Fördermaßnahme

Forschungsverbünde zu Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit Gewalt, Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch in Kindheit und Jugend

Veröffentlichung der Bekanntmachung: 2010
Förderzeitraum: 2012 - 2018
Gesamte Fördersumme: bis zu 23 Mio. Euro
Anzahl der Projekte: 11 Verbünde mit insgesamt 34 Zuwendungsempfängern

1. Ziele des Förderschwerpunktes

Sexueller Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen ist ein seit langem bekanntes Problem. Das Thema wurde jedoch nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Forschung lange Zeit tabuisiert. Die Bundesregierung hat daher am 24. März 2010 den Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen im familiären Bereich“ eingerichtet. Ziel des „Runden Tisches“ ist es, Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt besser zu schützen und das Thema Missbrauch zu enttabuisieren.

Um gezielte Behandlungs- und Präventionsstrategien definieren zu können, ist Forschung zu Missbrauch in diesem Zusammenhang zwingend notwendig. Da sich die Folgen von im Kindesalter erlebter (sexueller) Gewalt über die gesamte Lebensspanne zeigen, sollen die Forschungsfragen nicht auf die Kindheit beschränkt bleiben. Vielmehr können auch - wo sinnvoll - Untersuchungen bis ins Erwachsenenalter Gegenstand der Forschung sein. Die Forschungsfragen können sich sowohl auf Betroffene als auch auf Täter sowie die Rahmenbedingungen beziehen. Die Förderung zielt insbesondere auf

• die Erforschung der biologischen, psychischen und psychosozialen Ursachen und Folgen von Gewalt und Missbrauch,

• die Interventions- und Therapiemöglichkeiten bei Betroffenen und Gefährdeten sowie

• die Prävention, Diagnostik und Therapie sexueller Präferenz oder Verhaltensstörungen, die zur Gewaltausübung gegenüber Kindern und Jugendlichen prädisponieren.

Forschergruppen müssen durch einschlägige Vorarbeiten in Forschung und Entwicklung zu Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit Gewalt, Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch in Kindheit und Jugend ausgewiesen sein.

2. Stand der Fördermaßnahme

Mit der Fördermaßnahme "Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt" unterstützt das BMBF in zwei Förderrunden auf diesem Gebiet die Forschungslandschaft in Deutschland und fördert seit 2012 elf Forschungsverbünde.
In der ersten Runde verlief die Auswahl der Anträge zweistufig: Zunächst wurden 45 Projektskizzen für Verbundvorhaben eingereicht. Von diesen Skizzen wurden 23 von einem internationalen Gutachtergremium positiv bewertet und für die zweite Verfahrensstufe ausgewählt. Im Falle einer positiven Begutachtung wurden die Antragsstellenden anschließend eingeladen, einen detaillierten Antrag einzureichen. Diese Anträge wurden im Rahmen einer Gutachter-Sitzung im Juli 2011 in Berlin bewertet. Abschließend wurden in der ersten Runde sieben Verbundvorhaben zur Förderung ausgewählt.

In der zweiten Runde wurde denjenigen Forschungsverbünden, deren Vollantrag in der Begutachtung nicht zur Förderung empfohlen wurde, aufgrund des großen Potentials für die deutsche Gesundheitsforschung die Möglichkeit gegeben, ihre Anträge insbesondere hinsichtlich einer Verbesserung der methodischen Qualität zu überarbeiten. Von den 16 Forschungsverbünden, deren Vollantrag in der ersten Runde nicht zur Förderung mit hoher Priorität empfohlen werden konnte, nutzten zwölf Forschungsverbünde die Möglichkeit, ihre überarbeiteten Anträge erneut einzureichen. Im Rahmen der zweiten Begutachtung im Dezember 2012 wurden abschließend vier weitere Verbundvorhaben zur Förderung empfohlen.

Insgesamt sind in der Fördermaßnahme "Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt"  34 Zuwendungsempfänger und 47 Forschergruppen aus ganz Deutschland beteiligt.
Das BMBF stellt dafür in den Jahren 2012 bis 2018 ca. 23 Millionen Euro zur Verfügung. Im November 2016 wurde zur Fortführung der Fördermaßnahme eine weitere Bekanntmachung veröffentlicht.  

Einzelprojekte