November 2021

| Newsletter 104

UNITE4TB: Forschende sagen der Tuberkulose den Kampf an

Die Entwicklung neuer Medikamentenkombinationen gegen Tuberkulose wird weltweit beschleunigt. 30 Partner aus 13 Ländern haben dazu das Konsortium UNITE4TB gegründet. Mit dabei: das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung und das LMU Klinikum München.

Logo DZIF

Vereint gegen eine Krankheit vorgehen, die weltweit zu den zehn bedrohlichsten gehört: Das ist das Programm des neuen Forschungskonsortiums „Academia and industry united innovation and treatment for tuberculosis“, kurz: UNITE4TB, das die Tuberkulose (TB) in den Fokus rückt. „Unser Ziel ist es, bestehende und neuartige Medikamentenkombinationen schneller klinisch zu bewerten und so neue hochwirksame Behandlungsschemata für arzneimittelresistente und -empfindliche TB-Patientinnen und -Patienten zu entwickeln“, erklärt Professor Dr. Michael Hoelscher. Der Direktor des Tropeninstituts am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München und Koordinator des DZIF-Forschungsbereichs „Tuberkulose“ hat das Projekt mit initiiert, das für die nächsten sieben Jahre angelegt ist und mit insgesamt 185 Millionen Euro gefördert wird.

Gemeinsam gegen Tuberkulose

Logo UNITE4TB

Das Projekt UNITE4TB wird von der Innovative Medicines Initiative 2 Joint Undertaking unter der Fördervereinbarung Nr. 101007873 gefördert. Dieses Joint Undertaking wird durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union und die European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (EFPIA), das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) unterstützt. EFPIA/Assoziierte Partner tragen zu 50 Prozent zur Finanzierung bei, während der Beitrag des DZIF und des LMU Klinikums München vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gewährt wurde.

Weitere Informationen finden sich unter www.unite4tb.org.

Tuberkulose, im Volksmund als Schwindsucht bekannt, ist nach wie vor eine der tödlichsten Infektionen weltweit: Pro Minute, so bilanziert die Weltgesundheitsorganisation, sterben drei Menschen an dieser Infektionskrankheit. Der Erreger ist das stäbchenförmige Mycobacterium tuberculosis, das sich nur schwer bekämpfen lässt. Sein langsames Wachstum schützt es vor Angriffen; die Behandlung ist langwierig und erfordert die Gabe mehrerer Antibiotika. Zunehmend erschwert wird die Therapie durch das Auftreten multiresistenter Erreger, gegen die die gebräuchlichen Medikamente nicht mehr wirken. In schweren Fällen müssen bis zu sieben Antibiotika über 18 Monate verabreicht werden. Diese Therapie ist für Betroffene mit schweren Nebenwirkungen verbunden. Zudem fehlen in ärmeren Ländern mit hohen Tuberkulose-Vorkommen häufig die dafür notwendigen Mittel.

Wirtschaft und Wissenschaft ziehen an einem Strang

Tuberkulose­Bakterien unter dem Elektronenmikroskop.

Tuberkulose­Bakterien unter dem Elektronenmikroskop: Die stäbchenförmigen Erreger verursachen eine der nach wie vor tödlichsten Krankheiten der Welt.

CDC/Medical Illustrators: Alissa, James Archer

Mit UNITE4TB schafft Europa eine Forschungsplattform, auf der Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam ihre Wirkstoffkandidaten testen und die Forschungsergebnisse austauschen. Das Projekt wird von der „Innovative Medicine Initiative“ (IMI) getragen, einer öffentlich-privaten Kooperation, die das Ziel hat, die Entwicklung neuer Medikamente zur Behandlung oder Prävention resistenter bakterieller Infektionen voranzutreiben. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt über die beiden deutschen Partner – das LMU Klinikum München und das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) – mit rund 25 Millionen Euro.

„Im UNITE4TB-Projekt ist es gelungen, dass Wissenschaft und Industrie ihre jeweiligen Wirkstoffkandidaten zur Verfügung stellen, um die wirksamsten Kombinationen auszutesten“, erklärt Hoelscher. Etwa zehn Medikamente werden zunächst auf den Prüfstand gestellt.

BTZ-043: Wirkstoff mit Potenzial

Mit auf dem Prüfstand steht der Wirkstoff BTZ-043, seit Jahrzehnten das erste in Deutschland entwickelte Antibiotikum. Er wurde von Forscherinnen und Forschern des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (Leibniz-HKI) – entdeckt und wird im Rahmen der BMBF-geförderten Infektionsforschungsnetzwerke DZIF und InfectControl 2020 seit 2014 in einer Forschungskooperation durch das Leibniz-HKI und das LMU Klinikum München partnerschaftlich weiterentwickelt. Die frühen klinischen Studien hat das neue Medikament bereits erfolgreich durchlaufen.

Professor Dr. med. Michael Hoelscher

Professor Dr. med. Michael Hoelscher

DZIF

Zusätzlich zu BTZ-043 bringt das Tropeninstitut am LMU Klinikum gemeinsam mit dem DZIF auch langjährige Expertise in der Tuberkulose-Forschung in UNITE4TB ein. So werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beispielsweise verantwortlich für die Entwicklung neuer Biomarker und die Durchführung der klinischen Phase-IIb/c-Studien sein. Zudem fungieren sie in UNITE4TB als assoziierte Partner des EFPIA-Konsortiums (s. Kasten) und übernehmen dabei zentrale Aufgaben in der Projektleitung sowie im Projekt- und Kommunikationsmanagement. Daneben sind verschiedene akademische Partner und DZIF-Mitglieder aus Deutschland engagiert, so etwa das Forschungszentrum Borstel − Leibniz Lungenzentrum, das Helmholtz Zentrum München, die Universität Hamburg und das TBnet.

„Durch die Zusammenarbeit führender Expertinnen und Experten aus dem öffentlichen und dem privaten Sektor hat UNITE4TB Zugang zu den meisten der innovativsten Tuberkulose-Wirkstoffe, die sich derzeit in der klinischen Phase I und II befinden“, erklärt Hoelscher. Er ist sich sicher, dass das Konsortium hochmoderne Studiendesigns implementieren kann und dabei auch künstliche Intelligenz und maschinelle Lerntechniken zum Einsatz bringt. „All dies wird die Auswahl und die Bewertung neuartiger Kombinationstherapien ermöglichen, die in nachfolgenden Studien der Phase III eine hohe Erfolgsrate haben dürften.“

Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)

Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickeln bundesweit mehr als 500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 35 Institutionen gemeinsam neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten. Das DZIF ist eines von sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zur Bekämpfung der wichtigsten Volkskrankheiten ins Leben gerufen wurden. Weitere Informationen unter www.dzif.de.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Michael Hoelscher
DZIF-Forschungsbereich „Tuberkulose“
Tropeninstitut (Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin)
LMU Klinikum München
089 4400-59801
hoelscher@lrz.uni-muenchen.de

Pressekontakt:
Karola Neubert und Janna Schmidt
0531 6181-1170/54
presse@dzif.de