Fördermaßnahme

Nachwuchsgruppen in der Infektionsforschung

Veröffentlichung der Bekanntmachung: 2019
Förderzeitraum: 2020 - 2026
Gesamte Fördersumme: bis zu 44 Mio. Euro
Anzahl der Projekte: 1. Runde: bis zu 13 Nachwuchsgruppen

1. Ziele des Förderschwerpunktes

Trotz bedeutender Verbesserungen in Hygiene, Prävention und Behandlung stellen Infektionskrankheiten in Deutschland und weltweit immer noch eine große Herausforderung dar. Zunehmende Gefahren entstehen unter anderem durch die steigende Anzahl von Krankheitserregern, die gegen einen oder mehrere antimikrobielle Wirkstoffe resistent sind, und durch die globale Ausbreitung neu auftretender Infektionskrankheiten. Dies hat zur Folge, dass bestehende Behandlungsmethoden und Medikamente an Wirksamkeit verlieren und neue Strategien zur Prävention und Therapie entwickelt werden müssen. Die Forschung zu Infektionskrankheiten ist demnach eine dringende Aufgabe.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, bedarf es einer exzellent und nachhaltig aufgestellten Forschungsszene. Die Infektionsforschung in Deutschland hat aufgrund struktureller Besonderheiten (z. B. Zuständigkeit mehrerer Fachdisziplinen, keine Weiterbildung zum Facharzt für Infektiologie) Schwierigkeiten, aussichtsreiche berufliche Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs vorzuhalten. Nachholbedarf besteht ebenfalls in der gebotenen Zusammenarbeit in verschiedenen relevanten Disziplinen (z. B. Medizin, Naturwissenschaften, Informatik, Sozial- und Gesundheitswissenschaften).

Um Erkenntnisse zur Prävention und Behandlung von Infektionskrankheiten zu generieren und Innovationen für die klinische Praxis zu entwickeln, muss die wissenschaftliche Basis in Deutschland in der Infektionsforschung gestärkt werden. Zu diesem Ziel fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gezielt den Karriereweg qualifizierter Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler in der klinischen und anwendungsorientierten Infektionsforschung. Dabei steht die Förderung von exzellenten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Vordergrund, nicht die strukturelle Verbesserung wissenschaftlicher Einrichtungen.

Das BMBF greift mit der Fördermaßnahme damit auch Empfehlungen des Forums Gesundheitsforschung zur bundesweiten Implementierung von „Clinician Scientist“- Programmen in der Gesundheitsforschung in Deutschland auf und setzt den Beschluss der Bundesregierung um, die Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE) zu antimikrobiellen Resistenzen zu erhöhen.

 2. Stand der Fördermaßnahme

Für die 1. Runde der Förderbekanntmachung wurden in einem internationalen Begutachtungsverfahren dreizehn Projekte zur Förderung ausgewählt. Die ersten Projekte haben im August 2020 ihre Arbeit aufgenommen.

Einzelprojekte

Trans-PrEP - Translationale Modellierung der HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe zur Abschätzung klinischer Effektivität und Resistenzentwicklung

Förderkennzeichen: 01KI2016
Gesamte Fördersumme: 1.278.272 EUR
Förderzeitraum: 2020 - 2025
Projektleitung: Dr. Max von Kleist
Adresse: Robert Koch-Institut (RKI)
Nordufer 20
13353 Berlin

Trans-PrEP - Translationale Modellierung der HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe zur Abschätzung klinischer Effektivität und Resistenzentwicklung

HIV verbreitet sich weiterhin mit einer Rate von ca. 1,7 Millionen Neuinfektionen pro Jahr. Da weder ein Heilmittel noch ein wirksamer Impfstoff zur Verfügung steht, fokussiert sich die Forschung auf die Nutzung antiviraler Medikamente zur HIV-Prävention. Die HIV-Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) hat sich als ein entscheidendes Instrument zur Verhinderung der HIV-Übertragung herausgestellt. Es gibt jedoch noch eine Reihe offener Fragen bezüglich ihrer optimalen Anwendung und bezüglich der Parameter, die ihre klinische Wirksamkeit bestimmen. Wichtig ist, dass diese Fragen in klinischen Studien typischerweise nicht beantwortet werden können, was einen Wissenstransfer aus anderen Disziplinen erfordert um die Weiterentwicklung von PrEP optimal zu unterstützen. HIV ist ein sehr gut untersuchter Erreger, aber das verfügbare interdisziplinäre Wissen wird nur selten zusammengeführt. Ziel ist es, die Fülle der viralen-, pharmakologischen- und klinischen Daten durch eine integrative, translationale Modellierung zur Vorhersage der klinischen PrEP-Wirksamkeit nutzbar zu machen. Der Ansatz dieses Projekts wird dazu beitragen, Mechanismen aufzuklären, die zur Resistenzbildung beitragen und Parameter zu identifizieren, die die PrEP-Wirksamkeit in verschiedenen Risikogruppen beeinflussen. Die Forschungsergebnisse werden zur Optimierung von PrEP eingesetzt werden und die rationalen Entwicklung von PrEP der nächsten Generation unterstützen, mit dem ultimativen Ziel, zur Beendigung der HIV-Epidemie beizutragen.

IMMUNOMOD – Erforschung von neuartigen Strategien zur Unterstützung des angeborenen Immunsystems, um virale Erkrankungen zu bekämpfen

Förderkennzeichen: 01KI2014
Gesamte Fördersumme: 1.756.132 EUR
Förderzeitraum: 2020 - 2025
Projektleitung: Dr. Konstantin Sparrer
Adresse: Universitätsklinikum Ulm, Institut für molekulare Virologie
Meyerhofstr. 1
89081 Ulm

IMMUNOMOD – Erforschung von neuartigen Strategien zur Unterstützung des angeborenen Immunsystems, um virale Erkrankungen zu bekämpfen

Infektionen mit viralen und bakteriellen Krankheitserregern sind ein globales Problem. Gegen die meisten viralen Erkrankungen sind keine spezifischen Therapien möglich. Zusätzlich kommt es immer häufiger zur Resistenz der Krankheitserreger gegen aktuell verfügbare Medikamente. Daher ist es nicht nur notwendig vorhandene Wirkstoffe zu verbessern, sondern auch neue Strategien zu entwickeln, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Wir besitzen mit unserem angeborenen Immunsystem bereits ein anpassungsfähiges, multifunktionales und effektives Verteidigungssystem, um Infektionen zu bekämpfen. Die meisten Viren und Bakterien werden von diesem System erkannt und entweder kontrolliert oder eliminiert. Allerdings haben viele Pathogene im Lauf ihrer Evolution Strategien entwickelt, um unser Immunsystem zu umgehen. Diese Mechanismen können durch eine konzertierte Aktivierung unseres Immunsystems überwältigt werden. Ein neuartiger, gegen diverse Pathogene wirkender Ansatz beruht auf einer gezielten Unterstützung der körpereigenen Abwehrkräfte. Dieses Projekt soll Möglichkeiten zur Stärkung der angeborenen Immunabwehr untersuchen und damit Strategien aufzeigen, wie das Immunsystem beim Erkennen, Verhindern und Bekämpfen von Krankheitserregern unterstützt werden kann. Es werden dazu aktuelle Erkenntnisse und Techniken aus Biologie, Chemie und Informatik vereint, um interdisziplinär neue Methoden, die eine konzertierte Immunantwort auslösen, zu entdecken, ihre antimikrobielle Wirkweise zu untersuchen und durch maschinelles Lernen optimale kombinatorische Therapien gegen Viren vorherzusagen. Somit können gegen medikamentenresistente Pathogene und neu aufkommende Erreger wie beispielsweise Coronaviren Medikamente zur Immunmanipulation schnellstmöglich eingesetzt werden. Neben der Relevanz für bakterielle und virale Erkrankungen werden die Erkenntnisse über das Immunsystem und dessen Manipulation auch wichtig für die Krebstherapie und Autoimmunerkrankungen sein.