Fördermaßnahme

Stärkung der Forschung in der Geriatrie und Gerontologie

Veröffentlichung der Bekanntmachung: 2016
Förderzeitraum: 2019 - 2024
Gesamte Fördersumme: bis zu 6,5 Mio. Euro
Anzahl der Projekte: 2 Einzelvorhaben (Modul 1); 3 Einzelvorhaben (Modul 2)

1. Ziele des Förderschwerpunktes

Die Zahl der älteren Menschen steigt stetig an. In Zukunft müssen daher immer mehr ältere Menschen bestmöglich versorgt werden, um ihnen Gesundheit und eine selbstständige Lebensführung zu ermöglichen. Hierin liegt eine große medizinische und gesellschaftliche Herausforderung. Daher ist eine starke Altersforschung notwendig, die die Besonderheiten der Versorgung von älteren Patientinnen und Patienten berücksichtigt und die Bedürfnisse von älteren Menschen als Ganzes in den Blick nimmt.  

Ziel dieser Fördermaßnahme ist es, den Ausbau der Versorgungsforschung auf dem Gebiet der Geriatrie und Gerontologie zu unterstützen. Das Förderangebot richtet sich zum einen an Hochschulen, die einen Lehrstuhl oder eine selbstständige Abteilung für Geriatrie oder Gerontologie neu einrichten möchten (Modul 1). Parallel wird auch bereits bestehenden Instituten oder Abteilungen für Geriatrie und Gerontologie die Gelegenheit gegeben, ihre Forschungskapazitäten durch die Gründung von Nachwuchsgruppen zu erweitern (Modul 2). Die Förderung erfolgt in Form konkreter Forschungsprojekte.

2. Stand der Fördermaßnahme

Modul 1: In der ersten Verfahrensstufe wurden zunächst Projektskizzen vorgelegt, welche die Erfüllung von standortbezogenen Kriterien darlegen (Teil A). Auf der Grundlage der Bewertung von Teil A wurden die aussichtsreichsten Skizzen für das weitere Verfahren ausgewählt. Die in dieser Stufe erfolgreichen Antragsteller legen nach Auswahl oder Berufung der Inhaberin bzw. des Inhabers der neuen Professur eine vollständige Projektskizze (Teil A und Teil B) vor, in der zusätzlich das konkrete Forschungsprofil der Professur und das geplante Forschungsprojekt (Teil B) dargelegt ist. Die vollständigen Projektskizzen werden durch internationale Expertinnen und Experten begutachtet. Die Förderung umfasst zunächst drei Jahre.

Die Themen der zur Förderung ausgewählten Forschungsprojekte umfassen selbstbestimmte Vorausentscheidungen bei Menschen mit Alzheimer-Demenz sowie Minimierung der Sturzgefährdung bei älteren Menschen.

Modul 2: Die eingegangenen Projektskizzen wurden von einem interdisziplinären, international besetzten Begutachtungsgremium bewertet. Auf dieser Grundlage wurden 3 Projektskizzen zur Förderung ausgewählt. Alle drei Projekte werden in Universitätskliniken durchgeführt. Es ist eine bis zu 5-jährige Förderung vorgesehen. Die Projekte haben ihre Arbeit im Februar 2019 aufgenommen.

Die Themen der Forschungsprojekte umfassen die Mundgesundheit von älteren Menschen in Langzeitpflegeeinrichtungen, die Mobilität im hohen Alter in ländlichen Gebieten sowie die Adhärenz und gesundheitsbezogene Lebensqualität bei neurogeriatrischen Patientinnen und Patienten.

Einzelprojekte

DECIDE - Entscheidungs-Orte für Menschen mit Alzheimer Demenz: Entscheidungsassistenz bei Patientenverfügungen durch Person-Umwelt Anpassung

Förderkennzeichen: 01GY2022
Gesamte Fördersumme: 1.316.255 EUR
Förderzeitraum: 2021 - 2024
Projektleitung: Prof. Dr. Julia Haberstroh
Adresse: Universität Siegen, Fakultät II - Bildung-Architektur-Künste, Lehrstuhl für Psychologische Alternsforschung
Adolf-Reichwein-Str. 2a
57076 Siegen

DECIDE - Entscheidungs-Orte für Menschen mit Alzheimer Demenz: Entscheidungsassistenz bei Patientenverfügungen durch Person-Umwelt Anpassung

Menschen mit Alzheimer-Demenz haben wie jede andere Person das Recht zu entscheiden, ob sie eine medizinische Behandlung erhalten wollen oder nicht. Dieses Recht beinhaltet, dass sie frei und informiert einwilligen oder die Behandlung ablehnen dürfen. Die Einwilligungsfähigkeit von Menschen mit Alzheimer-Demenz wird aufgrund des fortschreitenden kognitiven Abbaus jedoch oftmals in Frage gestellt. Patientenverfügungen sind ein anerkanntes Mittel, um Autonomie bei medizinischen Entscheidungen trotz Einwilligungsunfähigkeit bei z. B. fortschreitender Demenz aufrecht zu erhalten. Jedoch haben nur 51 % der über 65-jährigen überhaupt eine Patientenverfügung, 50 % davon sind nicht ausreichend interpretierbar. Ist eine Demenzdiagnose erstmal gestellt, wird es oftmals als zu spät erachtet, eine Patientenverfügung zu erstellen, da die Einwilligungsfähigkeit für derart komplexe Vorabentscheidungen angezweifelt wird. Im vorliegenden Vorhaben wird daher untersucht, ob durch die Schaffung von bestimmten Voraussetzungen Menschen mit Alzheimer-Demenz zu selbstbestimmten Vorausentscheidungen befähigt werden können. Dazu wird einerseits Betroffenen in Gedächtnisambulanzen angeboten, eine Patientenverfügung mit Unterstützung durch einen strukturierten Kommunikationsprozess (sog. "Advance Care Planning") zu erstellen. Zudem wird untersucht, ob ein vertrauter Entscheidungsort wie "zuhause" besser geeignet ist für das Erstellen einer Patientenverfügung als ein unvertrauter Ort wie eine Gedächtnisambulanz. Das Vorhaben soll so zu einer weiteren Verbreitung von validen Patientenverfügungen und hiermit zu einer Stärkung der Autonomie von Menschen mit Alzheimer-Demenz beitragen.

SeFallED - Ältere Patientinnen und Patienten nach Index-Sturz mit Vorstellung im Notfallzentrum ohne stationäre Aufnahme

Förderkennzeichen: 01GY2021
Gesamte Fördersumme: 1.761.090 EUR
Förderzeitraum: 2021 - 2024
Projektleitung: Prof. Dr. Tania Zieschang
Adresse: Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Fakultät VI, Medizin und Gesundheitswissenschaften, Department für Versorgungsforschung, Abt. Geriatrie
Ammerländer Heerstr. 114-118
26129 Oldenburg

SeFallED - Ältere Patientinnen und Patienten nach Index-Sturz mit Vorstellung im Notfallzentrum ohne stationäre Aufnahme

Ziel ist es, langfristige Verläufe (Trajektorien) in Bezug auf die Unabhängigkeit bei der Ausübung von Alltagsaktivitäten, die funktionelle Leistungsfähigkeit, die körperliche Aktivität und das Sturzrisikoprofil von älteren Menschen zu identifizieren und vorherzusagen. Das Studienkollektiv bilden Patienten > 60 Jahre, die nach einem Sturz in der Notaufnahme vorstellig werden, bei denen die Schwere der Verletzung allerdings keine stationäre Aufnahme erfordert. Neben einer umfassenden geriatrischen Untersuchung werden innovative Technologien eingesetzt, um Sturzrisikofaktoren und die individuellen funktionellen Verläufe zu analysieren. So werden u. a. Ganganalysen auf einem Perturbationslaufband durchgeführt, mit dem zur Testung der dynamischen Balance gezielte Störungen des Gangs provoziert werden können, denen durch eine adäquate Reaktion entgegengewirkt werden muss. Zudem wird untersucht, ob diese gezielten Störungen Bewegungsmuster schulen, die die Reaktion auf derartige Störungen verbessern und dadurch einen Einfluss auf den weiteren Verlauf bzw. das Sturzrisiko haben. Während der Diagnostik werden auch Bewegungsdaten durch am Körper getragene Sensoren erfasst. Diese Datensätze sollen genutzt werden, um mit Ansätzen des maschinellen Lernens (ML) die funktionelle Leistungsfähigkeit im täglichen Leben zu erfassen und die unter standardisierten Bedingungen im Labor erzeugten Bewegungsabläufe im Alltag durch körpergetragene Sensoren wiederzuerkennen. Basierend auf den Erkenntnissen wird ein statistisches Vorhersagemodell erarbeitet. Des Weiteren werden die Patientinnen und Patienten sowie deren Betreuungspersonen in einem qualitativen Ansatz am Forschungsprozess beteiligt und deren Bedürfnisse, Präferenzen und Barrieren zur Teilnahme an Sturzpräventions-Programmen erhoben. Basierend auf den Ergebnissen werden bestehende Interventionsmaßnahmen ausgewählt und neue entwickelt, um Stürzen vorzubeugen bzw. das individuelle Sturzrisiko zu minimieren.

NeuroGerAd - Verbesserung der Adhärenz und gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei neurogeriatrischen Patienten

Förderkennzeichen: 01GY1804
Gesamte Fördersumme: 1.522.596 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2024
Projektleitung: PD Dr. Tino Prell
Adresse: Universitätsklinikum Jena, Klinik für Neurologie
Am Klinikum 1
07747 Jena

NeuroGerAd - Verbesserung der Adhärenz und gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei neurogeriatrischen Patienten

Die Nachwuchsgruppe am Universitätsklinikum Jena untersucht bei neurogeriatrischen Patientinnen und Patienten die Einhaltung von vereinbarten Therapieempfehlungen, wie beispielsweise die Einnahme von Medikamenten. Die Einhaltung von Therapieempfehlungen durch Patientinnen und Patienten, die als Adhärenz bezeichnet wird, wird im Alltag oftmals nicht exakt umgesetzt. Medikamente werden in der falschen Dosierung, zur falschen Zeit oder gar nicht eingenommen. Dies kann zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes oder gar zum Tode führen.

Ein Ziel des Projektes „NeuroGerAd“ ist es, allgemeine und krankheitsspezifische Faktoren zu identifizieren und zu bewerten, die die Adhärenz beeinflussen. Dabei wird auch der Übergang von der stationären Versorgung im Krankenhaus in die ambulante Betreuung durch den Neurologen oder Hausarzt analysiert. Darauf aufbauend werden dann in der zweiten Phase spezifische Interventionen entwickelt, angewendet und evaluiert, die die Adhärenz verbessern sollen. Hierdurch soll die Lebensqualität von neurogeriatrischen Patientinnen und Patienten gesteigert, unnötige Krankenhauseinweisungen vermieden, Pflegebedürftigkeit reduziert und Kosten für das Gesundheitssystem gesenkt werden.

MOBILE - Erhalt und Verbesserung der Mobilität hochaltriger Menschen im ländlichen Raum durch Aktivierung und Integration von personalen, sozialen und regionalen Ressourcen

Förderkennzeichen: 01GY1803
Gesamte Fördersumme: 1.210.663 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2024
Projektleitung: Dr. Paul Gellert
Adresse: Charité - Universitätsmedizin Berlin - CharitéCentrum Human- und Gesundheitswissenschaften, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaften
Luisenstr. 57
10117 Berlin

MOBILE - Erhalt und Verbesserung der Mobilität hochaltriger Menschen im ländlichen Raum durch Aktivierung und Integration von personalen, sozialen und regionalen Ressourcen

Der Weg zum Hausarzt, die Unterstützung durch Familie und Nachbarn oder der Gebrauch eines Rollators - Mobilität von hochaltrigen Menschen hat viele Facetten. Gerade in ländlichen Regionen kann es eine besondere Herausforderung sein, die Mobilität von Hochaltrigen zu erhalten. Gleichzeitig ist sie aber auch wesentlich für die Selbstständigkeit und Gesundheit. Ziel dieses Vorhabens ist es zum einen daher, umweltbezogene, soziale sowie persönliche Faktoren zu identifizieren, die die Mobilität hochaltriger Menschen in ländlichen Regionen beeinflussen. Zum anderen soll getestet werden, ob Mobilität und Partizipation bei hochaltrigen Menschen unterstützt werden kann. Hierzu sollen in persönlichen, Tablet-gestützten Beratungsgesprächen Mobilitätsressourcen aktiviert werden, etwa durch die Planung von Aktivitäten oder ein Übungsprogramm für zu Hause. Um die Forschungsfragen zu beantworten, wird eine Studie mit 254 hochaltrigen Menschen aus ländlichen und kleinstädtischen Gebieten der Region Havelland durchgeführt.

TAILOHR - Entwicklung, Adaptation und Implementierung einer Intervention zur Verbesserung der Mundgesundheit in der stationären Altenpflege

Förderkennzeichen: 01GY1802
Gesamte Fördersumme: 712.332 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2021
Projektleitung: PD Dr. Falk Schwendicke
Adresse: Charité - Universitätsmedizin Berlin, Institut für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde (CC3), Abteilung für Zahnerhaltung und Präventivzahnmedizin
Aßmannshauser Str. 4 - 6
14197 Berlin

TAILOHR - Entwicklung, Adaptation und Implementierung einer Intervention zur Verbesserung der Mundgesundheit in der stationären Altenpflege

In dem Vorhaben wird untersucht, wie die Mundgesundheit von pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren, die in stationärer Altenpflege wohnen, verbessert werden kann. Eine Reihe verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen (Zahnmedizin, Psychologie/Soziologie, evidenzbasierte Medizin und Implementierungsforschung) werden an den Untersuchungen teilnehmen. Es sollen folgende Schritte unternommen werden: 1) Erfassung der wichtigsten Probleme in der Mundpflege und Mundgesundheitserhaltung von pflegebedürftigen Senioren und Seniorinnen sowie Feststellung der Faktoren, die eine bessere Mundgesundheit ermöglichen würden bzw. derzeit behindern; 2) Zusammenstellung vorhandener Maßnahmen zur Verbesserung der Mundgesundheit; 3) Auswahl der für Deutschland vielversprechendsten Maßnahmen durch eine Konsensusgruppe und Adaptation der Maßnahmen an das deutsche Gesundheitssystem; 4) Pilottestung der Maßnahmen und erwarteten Veränderungen in sog. Modellierungen oder Simulationen. Langfristig soll somit die Mundgesundheit sowie die Lebensqualität von Pflegeheimbewohnern und -bewohnerinnen verbessert werden.