Verbund

HumArGam - Humane artifizielle Gameten. Erzeugung und genetische Veränderung von aus humanen pluripotenten Stammzellen differenzierten Gameten und ihre ethische und rechtliche Bewertung

Neue Entwicklungen in der Stammzellforschung zeigen, dass sich aus murinen iPS-Zellen Zellen generieren lassen, die primordialen Keimzellen ähnlich sind, und sich in vivo zu funktionellen Gameten ausreifen lassen. Aufgrund der Erzeugung in vitro sind die auf diese Weise generierten iPS-Zellen und primordialen Keimzellen zugänglich, so dass an ihnen genetische Modifikationen, beispielsweise mit der CRISPR-Cas9 Methode, einfach vorgenommen werden können. Unter der Annahme, dass sich diese Möglichkeiten auf den Menschen übertragen lassen, entstehen eine Vielzahl neuartiger biologischer, medizinischer, rechtlicher, philosophischer und ethischer Fragen. Das interdisziplinäre Verbundprojekt wird diese Fragen systematisch identifizieren und unter den Aspekten der Artifizialität, Verfügbarkeit, Verwendbarkeit und Manipulierbarkeit artifizieller Gameten strukturieren. Die Fragen werden im Hinblick auf anwendbare ethische und rechtliche Argumente, Kriterien und Normen analysiert, die argumentativen Zusammenhänge offengelegt und ihre normative Bedeutung beleuchtet. Anhand des Vergleichs mit bestehenden ethischen und rechtlichen Normen, lässt sich möglicher Regulierungsbedarf für die neuartigen Felder der Erzeugung, Verwendung und Modifizierung artifizieller Gameten identifizieren. Auf Basis dieser Ergebnisse ist es das übergeordnete Ziel des Verbundprojektes, einen normativ reflektierten Handlungsrahmen für den Umgang mit artifiziellen Gameten zu entwickeln und ihn als Grundlage politischer Entscheidungsfindung zu präsentieren.

Teilprojekte

TP1: Ethik

Förderkennzeichen: 01GP1604A
Gesamte Fördersumme: 298.798 EUR
Förderzeitraum: 2016 - 2019
Projektleitung: Prof. Dr. Dr. Thomas Heinemann
Adresse: PTHV Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar gGmbH, Lehrstuhl Ethik, Theorie und Geschichte der Medizin
Pallottistr. 3
56179 Vallendar

TP1: Ethik

Projekt-Internetseite 

Jüngste Ergebnisse aus dem Tierreich über die in vitro-Differenzierung von funktionalen Gameten aus pluripotenten Stammzellen zeigen, dass diese Verfahren wahrscheinlich auf die menschliche Spezies übertragbar sind. Zudem ist zu erwarten, dass neue Techniken der Genom-Editierung, wie CRISPR-Cas9 und TALEN, eine effiziente und gezielte genetische Modifikation der auf diese Weise generierten künstlichen menschlichen Gameten erlauben. Beide Möglichkeiten eröffnen neue Szenarien in der Forschung und können zu neuartigen Formen der menschlichen Fortpflanzung führen, die grundlegende ethische Fragen aufwerfen. Das philosophische Teilprojekt (TP 1 Ethik) wird detailliert und strukturiert die philosophischen und ethischen Fragen analysieren, die die Erzeugung, Modifizierung und Verwendung von aus menschlichen pluripotenten Stammzellen erzeugten Gameten betreffen, und das ethische Profil dieses Handlungsfeldes erarbeiten. Das übergeordnete Ziel des Projekts ist es, in enger Zusammenarbeit mit dem juristischen und dem biologischen Teilprojekt einen ethisch reflektierten normativen Rahmen für die mögliche Erzeugung und Verwendung artifizieller menschlicher Gameten zu entwickeln. Dieser soll als Grundlage für einen öffentlichen politischen Diskurs dienen, der sich auch mit der Frage des rechtlichen Regulierungsbedarfs beschäftigt.

TP2: Recht

Förderkennzeichen: 01GP1604B
Gesamte Fördersumme: 280.009 EUR
Förderzeitraum: 2016 - 2019
Projektleitung: Prof. Dr. Hans-Georg Dederer
Adresse: Universität Passau, Juristische Fakultät, Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Staats- und Verwaltungsrecht, Völkerrecht, Europäisches und Internationales Wirtschaftsrecht
Innstr. 39
94032 Passau

TP2: Recht

Das juristische Teilprojekt wird detailliert die rechtlichen Fragen analysieren, die die Erzeugung, Modifizierung und Verwendung von aus menschlichen pluripotenten Stammzellen abgeleiteten Gameten umfassen. Die enorme Vielfalt rechtlicher Fragestellungen wird eingehend und umfassend systematisiert und beantwortet werden. Die Erkenntnisse der ethischen und biologischen Teilprojekte sind dabei für die gründliche Untersuchung der auftretenden Rechtsprobleme von unmittelbarer Relevanz. Die rechtliche Analyse wird auf zwei zentralen Hypothesen aufbauen, die detailliert im Antrag des Verbundprojektes dargestellt sind. 1) Funktionale humane Gameten können aus iPS-Zellen erzeugt werden, die durch die Reprogrammierung von somatischen Zellen gewonnen werden. 2) CRISPR-Cas9 oder TALEN sind effiziente, hochpräzise Instrumente zur genetischen Modifikation von iPS-Zellen, iPS-Zellen-abgeleiteten primordialen Keimzellen (PGC) und von iPS-Zellen-abgeleiteten Gameten. In Übereinstimmung mit dem Gesamtkonzept des Verbundprojektes ist das juristische Forschungsfeld durch vier Aspekte geprägt, die spezielle Charakteristika von iPS-Zellen-abgeleiteten Gameten darstellen: „Artifizialität", „Verfügbarkeit", „Verwendbarkeit", „Manipulierbarkeit".

TP 3: Biologie

Förderkennzeichen: 01GP1604C
Gesamte Fördersumme: 130.570 EUR
Förderzeitraum: 2016 - 2019
Projektleitung: Prof. Dr. Tobias Cantz
Adresse: Medizinische Hochschule Hannover, Exzellenzcluster REBIRTH AG, Translationale Hepatologie und Stammzellenbiologie
Carl-Neuberg-str. 1
30625 Hannover

TP 3: Biologie

Neue Entwicklungen in der Stammzellforschung zeigen, dass sich aus murinen iPS-Zellen primordialen Keimzellen generieren lassen, die sich in vivo zu funktionellen Gameten ausreifen lassen. Aufgrund der Erzeugung in vitro sind diese Zellen für genetische Modifikationen relativ eibfach zugänglich. Unter der Annahme, dass sich diese Möglichkeiten auf den Menschen übertragen lassen, entstehen eine Vielzahl neuartiger biomedizinischer, rechtlicher und philosophischer Fragen. Diese soll das interdisziplinäre Verbundprojekt systematisch identifizieren und unter den Aspekten der Artifizialität, Verfügbarkeit, Verwendbarkeit und Manipulierbarkeit artifizieller Gameten strukturieren. Dieses Teilprojekt soll die relevante Literatur auf dem Gebiet der Gametogenese, der genetischen Modifikation von Gameten sowie der neueren Therapieansätze in der Reproduktionsmedizin aufarbeiten und neue Entwicklungen antizipieren, die für eine Neuverortung des ethischen und rechtlichen Rahmen der Verwendung von menschlichen künstlichen Gameten in Forschung und Reproduktionsmedizin sowie für die genetische Veränderung von künstliche Keimzellen relevant sein werden.