Wie Keime sich ausbreiten

Infektionen werden von Lebewesen zu Lebewesen weitergegeben. Je effizienter diese Übertragung, umso rascher breitet sich ein Krankheitserreger aus. Die moderne, globalisierte Welt hilft auch Bakterien und Viren bei der Fortbewegung.

Junge Wissenschaftlerin arbeitet mit Kittel und Handschuhen an einer sterilen Laborbank.

Im Labor dient eine sterile Umgebung dazu, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor Infektionen zu schützen.

DLR Projektträger / BMBF

Eine Infektion „einfangen“ können sich Menschen auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Am bekanntesten ist die Tröpfcheninfektion: Viren oder Bakterien sind in den winzigen Tropfen enthalten, die beispielsweise beim Husten oder Niesen von einem Menschen zu den anderen gelangen können. Schnupfen, Halsschmerzen und auch die Virusgrippe „wandern“ unter anderem auf diesem Weg von Mensch zu Mensch.

Große Bedeutung im Alltag hat auch die sogenannte Schmierinfektion: Wer beispielsweise bei einer Grippe in die Hand hustet und danach in der Straßenbahn einen Haltegriff anfasst, hinterlässt dort Krankheitserreger. Nutzt nun die nächste Person den Haltegriff, so können diese übertragen werden. Auch durch Händeschütteln können Viren von einem Menschen zum nächsten wechseln. Eine gewissenhafte Handhygiene wird deswegen bei Grippewellen empfohlen, um sich und andere zu schützen.

Einmal um die ganze Welt

Sich epidemisch ausbreitende Infektionserkrankungen sind so alt wie die Menschheit. Doch die Bedingungen haben sich geändert. Einerseits sind viele Infektionen heute behandelbar und damit leichter kontrollierbar. Andererseits macht die enorme Mobilität es Erregern leichter, sich auszubreiten. Dauerte es bei historischen Epidemien der Pest oder der Cholera mitunter Jahre, bis sie von einem Teil der Erde in den anderen ausbreiteten, kann das heute sehr schnell gehen. Denn mit den Wirtsorganismen reisen die Keime heute im Flugzeug mit.

Zusätzlich erreichen Keime den Menschen auch auf anderen Wegen. Beim Geschlechtsverkehr können Herpesviren, die bakteriellen Erreger der Syphilis und der Gonorrhoe („Tripper“), das Hepatitis B-Virus und HIV übertragen werden. Direkte Blutkontakte sind ein weiterer möglicher Übertragungsweg. Schließlich sind auch heute noch Nahrung und Trinkwasser eine wichtige Quelle für Infektionen, vor allem in wärmeren Ländern. Über kontaminierte Nahrungsmittel erreichen Salmonellen, die Erreger von Reisedurchfällen und das Hepatitis A-Virus den Menschen. Die Cholera ist das wohl bekannteste Beispiel für eine Erkrankung, die sich über das Trinkwasser ausbreitet: Der britische Arzt Dr. John Snow erkannte 1854 anhand eines Stadtplans, dass ein öffentlicher Brunnen die Infektionsquelle bei einem Choleraausbruch in London war.

Zoonosen: Wenn ein Tier dem Menschen die Keime bringt

Einige Infektionserkrankungen, etwa die Masern, werden ausschließlich von Mensch zu Mensch übertragen. Viele andere für den Menschen relevante Infektionen haben ihren Ursprung dagegen im Tierreich. Infektionserkrankungen, die nur oder auch von Tieren auf Menschen übertragen werden können, heißen Zoonosen.

Deutsche Forschungsplattform für Zoonosen

Ziel der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen ist es, die Prävention, Diagnostik und Therapie von zoonotischen Infektionskrankheiten langfristig zu verbessern. Sie wird im Rahmen der Forschungsvereinbarung zu von Tieren auf Menschen übertragbaren Krankheiten (Zoonosen) durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert.

Für den Menschen relevante Zoonosen gehen häufig von Insekten aus. Die Malaria beispielsweise ist eine typische Zoonose: Ihr eigentlicher Wirt ist die Anopheles-Mücke. Das zunehmend häufige Dengue-Fieber, eine lebensgefährliche tropische, virale Fiebererkrankung, wird von Gelbfiebermücken und von der asiatischen Tigermücke übertragen. Auch in unseren Breiten sind Insekten gelegentlich Überträger von Krankheiten. Vor allem die Zecke macht hier im Zusammenhang mit der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), einer zum Teil lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung, und der Lyme-Borreliose von sich reden.

Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickeln bundesweit rund 500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 35 Institutionen gemeinsam neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten. Dies geschieht mit dem Ziel, neue Forschungsergebnisse schnell und effektiv in die klinische Praxis zu integrieren.
Das DZIF ist eines von sechs Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Bekämpfung der wichtigsten Volkskrankheiten eingerichtet wurden.

Der zweite wichtige Überträger für Zoonosen beim Menschen sind Vögel. Ausbrüche der Vogelgrippe erregen beispielsweise immer wieder Aufmerksamkeit. Dabei werden Viren, die dem menschlichen Grippevirus ähneln, über Exkremente von Vögeln übertragen. Die Psittakose, eine bakterielle Erkrankung, die vor allem die Lunge betrifft, ist ein anderes Beispiel. Sie tritt gelegentlich bei Besitzern von Ziervögeln, speziell bei Papageien, auf.

Ein weiterer wichtiger Übertragungsweg sind Lebensmittelt tierischen Ursprungs, z.B. rohe Milch oder rohes Fleisch. Bakterien, wie Salmonellen oder Campylobacter, gelangen über diese Lebensmittel zum Menschen und verursachen beispielsweise Durchfallerkrankungen.

Häufig bilden auch andere Säugetiere den Ursprung von Infektionen beim Menschen. Die Schweinegrippepandemie der Jahre 2009 und 2010 ist ein Beispiel hierfür. Die Grippe wurde dann beim Menschen heimisch und breitet sich mittlerweile im Rahmen der üblichen Grippezyklen von Mensch zu Mensch aus. Auch die durch Viren verursachte Tollwut und die tropische Japan-Enzephalitis sind (überwiegend) Säugetier-Zoonosen.

Ergebnisse der Gesundheitsforschung

Zwei Kolonien von Candida albicans: Der Pilz kann lebensgefährliche Infektionen auslösen.

Wann die Pilzinfektion zur Lebensgefahr wird

Der Pilz Candida albicans ist normalerweise ein harmloser Mitbewohner des Körpers.

Pflegerin deckt alte Dame im Rollstuhl mit einer Decke zu

Multiresistente Keime am Lebensende

Handlungsempfehlungen für palliativmedizinische oder geriatrische Einrichtungen

Fluoreszensierende Zellen auf schwarzem Hintergrund

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Dromedare

Ausbreitung von gefährlichen Viruserkrankungen verhindern

Ein Testsystem soll zukünftig hochansteckende Virusvarianten frühzeitig erkennen.