Infektionen

Der Kampf gegen Infektionen ist eine zentrale Aufgabe der Medizin. Zwar haben moderne Medikamente vielen Infektionen ihren Schrecken genommen. Doch Bakterien, Viren und Parasiten entwickeln kreative Ausweichstrategien.

Mutter putz Kind am Frühstückstisch die Nase.

Die meisten Erkrankungen der oberen Atemwege werden durch Viren ausgelöst.

DLR Projektträger / BMBF

Wie relevant Infektionen heute noch sind, belegen die Statistiken der Weltgesundheitsorganisation WHO. Lässt man die Verkehrsunfälle einmal außen vor, dann finden sich unter den zehn häufigsten Todesursachen weltweit allein fünf Infektionserkrankungen oder Infektionsgruppen, nämlich Atemwegsinfekte, Durchfallerkrankungen, die HIV-Infektion, Tuberkulose sowie Infektionen von Neugeborenen. An HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria zusammen sterben weltweit fast fünf Millionen Menschen pro Jahr (WHO).

Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)

Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickeln bundesweit rund 500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 35 Institutionen gemeinsam neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten. Dies geschieht mit dem Ziel, neue Forschungsergebnisse schnell und effektiv in die klinische Praxis zu integrieren.Das DZIF ist eines von sechs Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Bekämpfung der wichtigsten Volkskrankheiten eingerichtet wurden.

Bakterielle Infektionen

Bakterien sind einzellige Mikroorganismen, die über die Atemwege, die Harnwege, den Magen-Darm-Trakt und – vor allem bei Verletzungen – auch über die Haut in den Körper gelangen. Viele Bakterien sind für den Menschen harmlos. Einige können aber auch schweren Schaden anrichten. Zu den wichtigsten bakteriellen Infektionen zählt die durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung, die vor allem im höheren Alter lebensbedrohlich ist. Ebenso gefährlich ist die Hirnhautentzündung als Folge einer Infektion mit Meningokokken, die auch jüngere Menschen betreffen kann.

Global gesehen spielt bei den bakteriellen Infektionen die Tuberkulose auch heute noch eine eminente Rolle. Bakterien sind außerdem die häufigsten Verursacher von Wund- und anderen Weichteilinfektionen. Generell gilt, dass bakterielle Infektionen durch Antibiotika effektiv behandelt werden können. Zunehmend machen allerdings resistente Bakterien von sich reden, die gegen viele Antibiotika unempfindlich sind. Ein wichtiger Grund für die Entwicklung von Resistenzen ist, dass Antibiotika zu oft und häufig unnötig eingesetzt werden, nicht nur in der Medizin, sondern auch beispielsweise in der Tierzucht.

Auch wenn Infektionen heute rein zahlenmäßig vor allem ein Problem der weniger entwickelten und speziell der tropischen Länder sind: Auch in den Industrienationen bleiben sie eine Bedrohung. In Deutschland sterben trotz aller Antibiotika jährlich rund 22.000 Menschen an einer Lungenentzündung (Statistisches Bundesamt). Und Infektionen, die im Krankenhaus erworben werden, kosten in Deutschland Schätzungen zufolge ebenfalls bis zu 20.000 Menschen das Leben (Deutsches Zentrum für Infektionsforschung).

Virusinfektionen können chronisch verlaufen

Viren sind sehr einfach gebaute Partikel, die nur aus Erbgut und einigen Eiweißbausteinen bestehen. Sie können sich nicht selbständig vermehren, sondern benutzen hierfür Wirtszellen. Viren sind die mit Abstand wichtigsten Erreger von Infektionen der oberen Atemwege sowie von Durchfallerkrankungen.

Solange Virusinfekte leicht verlaufen, kommt der menschliche Körper damit gut klar. Aggressivere Viren, etwa Grippeviren oder einige tropische Viren, können aber sehr gefährlich werden, wenn sie auf besonders empfängliche Menschen treffen. Manchmal verlaufen Virusinfektionen auch chronisch über viele Jahre hinweg. Die chronische, durch Viren verursachte Leberentzündung (Hepatitis) gehört in diese Kategorie. Auch die HIV- und Herpesinfektion sind in der Regel ein Dauerzustand.

Wegen ihres einfachen Aufbaus und dem fehlenden eigenen Stoffwechsel sind Viren unempfindlich gegen Antibiotika. Zwar hat die Medizin mittlerweile virenspezifische Medikamente hervorgebracht, mit denen die Vermehrung vieler Viren kontrolliert werden kann. Es gelingt aber nur selten, ein Virus, das durch das Immunsystem unseres Körpers nicht erfolgreich bekämpft werden kann, alleine mit Medikamenten vollständig zu beseitigen. Moderne HIV-Medikamente beispielweise halten HIV ein Leben lang unter Kontrolle, ohne dass es jedoch ganz aus dem Körper verschwindet.

Parasiten, Pilze und Prionen

Parasiten sind ein- oder mehrzellige Organismen, die oft mit bloßem Auge, zumindest aber mit einer Lupe sichtbar sind. In unseren Breiten sind die Kopfläuse ein häufiger Parasit. Auch Bandwürmer kommen vor. In den Tropen ist das Parasitenproblem sehr viel ausgeprägter. Die durch Plasmodien verursachte Malaria gehört dort zu den wichtigsten Todesursachen. Die Bilharziose ist eine durch Saugwürmer in tropischen Süßwassergewässern verursachte Parasitenerkrankung, die an zahlreichen Organen zum Teil schwere Schäden verursachen kann. Bei der Amöbenruhr handelt es sich um eine schwere Durchfallerkrankung. Einige Fadenwürmer können Blutarmut verursachen.

Deutsch-afrikanische Netzwerke

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert fünf deutsch-afrikanische Netzwerke, um Krankheiten, die Menschen in Afrika besonders gefährden, intensiv zu erforschen. Der Großteil der Projekte widmet sich armutsassoziierten Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder parasitären Wurmerkrankungen. Aber auch nicht-übertragbare Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck, sind Teil des Forschungsprogramms. Alle Projekte zielen ferner auf einen Ausbau der Labor- und Klinik-Kapazitäten in den Ländern Subsahara-Afrikas ab.

Pilzinfektionen des Menschen sind selten, wenn man einmal von der häufigen Fußpilzerkrankung absieht. Mit der zunehmenden Verbreitung an Medikamenten, die das Immunsystem bremsen, haben Pilze als Krankheitserreger aber an Bedeutung gewonnen. Noch seltener sind Erkrankungen durch infektiöse Eiweißpartikel. Diese „Prionen“ wurden erst vor einigen Jahren entdeckt. Es sind keine Lebewesen, sondern körpereigene, falsch gefaltete Eiweiße (Proteine). Sie gelten unter anderem als Erreger der Creutzfeldt-Jacob-Erkrankung, einer seltenen degenerativen Erkrankung des Gehirns, die zum Tod führt.

Ergebnisse der Gesundheitsforschung

Ärztin entnimmt einem Patienten Speichelprobe mit Wattestäbchen.

Multiresistente Keime schnell nachweisen

In Krankenhäusern sind multiresistente Keime weltweit eine zunehmende Bedrohung. Die neue Technologie der Firma SpinDiag kann Patientinnen und Patienten innerhalb von 30 Minuten auf gefährliche Erreger testen und somit deren Ausbreitung verhindern.

Das Epstein-Barr-Virus, hier in Leukämiezellen grün angefärbt

Epstein-Barr-Virus

DZIF-Wissenschaftler untersuchen den Zusammenhang zwischen dem Epstein-Barr-Virus und Krebs.

Frau wird geimpft

Dem optimalen Impfstoff auf der Spur

Forschende arbeiten daran, die Vorteile von Lebend- und Totimpfstoffen miteinander zu kombinieren.

Medizinische Fachkraft zieht Spritze mit Impfstoff auf.

Impfstoff gegen MERS-Coronavirus

Derzeit wird der erste Impfstoff gegen das MERS-Coronavirus in einer klinischen Studie geprüft.