Fördermaßnahme

JPND Pathways

Veröffentlichung der Bekanntmachung: 2017
Förderzeitraum: 2018 - 2021
Gesamte Fördersumme: bis zu 3,2 Mio. Euro
Anzahl der Projekte: 8

Das BMBF ist Partner im EU-Programm zur Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen (EU Joint Programme - Neurodegenerative Disease Research (JPND)). Hier arbeiten EU-Mitglieds- und assoziierte Staaten sowie Kanada und Australien zusammen.

Das Ziel von JPND ist die europaweite Bündelung und Stärkung der Forschung im Bereich altersbedingter, neurodegenerativer Erkrankungen. Diese stellen gegenwärtig eine der größten medizinischen, sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen aller Industrienationen weltweit dar.
JPND ist Teil der „Joint Programming Initiativen“ (JPI). Das sind von den EU-Mitgliedsstaaten ins Leben gerufene und getragene Maßnahmen. Sie sind thematisch auf die globalen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte fokussiert.

Neurodegenerative Erkrankungen sind Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems, die stark mit dem Lebensalter zusammenhängen. Die Alzheimer Demenz und mit ihr verwandte Störungen sind die am häufigsten auftretenden neurodegenerativen Erkrankungen. In Europa sind zwischen 6,3 und 7,3 Millionen Menschen hiervon betroffen. Es wird erwartet, dass sich diese Zahl aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung alle 20 Jahre verdoppelt.

Neurodegenerative Erkrankungen sind bislang unheilbar. Derzeit verfügbare Therapieansätze setzen überwiegend bei den Symptomen an, nicht jedoch bei den Krankheitsursachen. Um diese Situation zu verbessern, ist weitere Forschung notwendig.

Es gibt inzwischen deutliche Hinweise darauf, dass es krankheitsübergreifende Mechanismen gibt, die zur Entstehung von neurodegenerative Erkrankungen führen. Im Rahmen dieser Fördermaßnahme sollen multidisziplinäre Ansätze gefördert werden, die Netzwerkanalysen in unterschiedlichen neurodegenerativen und anderen chronischen Erkrankungen durchführen, um die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen aufzuklären. Eine solche krankheitsübergreifende Analyse über traditionelle klinische, technologische und disziplinäre Grenzen hinweg könnte zu einer veränderten Definition klinischer Phänotypen sowie zu neuen Behandlungsansätzen bei neurodegenerativer Erkrankungen führen.

Die Förderrichtlinie wird zeitgleich durch die Förderorganisationen der folgenden Länder herausgegeben:

  • Australien, National Health and Medical Research Council;
  • Dänemark, Innovation Fund Denmark;
  • Deutschland, Bundesministerium für Bildung und Forschung;
  • Frankreich, French National Research Agency;
  • Großbritannien, Medical Research Council;
  • Irland, Health Research Board;
  • Israel, Chief Scientist Office, Ministry of Health;
  • Italien, Ministry for Education, University and Research;
  • Italien, Ministry of Health;
  • Kanada, Canadian Institutes of Health Research;
  • Luxemburg, National Research Fund;
  • Niederlande, The Netherlands Organisation for Health Research and Development;
  • Norwegen, The Research Council of Norway;
  • Polen, The National Centre for Research and Development;
  • Rumänien, Ministry of National Education;
  • Slowakei, Ministry of Education, Science, Research and Sports of the Slovak Republic;
  • Spanien, National Institute of Health Carlos III;
  • Schweden, Swedish Research Council;
  • Schweiz, Swiss National Science Foundation;
  • Tschechische Republik, Ministry of Education, Youth and Sports;
  • Ungarn, National Research, Development and Innovation Office.

1. Ziele der Fördermaßnahme

Ziel der ist die Förderung einer begrenzten Anzahl ambitionierter, innovativer, multinationaler und multidisziplinärer Verbundvorhaben, die

  • experimentelle Ansätze aus der grundlagenorientierten Forschung, der prä-klinischen und/oder der klinischen Forschung verbinden;
  • Netzwerkanalysen in unterschiedlichen neurodegenerativen und anderen chronischen Erkrankungen durchführen, um gemeinsame und separierende Mechanismen zwischen den untersuchten Erkrankungen aufzuklären;
  • einen Mehrwert zu bestehenden Forschungsaktivitäten und damit eine Verbesserung des Verständnisses der pathophysiologischen Mechanismen der zu untersuchenden Krankheiten erzielen, indem traditionelle klinische, technologische und disziplinäre Grenzen überschritten werden.

Gefördert werden ausschließlich Vorhaben zu neurodegenerativen Erkrankungen, z.B. der Alzheimererkrankung und anderen Demenzen, Parkinsonerkrankung und mit Parkinson verwandte Erkrankungen, Prionenerkrankungen, Huntington-Krankheit, Motoneuronerkrankungen, Spinozerebelläre Ataxie (SCA) oder Spinale Muskelatrophie (SMA).

2. Stand der Fördermaßnahme

Die „Richtlinien zur Förderung von Multinationalen Forschungsprojekten zur  übergreifenden Analyse von Signalwegen bei Neurodegenerative Erkrankungen  im Rahmen des EU Joint Programme - Neurodegenerative Disease Research (JPND)“ wurden im Januar 2017 von den teilnehmenden JPND-Partnerländern veröffentlicht. Auf die Bekanntmachung gingen insgesamt 189 Projektskizzen ein. Hiervon wurden, nach einer wissenschaftlichen Bewertung, 45 Projektskizzen für einen Vollantrag ausgewählt. Die Begutachtung der 45 Vollanträge erfolgte durch ein internationales Expertinnen- und Expertengremium. Im September 2017 wurden daraufhin zehn multinationale Konsortien zur Förderung ausgewählt, darunter acht deutsche Zuwendungsempfänger mit insgesamt rund 3,1 Mio. Euro.  

Einzelprojekte

Epi-AD: Einfluss von Stress im pränatalen und adulten Alter auf das Epigenom des Gehirns: Relevanz für das Auftreten von Alzheimer-Demenz und Typ 2 Diabetes Mellitus (T2DM)-assoziierten Demenzen

Förderkennzeichen: 01ED1806
Gesamte Fördersumme: 480.927 EUR
Förderzeitraum: 2018 - 2021
Projektleitung: Dr. Froylan Calderon de Anda
Adresse: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf - Zentrum für Molekulare Neurobiologie Hamburg (ZMNH)
Falkenried 94
20251 Hamburg

Epi-AD: Einfluss von Stress im pränatalen und adulten Alter auf das Epigenom des Gehirns: Relevanz für das Auftreten von Alzheimer-Demenz und Typ 2 Diabetes Mellitus (T2DM)-assoziierten Demenzen

Der Effekt von Stress im pränatalen und adulten Alter auf die Entwicklung zweier verwandter Arten von pathologisch-kognitiver Demenz im Alter, LOAD (late onset AD) und T2DM Demenz (Type 2 Diabetes Mellitus-assoziierte Demenz), soll untersucht werden: Wir setzen a) ein genetisch manipuliertes Mausmodell, das LOAD imitiert, und b) Mäuse, die T2DM-ähnliche Symptome durch eine Ernährungs-induzierte Fettleibigkeit zeigen, im pränatalen Alter (prenatal stress, PNS) und im adulten Alter Stresszuständen aus. Unsere Arbeitshypothese postuliert, dass PNS epigenetisch neurologische Entwicklungsstörungen prädisponiert, die im Alter, wenn sie unkompensiert bleiben, zu pathologisch kognitiven Verfall führen. In-vitro-Elektroporation und Zelltyp-spezifischen Untersuchungen sollen neurologische Konsequenzen pränataler negativer Erfahrungen, allein oder in Kombination mit Stress, entwicklungsabhängig im Epigenom und Gehirn untersuchen. Es werden morphologische, biochemische, elektrophysiologische und verhaltensbezogene Untersuchungen, sowie Epigenomik- und epigenetisch-spezifische Assays verwendet, um die Wirkung der beiden Stressoren (pränataler vs adulter Stress) auf das Gehirn der Maus zu verschiedenen Entwicklungsstufen zu untersuchen.

localMND: Gemeinsame, krankheitsübergreifende Architektur des lokalen Proteoms, Transkriptoms und Translatoms bei Motoneuronerkrankungen (MNDs)

Förderkennzeichen: 01ED1801
Gesamte Fördersumme: 527.906 EUR
Förderzeitraum: 2018 - 2021
Projektleitung: Dr. Marina Chekulaeva
Adresse: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft
Robert-Rössle-Str. 10
13125 Berlin

localMND: Gemeinsame, krankheitsübergreifende Architektur des lokalen Proteoms, Transkriptoms und Translatoms bei Motoneuronerkrankungen (MNDs)

Für die geplanten Untersuchungen zu Motoneuronerkrankungen (MND) werden mittels MND-übergreifender Netzwerkanalysen die gemeinsamen Mechanismen identifiziert, die der Neurodegeneration bei MND zugrunde liegen. Das Neuron ist eine hochgradig polarisierte Zelle, die aus dem Zellkörper und Neuritenextensionen besteht. Diese Polarität ist entscheidend für die neuronale Funktion und beruht weitgehend auf der asymmetrischen subzellulären Translation und Lokalisation von RNAs und Proteinen. Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin hat ein Neurit/Soma-Fraktionierungssystem in Kombination mit Massenspektrometrie, RNA-Sequenzierung und Ribosomenprofilierungsanalysen entwickelt, um Proteine und RNAs zu identifizieren, die in Neuriten und Soma neuronaler Zellen unterschiedlich lokalisiert und translatiert sind. In diesem Projekt werden Motoneuronen und ihre MND-Modelle analysiert, die durch in vitro-Differenzierungsverfahren aus Stammzellen generiert werden. Diese Untersuchung wird ein genaues Bild des lokalen Proteoms, Transkriptoms und Translatoms von Motoneuronen und Veränderungen, die durch MND-Mutationen hervorgerufen werden, vermitteln. Es sollen "gemeinsame Spieler” (mRNAs, Proteine, lncRNAs) identifiziert, validiert und weiter analysiert werden, die ihr Expressions- und/oder Lokalisationsmuster in mehreren MND-Modellen ändern. Die Projektergebnisse sollen neue Einblicke in die fundamentalen Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen MND ermöglichen und neue Ansätze für ihre Behandlung nahelegen.