Verbund

IMPROVE-MH - Förderung der psychischen Gesundheit bei geflüchteten Eltern und ihren Kindern

Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner werden in Deutschland mit Flüchtlingen konfrontiert, die an psychosomatischen Störungen und psychischen Erkrankungen leiden. Zumeist handelt es sich um Depressionen, Angststörungen und posttraumatische Belastungsstörungen. Auf die besonderen Herausforderungen im Umgang mit geflüchteten Menschen, zum Beispiel Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede, sind die meisten Ärztinnen und Ärzte jedoch nicht ausreichend vorbereitet.

Die Studie „IMPROVE-MH“ hat zum Ziel, die psychische Gesundheit geflüchteter Familien mit jungen Kindern zu verbessern. Hierzu sollen psychisch belastete Eltern von Vorschulkindern über den Hausarzt oder die Hausärztin eine Kurzbehandlung zum Umgang mit Symptomen von Angststörungen und Depression erhalten. Bestandteil des Programms ist auch ein Onlinetraining zur Förderung eines positiven Erziehungsstils. Um diese Intervention entwickeln und anpassen zu können, werden die besonderen Bedürfnisse und Herausforderungen während der Versorgung geflüchteter Menschen erforscht. Darüber hinaus wird die Intervention evaluiert, um eventuelle Hindernisse für ihren Einsatz zu überwinden und das Programm für die praktische Verbreitung in der Hausarztversorgung vorzubereiten. Die Ergebnisse dieser Studie sollen möglichst vielen Betroffenen zugänglich gemacht werden.

Teilprojekte

MEET - Jahrestreffen der Forschungsverbünde zur psychischen Gesundheit geflüchteter Menschen (Querschnittsprojekt)

Förderkennzeichen: 01EF1806H
Gesamte Fördersumme: 276.070 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2021
Projektleitung: Prof. Dr. Christine Knaevelsrud
Adresse: Freie Universität Berlin, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie, Arbeitsbereich Klinisch-Psychologische Intervention
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin

MEET - Jahrestreffen der Forschungsverbünde zur psychischen Gesundheit geflüchteter Menschen (Querschnittsprojekt)

Klinische Studie

Förderkennzeichen: 01EF1801A
Gesamte Fördersumme: 2.178.830 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2024
Projektleitung: Prof. Dr. Silvia Schneider
Adresse: Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Psychologie, Klinische Kinder- und Jugendpsychologie
Massenbergstr. 9-13
44787 Bochum

Klinische Studie

Die vorliegende Studie hat zum Ziel, die psychische Gesundheit in geflüchteten Familien mit jungen Kindern (0-6 Jahre) zu verbessern. Hierzu sollen psychisch belastete Eltern über den Hausarzt eine Intervention erhalten, die eine Kurzbehandlung zum Umgang mit Symptomen von Angst und Depression sowie ein Onlinetraining zur Förderung eines positiven Erziehungsstils beinhaltet. Familien, die über arabische Sprachkenntnisse verfügen und aus Irak oder Syrien geflüchtet sind, können an der Studie teilnehmen. Die Familien werden über die zwei Hauptzugangswege in die primäre Gesundheitsversorgung auf die Studie angesprochen: über die hausärztliche und die kinderärztliche Praxis. Aufgrund des im Bundesvergleich hohen Anteils von Asylanträgen in NRW wird die Intervention primär in Hausarztpraxen in NRW überprüft. Es werden neue Zentren eingerichtet, die für die Durchführung des Interventionsprogramms zertifiziert werden und über die notwendigen sprachlichen und kulturellen Kompetenzen verfügen. Es ist Ziel die Ergebnisse der Studie auf verschiedenen Wegen möglichst vielen Betroffenen zugänglich zu machen.

Messinstrumente und Primärversorgung

Förderkennzeichen: 01EF1801B
Gesamte Fördersumme: 585.877 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2024
Projektleitung: Prof. Dr. Maike Luhmann
Adresse: Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Psychologie, AE Psychologische Methodenlehre
Universitätsstr. 150
44801 Bochum

Messinstrumente und Primärversorgung

Dieses Projekt verfolgt zwei Ziele. Erstens sollen etablierte Messinstrumente zur Erfassung psychischer Gesundheit hinsichtlich ihrer Validität und Messinvarianz (MI) über kulturelle Gruppen hinweg und im Längsschnitt überprüft werden. Dies ist für die klinische Studie relevant, da nur bei etablierter Messinvarianz Unterschiede zwischen Gruppen und Veränderungen über die Zeit korrekt interpretiert werden können. Zweitens werden in diesem Projekt neue Messinstrumente entwickelt, die es erlauben sollen, psychische Gesundheit und andere für die klinische Studie relevante Variablen über so genanntes Ecological Momentary Assessment (EMA) zu erfassen. Traditionell wird psychische Gesundheit über Selbstberichte oder über Einschätzungen von Klinikern erhoben. Auch Daten zu Erziehungsverhalten und Eltern-Kind-Interaktionen werden meist über Beobachtungen oder Selbstberichte der Eltern erhoben. Zwar sind diese traditionellen Methoden reliabel und valide, sie können jedoch durch mangelnde ökologische Validität, Erinnerungseffekte und soziale Erwünschtheit verzerrt werden. EMA-Verfahren werden daher zunehmend in der klinischen Forschung als Ergänzung zu traditionellen Methoden eingesetzt.

Gesundheitsökonomie

Förderkennzeichen: 01EF1801C
Gesamte Fördersumme: 163.264 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2024
Projektleitung: Prof. Dr. Hans-Helmut König
Adresse: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung
Martinistr. 52
20251 Hamburg

Gesundheitsökonomie

Das primäre Ziel des Projekts ist die Bestimmung der Kosten-Effektivität der IMPROVE-MH Intervention. Die Datengrundlage stellt die klinische Studie dar. Die ökonomische Evaluation erfolgt aus der gesellschaftlichen Perspektive. Erhebungszeitpunkte sind zu Studienbeginn, nach sechs Monaten und nach zwölf Monaten. Kosten werden mittels einer modifizierten Version des CSSRI gemessen. Die Primäranalyse schließt die Gruppe der Eltern ein und nutzt QALY als Effektivitätsmaß. In der sekundären Analyse werden Eltern und Kinder berücksichtigt. Das Effektivitätsmaß sind Tage ohne psychische Belastung. Im Vorlauf der ökonomischen Evaluation werden ein systematischer Review zur Kosteneffektivität von Interventionen zur Behandlung psychischer Belastung geflüchteter Menschen und eine Kostenstudie zur Bestimmung der Excess-Kosten von geflüchteten Menschen im Vergleich zur deutschen Allgemeinbevölkerung durchgeführt.