Verbund

I-REACH - Internet-basierte psychische Gesundheitsversorgung für geflüchtete Menschen

Derzeit besteht ein Mangel an wissenschaftlich abgesicherten kultur- und zielgruppenspezifischen Konzepten zur Diagnostik und Therapie von psychischen Erkrankungen bei geflüchteten Menschen.

Schwerpunkt des Forschungsverbundes I-REACH ist die Entwicklung von onlinebasierten Behandlungsformen und Screenings für Geflüchtete in verschiedenen psychotherapeutischen und psychiatrischen Versorgungsumgebungen (z.B. ambulant und stationär). Die Projektziele werden in mehreren Teilvorhaben umgesetzt. Diese reichen von der zuverlässigen Identifizierung psychischer Probleme (Screening) bei Geflüchteten über die Entwicklung, wissenschaftliche Überprüfung und Anwendung onlinebasierter Behandlungsansätze, ihren Vergleich mit persönlichen („Face-to-Face“) Therapien bis hin zur abschließend Bewertung der neuen Ansätze hinsichtlich gesundheitsökonomischer Aspekte.

Aufgrund ihrer Reichweite haben onlinebasierte Screening‐Instrumente und Behandlungsformen dabei ein besonders hohes Potenzial hinsichtlich der Überwindung bestehender Versorgungslücken im Bereich der psychischen Gesundheit geflüchteter Menschen.

Teilprojekte

Entwicklung der Intervention

Förderkennzeichen: 01EF1806A
Gesamte Fördersumme: 791.131 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2024
Projektleitung: Prof.Dr. Christine Knaevelsrud
Adresse: Freie Universität Berlin, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie, Arbeitsbereich Klinisch-Psychologische Intervention
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin

Entwicklung der Intervention

Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer kulturell und kontextuell adaptierten face-to-face und onlinebasierten transdiagnostischen Intervention für geflüchtete Menschen aus dem arabischen Sprachraum, die Symptome einer Depression, Angst- oder Posttraumatischen Belastungsstörung aufweisen. Für die internetbasierte Intervention werden entsprechende verschiedene Varianten (guided: Arabisch; unguided: Arabisch, Farsi/Dari) entwickelt und in einem iterativen Prozess in enger Zusammenarbeit mit Flüchtlingen, Therapeuten und Stakeholdern bezüglich ihrer Durchführbarkeit, Sicherheit, Akzeptanz, Nutzerfreundlichkeit getestet. Ebenso ist die Koordination des I-REACH Konsortiums Teil des Projekts.

Erfassung psychischer Belastungen

Förderkennzeichen: 01EF1806B
Gesamte Fördersumme: 226.301 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2022
Projektleitung: Dr. Heide Glaesmer
Adresse: Universitätsklinikum Leipzig, Medizinische Fakultät, Abt. für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie
Philipp-Rosenthal-Str. 55
04103 Leipzig

Erfassung psychischer Belastungen

Das Vorhaben verfolgt das Ziel, ein modulares Erfassungstool für gängige psychische Störungen, aber auch für Risiko- und Schutzfaktoren speziell für Geflüchtete verschiedener Herkunft in der jeweiligen Muttersprache zu entwickeln und einer kultursensiblen psychometrischen Prüfung zu unterziehen. Im Einzelnen werden im Rahmen des vorgestellten Projektes folgende Ziele verfolgt: 1) Entwicklung und Validierung eines Früherkennungs-Tools der Versorgungsbedarfe bzw. -bedürfnisse von psychisch belasteten Geflüchteten; 2) Bereitstellung eines diagnostischen Screening-Tools für die Kooperationspartner innerhalb des Konsortiums; 3) Evaluation und Bereitstellung eines modularen diagnostischen Tools für die Anwendung in psychotherapeutischen/psychosozialen Settings und 4) Ableitung des subjektiven bzw. objektiven psychosozialen bzw. psychotherapeutischen/psychiatrischen Versorgungsbedarfes innerhalb der Gruppe von Geflüchteten

Implementierungsstudie

Förderkennzeichen: 01EF1806C
Gesamte Fördersumme: 444.835 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2024
Projektleitung: Prof. Dr. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank
Adresse: Landschaftsverband Rheinland, LVR-Klinik Köln, Institut für Versorgungsforschung
Wilhelm-Griesinger-Str. 23
51109 Köln

Implementierungsstudie

Die zentrale Forschungsfrage dieses Teilprojektes ist, ob die Einführung zusätzlicher internet-basierter psychotherapeutischer Interventionen in der stationären psychiatrischen Routineversorgung bei Flüchtlingen realisierbar ist. Im Rahmen dieses Vorhabens soll untersucht werden, ob ein Blended-Care-Ansatz - d.h. die Anwendung internet-basierter psychotherapeutischer Interventionen zusätzlich zur Routineversorgung - in der stationären psychiatrischen Routineversorgung bei Flüchtlingen erfolgreich umgesetzt werden kann und von den Patientinnen und Patienten akzeptiert und genutzt wird. Außerdem sollen die Zufriedenheit der Nutzenden, ihrer Angehörigen und des therapeutischen Personals sowie ein möglicher Zusammenhang des Primäroutcomes mit klinischen Variablen untersucht werden.

Gesundheitsökonomische Evaluation

Förderkennzeichen: 01EF1806D
Gesamte Fördersumme: 165.479 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2024
Projektleitung: Dr. Alexander Konnopka
Adresse: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung
Martinistr. 52
20251 Hamburg

Gesundheitsökonomische Evaluation

Das primäre Ziel dieses Vorhabens ist die Abschätzung der ökonomischen Konsequenzen der im I-REACH-Verbund entwickelten und untersuchten Interventionen. Zu diesem Zweck werden zwei sich einander ergänzte Ansätze verfolgt. Einerseits werden Budget-Impact-Analysen durchgeführt, um die jährlichen Kosten abzuschätzen, die mit einer Implementierung der Interventionen in das deutsche Gesundheitswesen verbunden sind. Andererseits werden Kosten-Effektivitäts-Analysen der Interventionen durchgeführt, um die marginalen Kosten pro Gesundheitseffekt abzuschätzen, die mit den Interventionen im Vergleich zur bisherigen Versorgung verbunden sind. Als analytischer Ansatz werden gesundheitsökonomische Modellierungen durchgeführt. Die Datengrundlage bilden Informationen, die im Rahmen der anderen Teilprojekte direkt erhoben werden können und – wo dies nicht möglich ist – um Daten aus der Literatur und von Experten ergänzt werden.

Klinische Studie (Face-to-Face-Therapie)

Förderkennzeichen: 01EF1806E
Gesamte Fördersumme: 427.075 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2024
Projektleitung: Prof.Dr. Babette Renneberg
Adresse: Freie Universität Berlin, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie - Psychologie, Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Psychotherapie
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin

Klinische Studie (Face-to-Face-Therapie)

In diesem Teilprojekt wird die Wirksamkeit eines kulturell adaptierten, transdiagnostischen Therapieansatzes überprüft, welcher in diesem Verbund entwickelt wurde. Das Therapieangebot richtet sich an arabischsprachige Geflüchtete, die unter Angst-, depressiven oder posttraumatischen Symptomen leiden. Die Therapie wird entweder in einem traditionellen Setting angeboten (face-to-face) oder über das Internet durchgeführt. Letzteres hat den Vorteil, dass sowohl Geflüchtete als auch das klinische Personal von überall Zugriff auf die Therapie haben und so strukturelle und sprachliche Barrieren leichter überwunden werden. Ziel des Projektes ist es, herauszufinden, wie wirksam diese zwei Therapieformate (online und face-to-face) sind, wie gut diese angenommen werden, und wie positiv und wie nachhaltig sie sich auf die Lebensqualität von Geflüchteten in Deutschland auswirken. Das Teilprojekt wird in enger Zusammenarbeit von der Freien Universität Berlin und der Medical School Berlin durchgeführt.

Klinische Studie (Online-Therapie)

Förderkennzeichen: 01EF1806F
Gesamte Fördersumme: 739.040 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2024
Projektleitung: Prof. Dr. Birgit Wagner
Adresse: MSB Medical School Berlin GmbH, Hochschule für Gesundheit und Medizin, Fakultät Naturwissenschaften, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Verhaltenspsychologie
Calandrellistr. 1-9
12247 Berlin

Klinische Studie (Online-Therapie)

In diesem Teilprojekt wird die Wirksamkeit eines kulturell adaptierten, transdiagnostischen Therapieansatzes überprüft, welcher in diesem Verbund entwickelt wurde. Das Therapieangebot richtet sich an arabischsprachige Geflüchtete, die unter Angst-, depressiven oder posttraumatischen Symptomen leiden. Die Therapie wird entweder in einem traditionellen Setting angeboten (face-to-face) oder über das Internet durchgeführt. Letzteres hat den Vorteil, dass sowohl Geflüchtete als auch das klinische Personal von überall Zugriff auf die Therapie haben und so strukturelle und sprachliche Barrieren leichter überwunden werden. Ziel des Projekts ist es, herauszufinden, wie wirksam diese zwei Therapieformate (online und face-to-face) sind, wie gut diese angenommen werden, und wie positiv und wie nachhaltig sie sich auf die Lebensqualität von Geflüchteten in Deutschland auswirken. Das Teilprojekt wird in enger Zusammenarbeit von der Medical School Berlin und der Freien Universität Berlin durchgeführt.