Fördermaßnahme

Klinische Studien im Alter

Veröffentlichung der Bekanntmachung: 2016
Förderzeitraum: 2017 - 2023
Gesamte Fördersumme: bis zu 10 Mio. Euro
Anzahl der Projekte: 13 Einzelvorhaben und zwei Verbünde

Gesundheit, Entstehung und Verlauf von Krankheiten sind durch sehr verschiedene Faktoren bestimmt. Neben der genetischen Ausstattung haben die Herkunft, der soziale Status, das Geschlecht sowie das familiäre, berufliche und gesellschaftliche Umfeld Auswirkungen auf die Gesundheit und darauf, wie Krankheiten bewältigt werden können. Kindheit und Jugend, Erwachsenenleben und Alter haben dabei ihre eigenen Charakteristika. Aus diesen Gründen haben allgemeine Konzepte zur Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung nicht in allen Lebensphasen oder Bevölkerungsgruppen die gleiche Wirkung.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat deshalb die Förderinitiative „Gesund – ein Leben lang“ gestartet. Aufbauend auf den Besonderheiten und Entwicklungen bei Kindern und Jugendlichen, im Alter, bei arbeitenden Menschen und bei Männern und Frauen sollen neue und wirkungsvolle Konzepte zur Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung entwickelt werden.

1. Ziele

Die Versorgung älterer und hochaltriger Patientinnen und Patienten stellt das Gesundheitssystem vor besondere Herausforderungen: Insbesondere nehmen in diesen Patientengruppen Mehrfacherkrankungen zu. Allerdings fehlt häufig die Evidenz, die die Versorgungsbesonderheiten dieser Patientengruppe in den Fokus nimmt. Ein wichtiger Grund für die in vielen Fällen fehlende Evidenz ist, dass Ältere und Hochaltrige in entsprechenden klinischen Studien noch weitgehend ausgeschlossen sind. Dadurch werden auch ihre besonderen medizinischen Bedürfnisse, Versorgungsprioritäten und Lebensumstände nicht ausreichend berücksichtigt.

Ziel dieser Fördermaßnahme ist es, vorhandene Wissens- und Evidenzlücken für die besondere Patientengruppe der Älteren und Hochaltrigen zu schließen und zur Weiterentwicklung der klinischen Forschung in diesem speziellen Gebiet beizutragen. Zudem sollen Hinweise zum Bedarf für zukünftige klinische Forschung geliefert werden. So wird eine belastbare Grundlage für die zielgruppenspezifische Versorgung älterer und hochaltriger Patientinnen und Patienten geschaffen.

2. Stand der Fördermaßnahme

Die eingegangenen Projektskizzen wurden in einem teilweise zweistufigen Begutachtungsverfahren von einem interdisziplinären, international besetzten Begutachtungsgremium bewertet. Auf dieser Grundlage wurden 15 Projektskizzen zur Förderung ausgewählt, an denen insgesamt 17 Zuwendungsempfänger (Universitäten, Universitätsklinika und außerhochschulische Forschungsorganisationen) beteiligt sind. Es ist eine bis zu 5-jährige Förderung vorgesehen. Erste Projekte haben ihre Arbeit im September 2017 aufgenommen. Das BMBF beabsichtigt, in den Jahren 2017 bis voraussichtlich 2023 rund 10 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen.

Die Themen der Forschungsprojekte decken ein weites Spektrum der medizinischen Versorgung älterer und hochaltriger sowie multimorbider Patientinnen und Patienten ab. Sie untersuchen Hautgesundheit, Schlafstörungen, spirituelle Bedürfnisse, Schmerz, Bewegung, Partizipation älterer Menschen an Studien, die Versorgung am Lebensende sowie verschiedene Erkrankungen wie den Status Epilepticus, Depression und Sarkopenie.

Einzelprojekte

Systematischer Review zur Wirksamkeit und Sicherheit von Interventionen zur Reduktion von Schmerzen und/oder herausforderndem Verhaltens bei älteren Patienten mit Demenz

Förderkennzeichen: 01GL1733
Gesamte Fördersumme: 141.324 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2019
Projektleitung: Dr. Ralph Möhler
Adresse: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Medizinische Fakultät, Abt. für Medizinische Biometrie und Statistik, Deutsches Cochrane Zentrum
Breisacher Str. 153
79110 Freiburg

Systematischer Review zur Wirksamkeit und Sicherheit von Interventionen zur Reduktion von Schmerzen und/oder herausforderndem Verhaltens bei älteren Patienten mit Demenz

Menschen mit Demenz im Pflegeheim leiden häufig unter Schmerzen, erhalten aber häufig keine ausreichende Schmerztherapie. Neben den direkten negativen Auswirkungen von Schmerzen können die Betroffen herausfordernde Verhaltensweisen als Folge der Schmerzen zeigen, z. B. starke Unruhe oder aggressives Verhalten. Da eine eindeutige Diagnose von Schmerzen bei Menschen mit Demenz häufig nur eingeschränkt möglich ist, wurden Programme entwickelt, die auf Basis einer strukturierten Entscheidungshilfe bestimmte nicht-medikamentöse und medikamentöse Behandlungen anbieten, um herausforderndes Verhalten zu reduzieren. In den vergangenen Jahren wurden mehrere hochwertige klinische Studien durchgeführt, um die Wirkung solcher Programme zu untersuchen. Um die Wirksamkeit und Sicherheit solcher Programme zu überprüfen wird eine systematische Übersichtsarbeit nach den Methoden der Cochrane Collaboration erstellt.

Bestimmung des Effekts von körperlichen Trainings- und Ernährungsinterventionen auf Sarkopenie-assoziierte Endpunkte im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse

Förderkennzeichen: 01GL1732
Gesamte Fördersumme: 236.365 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2019
Projektleitung: Dr. Michael Schwenk
Adresse: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Netzwerk AlternsfoRschung (NAR)
Bergheimer Str. 20
69115 Heidelberg

Bestimmung des Effekts von körperlichen Trainings- und Ernährungsinterventionen auf Sarkopenie-assoziierte Endpunkte im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse

Die derzeit existierenden Behandlungspfade für Sarkopenie sind Bewegungs- und/oder Ernährungsinterventionen. Das ENSuRE Projekt soll ein aktuelles und umfassendes Bild zur Evidenzlage dieser Thematik liefern. Dazu sollen alle derzeit verfügbaren randomisierten kontrollierten Studien zu körperlichem Training und Ernährung zur Verbesserung Sarkopenie-assoziierter Endpunkte in ein systematisches Review mit Meta-Analyse eingeschlossen werden. Interventionseffekte sollen für eine Reihe von Endpunkten ermittelt werden. Im Fokus stehen dabei sowohl physiologische Parameter wie Muskelkraft, Muskelmasse oder funktionelle Leistung als auch patientenrelevante Endpunkte wie Hospitalisierung, Institutionalisierung, Behinderung und Mobilitätsparameter. Auf Basis der Ergebnisse der systematischen Übersichtsarbeit und eines angeschlossenen Expertenworkshops wird eine Überarbeitung und Neuausrichtung der Definition von Sarkopenie angestrebt.

INSOMNIAOLDAGE – Bayesian-Netzwerkmetaanalyse zu Wirksamkeit und Sicherheit pharmakologischer und nicht-pharmakologischer Interventionen in der Behandlung von Insomnie bei älteren Patienten

Förderkennzeichen: 01GL1731
Gesamte Fördersumme: 148.115 EUR
Förderzeitraum: 2018 - 2019
Projektleitung: Prof. Dr. Stefan Leucht
Adresse: Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Ismaninger Str. 22
81675 München

INSOMNIAOLDAGE – Bayesian-Netzwerkmetaanalyse zu Wirksamkeit und Sicherheit pharmakologischer und nicht-pharmakologischer Interventionen in der Behandlung von Insomnie bei älteren Patienten

In diesem Projekt wird eine systematische Übersichtsarbeit zur Behandlung der Insomnie bei älteren Patienten erstellt und im Rahmen dessen eine umfassende Netzwerk-Metaanalyse aller in randomisierten klinischen Studien mit älteren Insomnie-Patienten geprüften Therapieverfahren durchgeführt. Neben pharmakologischen Interventionen werden dabei ebenso Verfahren aus dem Bereich der Verhaltenstherapie als auch verschiedene Methoden der komplementären Medizin evaluiert. Als primäre Outcomes werden die nächtliche Gesamtschlafzeit sowie die subjektive Schlafqualität untersucht. Jedoch werden auch eine Vielzahl weiterer objektiver und subjektiver Schlafparameter sowie relevante Nebenwirkungen analysiert. Eine Besonderheit dieses Projekts ist dabei die Durchführung einer Netzwerk-Metaanalyse. Bei dieser Methode werden nicht nur Direktvergleiche von Interventionen sondern auch indirekte Vergleiche zwischen Interventionen in die Analyse mit einbezogen (Beispiel für indirekte Vergleiche: Gibt es Vergleiche von Intervention A mit Intervention B und C, aber keine Direktvergleiche zwischen B und C, so kann man diesen Wert aus den anderen beiden Vergleichen abschätzen). Diese Methode ermöglicht es weiterhin Hierarchien der verschiedenen Interventionen bezüglich der unterschiedlichen Wirksamkeits- und Verträglichkeits-Aspekte zu erstellen, wodurch ersichtlich wird welche Interventionen am wirksamsten, zweitwirksamsten, usw. bzw. sichersten sind. Das Ziel der Arbeit ist eine umfassende Bewertung der Evidenzlage zur Therapie der Insomnie bei älteren Menschen, welche als Grundlage für evidenz-basierte Therapieentscheidungen in der klinischen Praxis dienen soll.

DEPRESSIONOLDAGE - Interventionen zur Behandlung von Depressionen bei alten Patienten. Systematische Übersichtsarbeit (Cochrane-Review) und Bayesian-Netzwerkmetaanalyse

Förderkennzeichen: 01GL1730
Gesamte Fördersumme: 148.116 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2019
Projektleitung: Prof. Dr. Stefan Leucht
Adresse: Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Ismaninger Str. 22
81675 München

DEPRESSIONOLDAGE - Interventionen zur Behandlung von Depressionen bei alten Patienten. Systematische Übersichtsarbeit (Cochrane-Review) und Bayesian-Netzwerkmetaanalyse

Das Projekt wird ein Cochrane-Review mit Netzwerkmetanalyse zur Effektivität und Sicherheit verschiedener Interventionen zur Behandlung von Depressionen bei alten Patienten durchführen. Hierfür werden alle randomisierten Studien recherchiert, die Antidepressiva, Psychotherapie und anderen Interventionen hinsichtlich deren Effektivität und Sicherheit empirisch untersuchen. Der primäre Zielparameter ist die Anzahl der Patienten welche auf die Intervention ansprechen. Das Projekt wird aber auch viele andere Outcomes wie Anzahl der Patienten in Remission, Symptomatik der Depression, Subjektives Wohlbefinden und Lebensqualität, den Studienabbruch aus diversen Gründen, Todesfälle und Suizidversuche und zahlreiche Nebenwirkungen untersuchen. Die statistische Analyse wird mit einem Baysian Modell durchgeführt. Eine Besonderheit im Vergleich zu konventionellen Metaanalysen ist dabei, dass in die geplanten Netzwerkmetanalysen nicht nur Studien einbezogen werden können, die zwei Interventionen direkt miteinander verglichen haben (sogenannte direkte Evidenz), sondern auch indirekte Evidenz (zum Beispiel: gibt es Vergleiche von Intervention A mit Intervention B und C, aber keine Direktvergleiche zwischen B und C, so kann man diesen Wert aus den anderen beiden Vergleichen abschätzen). Ferner erlaubt die Methode die Erstellung von Hierarchien, welche Therapie wahrscheinlich die Beste, die Zweitbeste, usw. hinsichtlich der verschiedenen Parameter ist. Ziel ist eine umfassende Bewertung der Evidenzlage zur Behandlung von Depressionen bei alten Patienten.

Präferenzen älterer Patientinnen und Patienten mit Multimorbidität: eine Evidence Map und systematische Übersichtsarbeit

Förderkennzeichen: 01GL1729
Gesamte Fördersumme: 320.465 EUR
Förderzeitraum: 2018 - 2020
Projektleitung: Dr. Christiane Muth
Adresse: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, FB 16 Medizin und Klinikum, Zentrum für Gesundheitswissenschaften, Institut für Allgemeinmedizin
Theodor-Stern-Kai 7
60596 Frankfurt am Main

Präferenzen älterer Patientinnen und Patienten mit Multimorbidität: eine Evidence Map und systematische Übersichtsarbeit

Ärztliche Konsultationen sind bei älteren mehrfacherkrankten PatientInnen häufig komplex, da Wechselwirkungen zwischen Erkrankungen und Behandlungen sowie vielschichtige Behandlungs- und Pflegebedürfnisse bestehen. Um unangemessene Versorgung zu vermeiden, wird ein patientenzentrierter Ansatz unter Berücksichtigung der Patientenpräferenzen empfohlen. Es ist jedoch unklar, welche Präferenzen ältere mehrfacherkrankte PatientInnen haben und wie diese in den Behandlungsprozess eingehen. Ziel ist es, A) alle Studien zu identifizieren, die gesundheitsbezogene Patientenpräferenzen von älteren mehrfacherkrankten PatientInnen untersuchten, um sie in einer "Evidence Map" (EM) zu kartographieren und damit Evidenzcluster darzustellen, B) an einem der identifizierten Evidenzcluster einen vollständigen systematischen Review (SR) durchzuführen, um die Evidenz aus verschiedenen Studien, die sich einander hinsichtlich untersuchter Fragestellung und berücksichtigter Patientenpopulation ähneln, zusammenzufassen.

PACT - Gemeinsam priorisieren – Methode/Interview zur Einbeziehung von Bedürfnissen, Werten und Beschwerden in die Therapieplanung bei älteren Menschen mit multiplen Erkrankungen

Förderkennzeichen: 01GL1728
Gesamte Fördersumme: 431.978 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2019
Projektleitung: apl. Prof. Dr. Beate Wild
Adresse: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Heidelberg, Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik
Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg

PACT - Gemeinsam priorisieren – Methode/Interview zur Einbeziehung von Bedürfnissen, Werten und Beschwerden in die Therapieplanung bei älteren Menschen mit multiplen Erkrankungen

Prioritäten und Ziele von Therapien ändern sich bei Patientinnen und Patienten häufig mit fortgeschrittenem Alter. Dabei spielt beispielsweise das Vorhandensein von oftmals mehreren Begleiterkrankungen eine wichtige Rolle. Daher ist das Gespräch zwischen Arzt oder Ärztin und den Patienten bzw. Patientinnen von zentraler Bedeutung für eine individuelle Therapieentscheidung. Das Ziel dieses Vorhabens ist es daher, einen Interviewleitfaden zu entwickeln, der von allen an der Behandlung älterer Menschen Beteiligten verwendet werden kann. Dabei sollen die individuellen Ziele, Einstellungen, Bedarfe und Beschwerden der Patientinnen und Patienten ermittelt und priorisiert werden. Dies soll anschließend in geeignete medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungsmaßnahmen übersetzt werden. Als Ergebnis soll ein Leitfaden zur Verfügung gestellt werden, der es ermöglicht, die Sichtweise der mehrfach erkrankten Patientinnen und Patienten in ihren Behandlungsplan einzubeziehen.

PageCRC - Priority Setting Partnership zur Identifizierung und Priorisierung von Forschungsschwerpunkten zum Thema kolorektale Karzinome bei älteren Patienten (> 65 Jahre) unter Einbeziehung der relevanten Akteure

Förderkennzeichen: 01GL1727
Gesamte Fördersumme: 242.658 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2019
Projektleitung: PD Dr. André Mihaljevic
Adresse: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Heidelberg, Chirurgische Klinik, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg

PageCRC - Priority Setting Partnership zur Identifizierung und Priorisierung von Forschungsschwerpunkten zum Thema kolorektale Karzinome bei älteren Patienten (> 65 Jahre) unter Einbeziehung der relevanten Akteure

Dickdarmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei älteren Menschen in der westlichen Welt. Forschungsfragen zu diesem Thema werden derzeit vor allem von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und nur selten mit Beteiligung anderer relevanter Interessengruppen wie Patienten, Angehörige, Pflegepersonal, Ärzten oder Krankenkassen formuliert. Somit bleibt unklar, welche Forschungsfragen aus Sicht aller genannten Interessengruppen am dringlichsten wissenschaftlich bearbeitet werden sollen, um Diagnose, Therapie und Versorgung von älteren Patientinnen und Patienten mit Dickdarmkrebs zu verbessern. Ziel dieses Vorhabens ist es daher, unter Einbeziehung aller relevanten Akteure und mittels einer validierten Methode (engl. Priority Setting Partnership, PSP) offene Fragestellungen über Dickdarmkrebs beim älteren Menschen zu identifizieren und zu priorisieren. Somit sollen neue patientenrelevante Forschungsprojekte angestoßen werden, um die Versorgung und Lebensqualität von älteren Patienten und Patientinnen mit Dickdarmkrebs zu verbessern.

Aktive Beteiligung von älteren Patienten und Patientinnen an klinischer Forschung

Förderkennzeichen: 01GL1726
Gesamte Fördersumme: 264.131 EUR
Förderzeitraum: 2018 - 2020
Projektleitung: Prof. Dr. Ansgar Gerhardus
Adresse: Universität Bremen, Fachbereich 11 Human- und Gesundheitswissenschaften, Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP)
Grazer Str. 4
28359 Bremen

Aktive Beteiligung von älteren Patienten und Patientinnen an klinischer Forschung

Klinische Forschung untersucht den Nutzen gesundheitlicher Verfahren für die Patienten und Patientinnen. Deren Beteiligung beschränkt sich meist auf die Rolle von passiven Probanden. Zunehmend wird erkannt, dass die aktive Beteiligung von Patienten und Patientinnen dazu beitragen kann, dass klinische Studien besser durchgeführt und relevantere Ergebnisse erzielt werden können. In Deutschland macht daher u.a. das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Beteiligung von Patienten und Patientinnen bei der Antragstellung für klinische Studien zur Voraussetzung für die Förderung. Bisher gibt es allerdings kein systematisches Verfahren für diese Beteiligung. Besonders wenig weiß man darüber, wie ältere Menschen an der Planung von klinischen Studien beteiligt werden können. Ziel dieses Vorhabens ist die Entwicklung eines Leitfadens zur aktiven Beteiligung älterer Menschen über 65 Jahre. Als Fallbeispiel dient die Entwicklung eines Studienprotokolls und eines Antrags für eine klinische Studie zur Senkung des Arzneimittelgebrauchs bei älteren Menschen in Pflegeheimen. Dafür werden aus einer Gruppe von Bewohnern eines Pflegeheims, die unter einer Herz- Kreislauferkrankung leiden, Teilnehmern für einen Patientenbeirat gebildet. Dieser soll die Forschenden in der Erstellung des Studiendesigns und des Antrags unterstützen. Dabei werden die Patienten und Patientinnen von einem/r Patientenanwalt/anwältin unterstützt. Vor, während und nach dem Prozess werden alle Beteiligten zu ihren Erwartungen und Erfahrungen befragt. Auf dieser Basis wird dann der Leitfaden zur Beteiligung älterer Menschen an klinischen Studien entwickelt und in einem Workshop mit weiteren Stakeholdern diskutiert.

AQuA-PCE - Beurteilung der "Patientenorientierung" bei multimorbiden Älteren: Verfügbarkeit und Qualität von Messinstrumenten

Förderkennzeichen: 01GL1724
Gesamte Fördersumme: 297.797 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2019
Projektleitung: Dr. Manuela Glattacker
Adresse: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Medizinische Fakultät, Universitätsklinikum Freiburg, Institut für Medizinische Biometrie und Statistik, Sektion Versorgungs- und Rehabilitationsforschung
Hugstetter Str. 49
79106 Freiburg im Breisgau

AQuA-PCE - Beurteilung der "Patientenorientierung" bei multimorbiden Älteren: Verfügbarkeit und Qualität von Messinstrumenten

Das Projekt verfolgt das Ziel, im Rahmen einer Übersichtsarbeit Instrumente zur Messung des Konstrukts "Patientenorientierung" bei multimorbiden Älteren zu identifizieren und einer kritischen Qualitätsbewertung zu unterziehen.

SKINCARE - Verbesserung der Hautgesundheit und Sicherheit in der Altenpflege: eine cluster-randomisierte pragmatische Studie mit älteren Pflegeheimbewohnern

Förderkennzeichen: 01GL1801
Gesamte Fördersumme: 974.908 EUR
Förderzeitraum: 2018 - 2021
Projektleitung: PD Dr. Jan Kottner
Adresse: Charité - Universitätsmedizin Berlin - Campus Charité Mitte - Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie - Bereich Allergologie
Charitéplatz 1
10117 Berlin

SKINCARE - Verbesserung der Hautgesundheit und Sicherheit in der Altenpflege: eine cluster-randomisierte pragmatische Studie mit älteren Pflegeheimbewohnern

Höheres Alter führt zu einer Reihe von strukturellen und funktionellen Veränderungen der Haut: sie wird trockener, dünner und anfälliger für leichte Verletzungen. Der Säureschutzmantel und die Regerationsfähigkeit der Haut nehmen ab. In Kombination mit chronischen Krankheiten, wie beispielsweise Diabetes mellitus, und Pflegebedürftigkeit entstehen daraus besondere Probleme und Gesundheitsrisiken. Dies kann die Entstehung von Hautinfektionen, Entzündungen oder das Wundliegen (Dekubitus) beinhalten. Haut- und Körperpflege nimmt einen hohen Stellenwert in der tagtäglichen pflegerischen Versorgung von Bewohnern in Pflegeheimen ein. Es gibt zwar spezielle Standards und Leitlinien zur Vorbeugung und Behandlung spezieller Hautprobleme (z.B. für die Dekubitusprophylaxe), jedoch gibt es keine allgemein anerkannten Handlungsempfehlungen zur Hautpflege für die institutionelle Langzeitpflege. Übergeordnetes Ziel dieses Vorhabens ist es daher zu untersuchen, ob die Beachtung und Umsetzungen eines standardisierten Hautpflegeprogramms in Pflegeheimen zu einer Verbesserung der Hautstruktur und -funktion führt. Dies sollte zu einer Erhöhung der Sicherheit von Pflegeheimbewohnern und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Dazu werden in die Studie 20 Berliner Pflegeheimen eingeschlossen. In einer Hälfte (Interventionsgruppe) soll der Hautpflegestandard eingeführt werden, in der anderen Hälfte (Kontrollgruppe) nicht. Zum Ende der Studie soll verglichen werden, ob es zwischen den beiden Studiengruppen Unterschiede in der Hautgesundheit gibt.


 

Ein ganzheitliches Programm für ältere Patienten zur Integration von spirituellen Bedürfnissen, sozialer Teilhabe und Selbstfürsorge in die hausärztlichen Versorgung (HoPE-S3).

Förderkennzeichen: 01GL1803
Gesamte Fördersumme: 777.192 EUR
Förderzeitraum: 2018 - 2020
Projektleitung: Dr. Cornelia Straßner
Adresse: Universitätsklinikum Heidelberg - Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung
Im Neuenheimer Feld 130.3
69120 Heidelberg

Ein ganzheitliches Programm für ältere Patienten zur Integration von spirituellen Bedürfnissen, sozialer Teilhabe und Selbstfürsorge in die hausärztlichen Versorgung (HoPE-S3).

In dieser cluster-randomisierten Studie wird exploriert, wie sich Interventionen zur Adressierung von spirituellen Bedürfnissen, sozialer Teilhabe und Selbstfürsorge in der hausärztlichen Versorgung bei älteren Patienten mit Polypharmazie auf die Selbstwirksamkeit (primärer Endpunkt) und weitere relevante Zielgrößen auswirken. Interventionen sind a) eine Schulung von Hausärzten in spiritueller Anamnese und von med. Fachangestellten in motivierender Gesprächsführung, b) Einrichtung einer Datenbank mit regionalen Angeboten zur Erleichterung sozialer Aktivitäten, c) "Infozepte" für nicht-pharmakologische, von Patienten selbst durchführbare Maßnahmen zur Stärkung der Selbstfürsorge.

ToSEE - Therapie des Benzodiazepin-refraktären Status epilepticus in der älteren Bevölkerung

Förderkennzeichen: 01GL1804
Gesamte Fördersumme: 2.227.598 EUR
Förderzeitraum: 2018 - 2023
Projektleitung: Prof. Dr. Joseph Claßen
Adresse: Universität Leipzig - Medizinische Fakultät - Klinik und Poliklinik für Neurologie
Liebigstr. 20
04103 Leipzig

ToSEE - Therapie des Benzodiazepin-refraktären Status epilepticus in der älteren Bevölkerung

Als Status epilepticus bezeichnet man entweder einen besonders lange andauernden epileptischen Anfall oder eine Serie von epileptischen Anfällen in sehr kurzen Abständen. Dabei kann es unter Umständen auch zu schweren Schädigungen beispielsweise des Gehirns kommen. Betroffen sind vor allem ältere und hochaltrige Patientinnen und Patienten. Zunächst erfolgt die Therapie eines Status epilepticus über die Gabe eines bestimmten Medikaments (eines so genannten Benzodiazepins). Damit können rund 2/3 der Patientinnen und Patienten behandelt werden. Gelingt es jedoch nicht, den Status epilepticus mit dieser ersten Maßnahme zu durchbrechen, gibt es bisher keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz über die weitere Therapie bei älteren Menschen. Das Ziel dieses Vorhabens ist es daher, im Rahmen einer prospektiven, randomisierten und doppelblinden klinischen Studie eine sichere und wirksame Therapie des Benzodiazepin-refraktären Status epilepticus (etablierter SE) in der älteren Bevölkerung zu identifizieren. Dazu werden 477 Patientinnen und Patienten in die Studie eingeschlossen und zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Es werden zwei bei dieser Erkrankung häufig eingesetzte Medikamente (Levetiracetam und Valproat) miteinander verglichen. Mit dieser Studie soll somit eine Evidenzlücke zur Therapie des Status epilepticus geschlossen und die Versorgung älterer Patientinnen und Patienten verbessert werden.

Multizentrische, randomisierte, kontrollierte klinische Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Eurythmietherapie und Tai Chi bei älteren Menschen mit chronischen Erkrankungen und einem hohen Sturzrisiko

Förderkennzeichen: 01GL1805
Gesamte Fördersumme: 2.028.856 EUR
Förderzeitraum: 2018 - 2022
Projektleitung: Dr. Gunver Kienle
Adresse: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg - Universitätsklinikum Freiburg - Institut für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene
Breisacher Str. 115 b
79106 Freiburg im Breisgau

Multizentrische, randomisierte, kontrollierte klinische Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Eurythmietherapie und Tai Chi bei älteren Menschen mit chronischen Erkrankungen und einem hohen Sturzrisiko

Im Alter nehmen chronische Erkrankungen und Übermedikation zu, während körperliche, kognitive und Sinnesfunktionen nachlassen. Körperliche Inaktivität, sozialer Rückzug und Stürze fördern chronische Erkrankungen und verkürzen die Lebenserwartung. Ein Drittel der über 64-jährigen stürzen wenigstens einmal im Jahr, 10-20% verletzen sich dabei, was oft die Selbständigkeit beendet. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen und ein gesundes Altern trotz Erkrankungen zu ermöglichen, sollten Sturzhäufigkeit vermindert und die körperliche, seelische und kognitive Fitness verbessert werden. Die Mind-Body-Verfahren Eurythmietherapie (EYT) und Tai Chi trainieren Körperbewegungen, Konzentration, Sinnesfunktionen und Achtsamkeit. Ziel dieser Studie ist, zu prüfen, ob in den unterschiedlichen Armen unterschiedliche Sturzhäufigkeiten innerhalb von sechs und zwölf Monaten beobachtet werden können und ob sich ggf. Unterschiede in Bezug auf Angst vor Stürzen, körperliche Beweglichkeit, Balance, Kognition, Lebensqualität, Stimmung, Selbstversorgung, Gesundheitsleistungen und Kosten für das Gesundheitswesen zeigen. Die Ergebnisse werden sehr wichtig sein, um Strategien gegen die Sturzhäufigkeit von älteren, chronisch kranken Patienten zu entwickeln und älteren Menschen ein gesundes und aktives Altern trotz chronischer Erkrankungen zu ermöglichen.