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RELATER - Verbesserung der Kommunikation bei der psychiatrischen Versorgung von geflüchteten Menschen

Die Zahl geflüchteter Menschen, die in Deutschland in den letzten Jahren Schutz gesucht haben, ist hoch. Viele der Betroffenen haben aufgrund von Bürgerkriegen, Terror und Verfolgung im Heimatland oder auf ihrer Flucht traumatische Erfahrungen gemacht. Belastungen wie diese – aber auch der Verlust sozialer Bindungen und die Ungewissheit über das Bleiberecht im Ankunftsland – münden in einem erhöhten Risiko, psychische Erkrankungen zu entwickeln. Angesichts der vielfältigen sprachlichen und kulturellen Herausforderungen besteht bei der Bekämpfung dieser Erkrankungen jedoch eine Versorgungslücke. Es mangelt an wissenschaftlich abgesicherten kultur- und zielgruppenspezifischen Konzepten zur Diagnose, Therapie und Prävention von psychischen Erkrankungen. Zudem fehlen Forschungsdaten dazu, wie solche Konzepte in das deutsche Gesundheitssystem integriert werden können.

Ziel des Vorhabens ist es, mittels einer großen klinischen Studie eine neu entwickelte mobile App zu validieren. Diese soll es ermöglichen, mit hocharabisch, levantinisch- oder irakisch-arabisch sprechenden Geflüchteten ein diagnostisches Interview durchzuführen. Die Ergebnisse, die mithilfe der App gewonnen werden, sollen mit Ergebnissen verglichen werden, die auf Interviews mit Übersetzerinnen und Übersetzern basieren. Darüber hinaus soll eine Smartphone-basierte Plattform für Patienten-Therapeuten Kontakte entwickelt werden. Sie soll den gegenseitigen Austausch ermöglichen und die momentane psychische Verfassung der Nutzerinnen und Nutzer erheben.

Bei Erfolg der Studie ist, neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen, eine flächendeckende Verbreitung der Software zur Unterstützung der Versorgung geflüchteter Menschen denkbar. Damit dient das Vorhaben der Verbesserung der Versorgung von Patientinnen und Patienten aus dem Sprachkreis, der unter Geflüchteten derzeit am weitesten verbreiteten ist.