Verbund

ENHANCE - Posttraumatische Belastungsstörung bei Erwachsenen verbunden mit Gewalt und Missbrauch in der Kindheit: Verbesserung des Verständnisses und der Behandlung

Gewalt, Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch in Kindheit und Jugend haben dramatische Folgen für die Betroffenen, unter denen sie meist ein Leben lang leiden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Forschungsverbünde, die evidenz-basierte Konzepte zur Prävention, Erkennung und Therapie zu entwickeln und in der Praxis erproben.

Ziel des ENHANCE-Verbundes ist es, das psychologische und neurobiologische Verständnis für posttraumatische Belastungsstörungen in Folge von Missbrauch und Gewalt in der Kindheit zu erhöhen und die psychotherapeutische Behandlung zu verbessern.

Im Rahmen einer klinischen Studie sollen zwei Behandlungsformen von posttraumatischen Belastungsstörungen als Folge von Missbrauch und Gewalt in der frühen Lebensphase verglichen werden: die kognitive Verhaltenstherapie sowie die traumafokussierte psychodynamische Therapie. Es soll untersucht werden, wie effektiv die beiden Therapieformen sind und über welche psychologischen Mechanismen sie wirken. Mittels bildgebender Verfahren sollen die Auswirkungen von Misshandlungen in der Kindheit auf die Hirnstruktur und bestimmte Gehirnfunktionen erforscht werden und untersucht werden, ob sich diese im Verlauf der Therapien verändern. Außerdem soll erforscht werden, ob die Therapien in der Lage sind, Veränderungen an der Erbsubstanz rückgängig zu machen, welche durch Stress im Kontext von Misshandlung in der Kindheit verursacht werden. Eine geplante direkte Gegenüberstellung der Kosten und Nutzen beider Behandlungsformen ist nicht zuletzt auch gesundheitswirtschaftlich von hoher Relevanz, da beide Therapien die Richtlinien für die Kostenübernahme durch die Krankenkassen erfüllen. Um die Forschungsergebnisse in die Praxis zu tragen, werden neben wissenschaftlichen Publikationen auch die verwendeten Therapiemanuale veröffentlicht.

Teilprojekte

Klinische und bildgebende Studie

Förderkennzeichen: 01KR1801A
Gesamte Fördersumme: 3.014.746 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2023
Projektleitung: Prof. Dr. Falk Leichsenring
Adresse: Justus-Liebig-Universität Gießen, Universitätsklinikum - Standort Gießen; Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Friedrichstr. 33
35392 Gießen

Klinische und bildgebende Studie

Gewalt und Missbrauch in der Kindheit haben schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit der Betroffenen auf psychologischer sowie neurobiologischer Ebene. Das Verbundprojekt hat eine Verbesserung des psycho-biologischen Verständnisses und der psychotherapeutischen Behandlung von post-traumatischer Belastungsstörung verbunden mit Gewalt und Missbrauch in der Kindheit zum Ziel. Im Zentrum steht eine multi-zentrische randomisiert-kontrollierte Therapiestudie (A1), an die sich verschiedene Teilprojekte andocken. In A1 wird eine Verbesserung der psychotherapeutischen Behandlung durch die eine spezifische Intensivierung von kognitiver Verhaltenstherapie und traumazentrierter psychodynamischer Therapie angestrebt. Das Ziel der funktionellen und strukturellen Magnetresonanztomographie-Studie B3 besteht darin, die neuronalen Korrelate zu untersuchen, die kurz- und langfristigen psychotherapeutischen Veränderungen in dieser Patientengruppe zugrunde liegen sowie diese vorherzusagen. Die Ergebnisse des Konsortiums werden eine unmittelbare Auswirkung für die klinische Routine-Praxis in Deutschland haben, da sowohl kognitive Verhaltenstherapie als auch psychodynamische Therapie "Richtlinientherapien" sind. Dies wird dazu beitragen, die Belastung der Betroffenen zu vermindern, ihre Lebensqualität verbessern und die Kosten der Erkrankung zu reduzieren - auch durch Reduzierung der neurobiologischen Auswirkungen von Gewalt und Missbrauch.

Biomolekulare Psychotraumatologie

Förderkennzeichen: 01KR1801B
Gesamte Fördersumme: 436.534 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2023
Projektleitung: Prof. Dr. Iris Kolassa
Adresse: Universität Ulm, Fakultät Ingenieurwissenschaften, Informatik und Psychologie, Institut für Psychologie und Pädagogik, Abt. Klinische Psychologie und Psychotherapie
Albert-Einstein-Allee 47
89081 Ulm

Biomolekulare Psychotraumatologie

Das Projekt untersucht die Effektivität zweier unterschiedlicher traumafokussierter Psychotherapie-Richtlinienverfahren (kognitive Verhaltenstherapie STAIR/Exposure; tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) hinsichtlich ihrer Fähigkeit, biologische Schädigungen durch oxidativen Stress (DNA-Schädigung, Telomere) im Kontext von Missbrauch, Misshandlung und Vernachlässigung in der Kindheit rückgängig zu machen. Ebenso soll im Verlauf der therapeutischen Intervention das neuroprotektive Protein BDNF untersucht werden sowie die Produktion freier Radikale.

Behandlungsintegrität und Wirkmechanismen

Förderkennzeichen: 01KR1801C
Gesamte Fördersumme: 170.597 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2023
Projektleitung: Prof. Dr. Christiane Steinert
Adresse: MSB Medical School Berlin, Fakultät Naturwissenschaften, Klinische Psychologie und Psychotherapie - Tiefenpsychologie
Calandrellistr. 1-9
12247 Berlin

Behandlungsintegrität und Wirkmechanismen

Das "ENHANCE" Teilprojekt B-1 "Behandlungsintegrität und Wirkmechanismen von traumafokusierter kognitiver Verhaltenstherapie (STAIR-Exposure) und traumafokusierter psychodynamischer Therapie (TF-PDT) bei posttraumatischer Belastungsstörung als Folge von Missbrauch und Gewalt in der Kindheit (PTSD-CM)" verfolgt drei Hauptziele: 1. Die systematische Erfassung der Behandlungsintegrität der beiden aktiven Therapiebedingungen (STAIR-Exposure, TF-PDT), die in der randomisiert-kontrollierten Studie (RCTS) des Projekts A-1 eingesetzt werden. Behandlungsintegrität bezeichnet das Ausmaß, in dem sich die beteiligten Psychotherapeuten an die eingesetzten Behandlungsmanuale gehalten und diese kompetent umgesetzt haben. Eine hohe Behandlungsintegrität gewährleistet, dass beobachtete Unterschiede zwischen den Therapiebedingungen auch wirklich auf die therapeutischen Interventionen zurückzuführen sind. Dies ist ein zentraler Aspekt der Qualitätssicherung des RCTs A1, der dessen interne Validität sicherstellen wird. 2. Die Identifizierung von Wirkmechanismen der beiden Therapien. Hierfür werden wesentliche Behandlungselemente systematisch mit den Therapieergebnissen in Verbindung gesetzt, um herauszufinden, welche der eingesetzten Interventionen in welchem Maße wirksam waren. Die Kenntnis um Wirkfaktoren hilft, die Therapien künftig weiter zu verbessern. 3. Die Untersuchung so genannter Moderatoren (z.B. Art des Traumas) und Mediatoren (z.B. Mentalisierung), die einen Einfluss auf die Behandlungsergebnisse haben können. Die Ergebnisse der Teilprojekte (Therapiestudie, Wirkmechanismen, Biomolekulare Mechanismen, Neuronale Mechanismen) und die gesundheitsökonomischen Analysen sollen miteinander in Beziehung gesetzt werden, um Zusammenhänge zwischen psychotherapeutischen Prozessen (Behandlungsintegrität) und Veränderungen auf biologischer, neuronaler und ökonomischer Ebene zu untersuchen.