Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Wie lassen sich Infektionskrankheiten verhindern oder eindämmen? Welche neuen Therapien helfen? Diesen und anderen Fragen gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung nach – in 35 Einrichtungen an sieben Standorten.

In Deutschland war die Infektionsforschung lange Zeit stark fragmentiert. Seit 2012 bringt das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) über 500 Fachleute aus den Naturwissenschaften und der Medizin zusammen, um die translationale Forschung strategisch auszurichten. „So können wir unsere Aktivitäten bündeln und die Stärken der unterschiedlichen Einrichtungen für groß angelegte gemeinsame Forschung nutzen", betont DZIF-Vorstandsvorsitzender Professor Dr. Martin Krönke. Ziel des DZIF ist es, die bisher bestehende Lücke zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung zu schließen.

Wissenschaftlerin im Schutzanzug betrachtet Zellkulturen.

In Labors der höchsten Sicherheitsstufe arbeiten Wissenschaftler des DZIF an Erregern wie dem Marburg-Virus oder Ebola.

DZIF/scienceRELATIONS.de

Neun Schwerpunkte von globaler Bedeutung

Das DZIF hat neun Forschungsbereiche definiert, die sich mit besonders drängenden Fragen auseinandersetzen. Da sind zum einen die Infektionskrankheiten AIDS, Malaria, Hepatitis und Tuberkulose sowie die Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, die jeweils viele Millionen Menschen betreffen. Ein weiterer Schwerpunkt kümmert sich um neu auftretende Infektionskrankheiten, die oft von Tieren auf den Menschen „überspringen“, sogenannte Zoonosen, wie beispielsweise das Ebola- und das MERS-Coronavirus.
 

Eine Ärztin beugt sich zu einer sitzenden Mutter mit Kind auf dem Schoß herunter

Untersuchungen vor Ort in Matema, einer von insgesamt vier Regionen in Afrika, in denen das DZIF eine Studie zur Malaria durchgeführt hat. Die Menschen in Afrika sind von der gefährlichen Infektionskrankheit besonders betroffen. Allein in 2015 starben hier fast eine halbe Millionen Menschen an Malaria.

DZIF

Sehr relevant in unseren Breiten sind die drei Schwerpunkte „Krankenhauskeime und Antibiotika-resistente Bakterien“, „Infektionen im immungeschwächten Wirt“ und „Neue Antibiotika“. Die Suche nach neuen Antibiotika ist für das DZIF so wichtig, dass ein eigener Forschungsschwerpunkt eingerichtet wurde.

Gemeinsame Infrastruktur macht Infektionsforschung effektiver

Bei der Suche nach neuen Medikamenten müssen teilweise viele Millionen Kandidatenmoleküle erprobt werden. Um das zu erleichtern, baut das DZIF eine gemeinsame Plattform aus, die als Natürliche-Wirkstoff-Bibliothek allen Forscherinnen und Forschern für Screening-Projekte zur Verfügung steht. Neben einer Wirkstoff-Bibliothek gibt es Biobanken, Sicherheitslabore, klinische Studienzentren und weitere Infrastrukturen, die im DZIF gemeinsam genutzt werden und damit das Ziel einer strategisch ausgerichteten Translationsforschung unterstützen.
 

DZIF konkret: Beispiele aus der Forschung 

  • Neue Antibiotika
    Mit Teixobactin und Cystobactamiden haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DZIF Wirkstoffe identifiziert, die das Potenzial haben, eine neue Generation von Antibiotika zu begründen.
     
  • Neu auftretende Infektionskrankheiten
    Das DZIF war beteiligt an den ersten klinischen Studien für einen Impfstoff gegen das Ebola-Virus.
     
  • Tuberkulose
    Forscherinnen und Forscher des DZIF waren federführend beteiligt an einer internationalen Studie, in der erstmals die weltweite Ausbreitung von multiresistenten (MDR-) Varianten der Tuberkulose aufgezeigt wird.
     
  • Krankenhauskeime
    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DZIF bereiten gemeinsam mit der Firma Hyglos die klinische Prüfung eines Wirkstoffs gegen den gefürchteten Krankenhauskeim Staphylococcus aureus vor.

Intensive Nachwuchsförderung

Auch im Bereich der Nachwuchsförderung stellt das DZIF attraktive Angebote zur Verfügung. Unter dem „Dach“ der DZIF-Academy werden Promotionsstipendien ebenso angeboten wie spezielle Maßnahmen, die es infektiologisch tätigen Ärztinnen und Ärzten erlauben, klinische Arbeit und Forschung besser zu verbinden.  Strukturierte und zertifizierte Ausbildungs- und Trainingsprogramme unterstützen den Nachwuchs bei der weiteren Karriere und unterstreichen die Bedeutung der Infektiologie als eigenständige wissenschaftliche und klinische Disziplin.

(Autor: DZIF)