CAEHR: Die Versorgung von Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen optimieren

Ob Notfallversorgung, Rehabilitation oder ambulante Betreuung: Am Beispiel verschiedener Herz-Kreislauferkrankungen zeigt CAEHR modellhaft auf, wie die Digitalisierung in der Medizin die Versorgungserfolge im Alltag verbessern kann.

Die sofortige Diagnostik und das rasche Einleiten der Therapie für Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten will CAEHR mit innovativen IT-Lösungen und Methoden der Künstlichen Intelligenz unterstützen.

Die sofortige Diagnostik und das rasche Einleiten der Therapie für Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten will CAEHR mit innovativen IT-Lösungen und Methoden der Künstlichen Intelligenz unterstützen.

Universitätsmedizin Göttingen

Von der Herzinsuffizienz über koronare Herzkrankheiten bis hin zum Schlaganfall – so verschieden Herz-Kreislauferkrankungen auch sind, vieles haben sie gemeinsam: Die Folgen dieser Erkrankungen sind oft chronisch und erfordern eine dauerhafte Versorgung. Werden sie rechtzeitig erkannt, können sie oft gut behandelt werden. So bieten Herz-Kreislauferkrankungen der Gesundheitsforschung und -versorgung vielfältige Möglichkeiten, um Betroffenen zu helfen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Genau hier setzt der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Digitale Fortschrittshub CAEHR an (CArdiovascular diseases – Enhancing Healthcare through cross-sectoral Routine data integration). In drei Regionen Deutschlands – Hannover/Göttingen, Berlin und Würzburg/Mainfranken – wird CAEHR digitale Lösungen für eine bessere Versorgung der Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen erproben und für den späteren bundesweiten Einsatz weiterentwickeln.

Von der Momentaufnahme zum Gesamtbild der Erkrankung

Im Fokus von CAEHR steht der Informationsfluss zwischen den verschiedenen Sektoren des Gesundheitssystems – von der Notfallversorgung im Krankenwagen über die stationäre und ambulante Versorgung bis hin zur Rehabilitation und Nachsorge in der Hausarztpraxis. An den verschiedenen Etappen der Versorgungskette sehen die Behandelnden heute oft nur Momentaufnahmen ihrer Patientinnen und Patienten. „Für optimale und personalisierte Therapieentscheidungen müssen Ärztinnen und Ärzte jedoch an jedem Punkt des Gesundheitssystems das Gesamtbild eines individuellen Krankheitsverlaufes beurteilen können“, so Prof. Dr. Dagmar Krefting. Sie leitet das Institut für Medizinische Informatik der Universitätsmedizin Göttingen und koordiniert den FortschrittsHub CAEHR.

Prof. Dr. Dagmar Krefting

Prof. Dr. Dagmar Krefting leitet das Institut für Medizinische Informatik der Universitätsmedizin Göttingen und koordiniert den FortschrittsHub CAEHR.

Universitätsmedizin Göttingen

Das Ziel von CAEHR: Künftig sollen strukturierte Daten an allen Punkten des Versorgungssystems nach einheitlichen Standards erhoben und über die gesamte Versorgungskette genutzt werden können, um Prognosen zu Krankheitsverläufen präzisier treffen zu können, die Behandlung zu verbessern, und Präventionsmaßnahmen wirkungsvoller einzusetzen. „Wir wollen beispielsweise zeigen, wie wir mit digitalen Lösungen die Krankenhausaufenthalte verkürzen oder gar vermeiden und dadurch auch die Kosten für das Gesundheitssystem senken können“, so Krefting. Zugleich soll die Gesundheitsforschung die erfassten Daten nutzen, um Herz-Kreislauferkrankungen besser zu verstehen, Therapien zu optimieren oder neue Versorgungsmodelle zu entwickeln. Wie das funktionieren kann, das wird CAEHR für verschiedene Herz-Kreislauferkrankungen an mehreren Punkten der Versorgungskette exemplarisch aufzeigen.

  • Notfallversorgung von Schlaganfällen
    Insbesondere bei Schlaganfällen sind die sofortige Diagnostik und das rasche Einleiten der Therapie entscheidend, um Leben zu retten und den Betroffenen eine bestmögliche Lebensqualität zu erhalten. Die effiziente Kommunikation zwischen dem Rettungsdienst und der Klinik spielt dabei eine Schlüsselrolle. Dafür entwickelt CAEHR erstmals modellhafte Lösungen, die künftig auch überregional zum Einsatz kommen können. Sie ermöglichen es einer Klinik entscheidende Weichen für die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu stellen – noch bevor diese dort eintreffen. Um die dafür relevanten Daten – beispielsweise akute Symptome, Blutdruck und Informationen zur Schwere des Schlaganfalls – aus dem Rettungswagen in das Krankenhaus effizienter übertragen zu können, nutzt CAEHR digitale Lösungen. Zudem sollen Softwaresysteme mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) Ärztinnen und Ärzte dabei unterstützen, in zeitkritischen Situationen schnell die richtigen Therapieentscheidungen zu treffen. Doch nicht nur das: KI-gestützte Systeme sollen dem Rettungsteam auch helfen, ohne Zeitverlust die nächstgelegene und zugleich für die Versorgung eines Notfalls bestmöglich ausgestattete Klinik anzusteuern. Das System berücksichtigt dabei auch die Bettenkapazitäten der umliegenden Krankenhäuser.
     
  • Rehabilitation nach einer Herzoperation
    Maßgeschneiderte Rehabilitationsangebote helfen vielen Patientinnen und Patienten, nach schweren Operationen ihre Lebensqualität zurückzugewinnen. Entscheidend für den Rehabilitationserfolg ist der Start der Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt. Welches Angebot für welche Person das richtige ist, das hängt von ihrem individuellen Gesundheitszustand ab – denn was der einen Patientin nutzt, das kann dem anderen Patienten schaden. Dies schon vor der Rehabilitation zu analysieren ist wichtig. Denn so kann für jede Person jene Rehabilitationseinrichtung ausgewählt werden, die ihr am besten helfen kann. Um diese komplexen Entscheidungen zu unterstützen, ersetzt CAEHR die heute noch verbreiteten papierbasierten Dokumentationen durch digitale Lösungen. Diese sollen auch an den Schnittstellen von stationärer Behandlung und Rehabilitation alle relevanten Daten verfügbar machen. Dadurch können die Akteure der beteiligten Professionen – wie Medizin, Psychologie, Physiotherapie und Pflege – auf der Grundlage eines vollständigen Datenbildes für jede Person individuell maßgeschneiderte Rehabilitationsprogramme planen und zu jedem Zeitpunkt der Maßnahme gezielt nachjustieren.  Wie dies in der Versorgungsroutine umgesetzt werden kann, wird CAEHR am Beispiel der Rehabilitation von Risikopatientinnen und -patienten zeigen, die nach einer Herzklappen-Implantation auf individuelle Rehabilitationsmaßnahmen angewiesen sind.
     
  • Ambulante Versorgung von Menschen mit koronaren Herzerkrankungen und Herzinsuffizienz
    Auch beim Übergang von der stationären in die ambulante Versorgung will CAEHR die Versorgung der Patientinnen und Patienten verbessern. IT-Lösungen sollen hier neue Schnittstellen schaffen, um den Austausch digitaler Daten zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sicherzustellen und Informationsverluste zu verhindern. Im Fokus des Hubs stehen dabei Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz und koronaren Herzerkrankungen. Bei ihrer Versorgung sollen Doppeluntersuchungen vermieden und Medikamentenverschreibungen künftig besser aufeinander abgestimmt werden. Tragbare Sensoren sollen Daten zur Herzgesundheit ambulant versorgter Patientinnen und Patienten nach deren Entlassung aus der Klinik auch in ihrem häuslichen Umfeld erfassen. Diese Sensoren senden die Daten direkt an die behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Entdecken diese darin – auch mithilfe KI-basierter Analysen – beispielsweise Hinweise auf ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko, können sie den Risikopatientinnen und -patienten frühzeitig geeignete Präventionsmaßnahmen anbieten.

Partner im Digitalen Fortschrittshub CAEHR

Koordination
  • Universitätsmedizin Göttingen
    Institut für Medizinische Informatik

Beteiligtes Konsortium der Medizininformatik-Initiative

  • HiGHmed

Partner

  • Universitätsmedizin Göttingen
    Klinik für Kardiologie und Pneumologie / Herzzentrum
    Klinik für Neurologie / Stroke Unit
    Medizinisches Datenintegrationszentrum
  • Medizinische Hochschule Hannover
    Peter L. Reichertz Institut
    Klinik für Kardiologie und Angiologie
    Klinik für Neurologie
    Medizinisches Datenintegrationszentrum
  • Universitätsklinikum Würzburg
    Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie
    Neurologische Klinik und Poliklinik
    Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz
    Servicezentrum Medizininformatik
    Lehrstuhl für BWL, Controlling und interne Unternehmensrechnung
  • Charité – Universitätsmedizin Berlin
    Berliner Institut für Gesundheitsforschung
    Medizinische Klinik für Kardiologie
    Medizinisches Datenintegrationszentrum
  • Hochschule Osnabrück
    Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
  • Georg-August-Universität Göttingen
    Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
  • Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH, Berlin
  • HiGHmed e.V., Heidelberg
  • Vitasystems GmbH, Mannheim
  • AOK Niedersachsen
  • System Vertrieb Alexander GmbH (SVA), Wiesbaden
  • Klinik Fallingbostel
  • Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen
  • Klinik- und Rehabilitationszentrum Lippoldsberg GmbH
  • MEDIAN Ambulantes Gesundheitszentrum Hannover GmbH
  • Rhön-Klinikum Campus Bad Neustadt
  • Klinikum Main-Spessart Lohr
  • Bayerisches Rotes Kreuz
  • Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
  • Deutsche Herzstiftung e.V.
  • Deutsche Stiftung für chronisch Kranke
  • Deutscher Pflegerat
  • Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V.
  • MEYTEC GmbH Medizinsysteme, Werneuchen (Brandenburg)
  • Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen GmbH
  • Phönix-PACS GmbH, Freiburg
  • Kassenärztliche Vereinigung Berlin
  • Bayerische Arbeitsgemeinschaft für Qualitätssicherung in der stationären Versorgung

Darüber hinaus arbeitet CAEHR mit weiteren hier nicht aufgeführten Kliniken und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten zusammen. CAEHR ist grundsätzlich offen für weitere Partner.

CAEHR ist einer der sechs ab Mitte 2021 startenden Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit. Für diese Leitinitiative seiner Digitalstrategie stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis 2025 rund 50 Millionen Euro bereit. Aufgabe der FortschrittsHubs ist es, die Pionierarbeiten der Medizininformatik-Initiative zur Digitalisierung in der Medizin aus den Unikliniken – zunächst in Pilotprojekten – in alle Bereiche des Gesundheitssystems einfließen zu lassen: von der ambulanten Versorgung in der Hausarztpraxis über den stationären Aufenthalt im örtlichen Krankenhaus bis zur Versorgung in Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen.

Medizininformatik-Initiative

Digitale FortschrittsHubs Gesundheit