Depression: Schatten auf der Seele

Von allen schweren Erkrankungen des Gehirns ist die Depression eine der häufigsten. Die Betroffenen leiden unter Antriebslosigkeit, gedrückter Stimmung oder dem Gefühl „ausgebrannt“ zu sein. Aber auch körperliche Symptome können Zeichen einer Depression sein.

Weltweit leben etwa 350 Millionen Menschen mit einer Depression. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge wird nur jeder vierte Betroffene adäquat behandelt. Gemessen an dem internationalen Indikator YLD („years lost due to disability“), der den Verlust von gesunden Lebensjahren durch gesundheitliche Einschränkungen beschreibt, ist die Depression die wichtigste Krankheitsursache überhaupt.

Psycho- und Verhaltenstherapien gehören zu den nicht-medikamentösen Behandlungsformen, die Menschen mit Depressionen helfen können.

Psycho- und Verhaltenstherapien gehören zu den nicht-medikamentösen Behandlungsformen, die Menschen mit Depressionen helfen können.

DLR PT/BMBF

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens zumindest einmal eine schwere, behandlungsbedürftige Depression zu entwickeln, liegt derzeit bei 16 bis 20 Prozent (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)). Auch gibt es Daten, die belegen, dass die Bedeutung der Depression in Deutschland stark zunimmt. Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden derzeit daran (Deutsche Depressionshilfe).

Der volkswirtschaftliche Schaden, den die Erkrankung verursacht, ist erheblich: Etwa jeder fünfzehnte Arbeitsunfähigkeitstag geht in Deutschland mittlerweile auf das Konto einer Depression. Fehlzeiten aufgrund von Depressionen lagen 2013 um 69 Prozent höher als 2000. Auch das Verordnungsvolumen an Antidepressiva hat sich in diesem Zeitraum in etwa verdreifacht (Techniker Krankenkasse).

Ein Chamäleon unter den Erkrankungen

Die klassischen Symptome einer Depression sind gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit und ein Verlust der Fähigkeit, Gefühle zu erleben. Außerdem kann eine Depression auch eine ganze Reihe körperlicher Symptome verursachen, darunter Magen-Darm-Probleme, Herzbeschwerden oder Rückenschmerzen. Auch unspezifische Beschwerden wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Reizbarkeit oder ausgeprägte Unruhe können auf eine Depression hindeuten. Mitunter stehen die körperlichen Symptome sogar stark im Vordergrund. Bei solchen Menschen kann es schwierig sein, die Depression als Ursache zu erkennen.

Beim Burnout-Syndrom treten einige Symptome einer Depression im Zusammenhang mit einer Überlastung im beruflichen oder privaten Umfeld auf. Eine eindeutige Definition des Syndroms gibt es bislang nicht - es ist auch nicht als offizielles Krankheitsbild anerkannt. Die Betroffenen fühlen sich „ausgebrannt“. Die Lust an der Arbeit geht verloren. Wochenenden und Urlaube verlieren ihren Erholungswert, und das private Leben wird in Mitleidenschaft gezogen. Moderne, auf Effizienz getrimmte Arbeitsverhältnisse und der Zwang zur ständigen Erreichbarkeit werden als Faktoren diskutiert, die für die zunehmende Häufigkeit des Burnouts mit verantwortlich sein könnten.

Forschungsnetz für psychische Erkrankungen

Das Forschungsnetz für psychische Erkrankungen vereint über 30 wissenschaftliche Einrichtungen aus ganz Deutschland. Sie erforschen neue und bewährte Wege der Prävention, Diagnostik und Therapie und optimieren sie. Es geht um Erkrankungen wie depressive und Angststörungen, bipolaren Störungen, Schizophrenie, Suchterkrankungen sowie Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) und Autismus.

Gibt es Risikofaktoren für eine Depression?

In Familien- und Zwillingsstudien gibt es deutliche Hinweise auf eine genetische Veranlagung für Depression. Der Zusammenhang ist bei vielen anderen Erkrankungen aber deutlich stärker. Frauen haben ein etwa doppelt so hohes Risiko, im Laufe ihres Lebens eine Depression zu entwickeln als Männer (DGPPN /Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ)).

Psychosozialen Faktoren kommt bei bestehender Veranlagung eine entscheidende Bedeutung für den Ausbruch einer Depression zu. Ein höheres Bildungsniveau und eine sichere berufliche Anstellung korrelieren mit niedrigeren Depressionsraten. In den unteren sozialen Schichten ist die Quote an Menschen, die innerhalb eines Jahres irgendwann einmal an einer Depression leiden fast doppelt so hoch wie in hohen sozialen Schichten (DGPPN/ÄZQ). Auch andere ungünstige Lebensumstände fördern das Auftreten einer Depression: Arbeitslose Menschen, schlecht integrierte Migrantinnen und Migranten, Menschen mit körperlichen Erkrankungen, suchtkranke Menschen und Menschen, die Angehörige verlieren, haben ein höheres Risiko (DGPPN/ÄZQ).

Hilfe ist möglich

Wird eine Depression rechtzeitig erkannt, dann ist sie häufig gut behandelbar. Es stehen effektive nicht-medikamentöse und medikamentöse Therapien zur Verfügung. Bei den nicht-medikamentösen Therapien kann auf unterschiedliche Methoden der Psycho- und Verhaltenstherapie zurückgegriffen werden. Von medikamentöser Seite sind sogenannte trizyklische Antidepressiva und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer die am häufigsten eingesetzten Präparate.

Neben der Ausprägung der Symptome spielen bei der Auswahl der Therapiemodalität auch die persönliche Neigung, das soziale Umfeld und die kognitiven Fähigkeiten eine Rolle. Am effektivsten sind oft integrative Therapien, bei denen psychotherapeutische und pharmakologische Ansätze kombiniert werden. Die Behandlungsdauer ist unterschiedlich, meist aber recht lang.

In vielen Fällen ist nach Abklingen der Symptome eine weitere medikamentöse Behandlung nötig. Diese dient dazu einen Rückfall zu verhindern. Häufig kann diese Therapie aber nach einer gewissen Zeit abgesetzt werden.

Ergebnisse der Gesundheitsforschung

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland über 4 Millionen Menschen an einer Depression.

Einblicke in die genetischen Ursachen der Depression

Forschende entschlüsseln 30 weitere Gene, die zu einer Depression beitragen können.

Patient im Gespräch mit Facharzt.

Schneller aus der Depression

Durch schnellere Umstellung der Medikation kann Leidensweg der Patientinnen und Patienten verkürzt werden.

Mutter mit Tochter in der Natur.

Hilfe für Alleinerziehende

Alleinerziehende Mütter leiden oft unter der Belastung, Kinder, Beruf und Trennung in Einklang zu bringen.

Professor Michael Bauer, Sprecher des Forschungsnetzes zu psychischen Erkrankungen

Interview mit Professor Michael Bauer

„Für die Erforschung psychischer Störungen bedarf es konzentrierter und vernetzter Forschungsanstrengungen.“