Verbund

ACROBAT

Traumatische Hirnverletzungen führen häufig zu dauerhaften neurologischen Störungen, z.B. Epilepsien. In vielen Fällen ist die Behandlung solcher post-traumatischen Epilepsien mit Medikamenten, die bei anderen Formen der Epilepsie eingesetzt werden, nicht effizient. Sie kann sogar die Heilung der Hirnverletzung beeinträchtigen. Daher ist es das Ziel des Forschungsverbundes „ACROBAT“, die Krankheitsmechanismen zu untersuchen, die zur Entwicklung post-traumatischer Epilepsien führen, um neue Therapieansätze entwickeln zu können.

Der Verbund verfolgt einen interdisziplinären Forschungsansatz. Die Forscherinnen und Forscher kombinieren molekularbiologische, genetische und elektrophysiologische Methoden, um die Regulation der Chlorid-Konzentration nach Hirnverletzungen in den Nervenzellen zu untersuchen. Die Chlorid-Konzentration innerhalb der Nervenzellen beeinflusst die Erregbarkeit der Zellen. Eine erhöhte Erregbarkeit steigert das Risiko für epileptische Anfälle. Daher wird die Chlorid-Konzentration von den Nervenzellen genau kontrolliert. Dies wird als Chlorid-Homöostase bezeichnet. Hirnverletzungen initiieren Prozesse, die die Chlorid-Homöostase stören und Epilepsien auslösen können. Daran sind verschiedene Gene und Transkriptionsfaktoren beteilig. Transkriptionsfaktoren, sind Botenstoffe, die die Aktivität der Gene regulieren. Der Verbund will diejenigen Gene und Faktoren identifizieren, denen eine Schlüsselrolle zukommt und Ansatzpunkte für neue Therapien bieten können.

Der Verbund ist Teil des transnationalen ERA-NET NEURON und umfasst eine Forschungsgruppe aus Deutschland, sowie zwei Gruppen aus Frankreich und jeweils eine Gruppe aus dem Vereinigten Königreich und Spanien. Der deutsche Partner trägt mit genetischen Analysen in einem Mausmodell zu den Verbundzielen bei.

Teilprojekte

Veränderte Chlorid-Homöostase nach Hirnverletzungen

Förderkennzeichen: 01EW1706
Gesamte Fördersumme: 314.752 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2020
Projektleitung: Prof. Dr. Christian Hübner
Adresse: Universitätsklinikum Jena, Institut für Humangenetik
Kollegiengasse 10
07743 Jena

Veränderte Chlorid-Homöostase nach Hirnverletzungen

Im Zuge der Reorganisation des neuronalen Netzwerkes nach Hirnverletzungen kommt es häufig zu Komplikationen wie Epilepsie oder kognitiven Störungen. Der Verbund ACRoBAT adressiert die Rolle der Chlorid-Regulation bei Hirnverletzungen. Dies ist insofern von großer Bedeutung, da sie entscheidend für die Funktion der Nervenzellen ist. Wesentliche Determinanten der neuronalen Chlorid-Regulation sind der Kalium-Chlorid-Kotransporter KCC2, der die intraneuronale Chlorid-Konzentration vermindert, und der Natrium-Kalium-Chlorid-Kotransporter NKCC1, der die intraneuronale Chlorid-Konzentration erhöht.