mittelpunkt Ihrer Forschungen steht das Antibiotikum Doxycyclin – könnte das Medikament einen entscheidenden Fortschritt bei der Bekämpfung der Podokoniose bringen?

Professor Wanji: Mit der täglichen Gabe von 200 Milligramm Doxycyclin über einen Zeitraum von sechs Wochen verbessert sich der Gesundheitszustand vieler Erkrankter in einer frühen Phase der Lymphatischen Filariose, oft lässt sich die Krankheit sogar zum Stillstand bringen. Die bei vielen Patientinnen und Patienten auftretenden Fieberschübe und Schmerzattacken können gemildert und in ihren Auswirkungen begrenzt werden. Wir wollen dies mit unseren Untersuchungen auch bei der Podokoniose nachweisen können.

Was erhoffen Sie sich für die Ergebnisse Ihrer Studie?

Professor Wanji: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat massive und erfolgreiche Anstrengungen unternommen, um die Lymphatische Filariose weltweit zurückzudrängen. Unser Ziel ist es, dass die Gabe von Doxycyclin, einem vergleichsweise kostengünstigen Antibiotikum, das in den Industrieländern bei der Borreliose oder auch als Malariaprophylaxe eingesetzt wird, Eingang in die Empfehlungen der WHO findet.

Lymphatische Filariose / Podokoniose

Die Lymphatische Filariose zählt zu den „vernachlässigten (Tropen)Krankheiten“ (NTDs), Infektionskrankheiten, die vor allem in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen auftreten oder dort zu einer besonders hohen Krankheitslast führen. Dabei handelt es sich um eine durch Stechmücken übertragene Infektion mit den Larven von Fadenwürmern (Filarien). Die entwickelten, bis zu acht Zentimeter langen Würmer nisten sich in den Lymphgefäßen ein und verstopfen diese. Die Folge: eine chronische Entzündung, die den Lymphabfluss drosselt und groteske Schwellungen vor allem an Füßen und Beinen hervorruft. Die Erkrankung verläuft selten tödlich, ist aber mit starken Schmerzen verbunden und großem seelischen Leid. Weltweit leiden etwa 68 Millionen Menschen an Lymphatischer Filariose, bei etwa 40 Millionen Menschen kommt es zur schlimmsten Ausprägung, der „Elephantiasis“ oder Elefantenkrankheit.

Im tropischen Hochland Zentralafrikas ist eine nicht-infektiöse Form der Elephantiasis verbreitet, die Podokoniose. Sie ist auf Mikropartikel zurückzuführen, die in Böden vulkanischen Ursprungs vorkommen und bei barfuß laufenden Menschen durch die Haut ins Gewebe eindringen und Entzündungen hervorrufen.

Forschungsnetzwerke für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika

Seit Herbst 2017 werden durch das BMBF fünf deutsch-afrikanische Forschungsnetzwerke für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika gefördert. Die Forschungskonsortien werden von afrikanischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geleitet. Ziele sind:

  • die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen deutschen Institutionen und Forschungsinstitutionen in Subsahara-Afrika zu stärken;
  • Forschungskapazitäten und Forschungsinfrastrukturen in Subsahara-Afrika aufzubauen;
  • wissenschaftliche Ergebnisse schneller in die Forschungs- und Gesundheitsagenden der afrikanischen Partnerländer zu übertragen.

Durch die Förderung der Forschung trägt die Initiative auch zur Entwicklung lokaler Gesundheitssysteme bei, die letztlich dazu beitragen werden, den Teufelskreis zwischen Armut und Krankheit zu durchbrechen.

Vom 28. Bis 31. Januar findet in Accra, Ghana, ein Midterm-Meeting der Netzwerke statt. Ziel der Veranstaltung ist zum einen der wissenschaftliche Austausch. Vor allem wird es aber darum gehen, darüber zu diskutieren, wie die erzielten Forschungsergebnisse von den politischen Entscheidungsträgern aufgegriffen und in die klinische Praxis überführt werden können.