Wie funktionieren klinische Studien?

Klinische Studien umfassen verschiedene Phasen: Erst nachdem Verträglichkeit und Wirkungsweise neuer Methoden an gesunden Freiwilligen erforscht wurden, wird die Wirksamkeit der neuen Behandlung auch an erkrankten Personen untersucht.

Eine Frau drückt eine Tablette aus der Verpackung.

Die Teilnehmenden verblindeter Studien wissen nicht, ob sie tatsächlich einen neuen Wirkstoff oder ein Placebo erhalten. Das schließt Verfälschungen der Ergebnisse durch Suggestionseffekte aus.

DLR Projektträger / BMBF

Grundsätzlich werden interventionelle und nicht-interventionelle Studien unterschieden. Bei einer interventionellen Studie erfahren die Teilnehmenden eine aktive Form von Behandlung. Eine Intervention ist eine geplante und gezielte Maßnahme um den Ausbruch oder das Fortschreiten einer Erkrankung zu verhindern. Dies kann beispielsweise die Einnahme eines neuen Arzneimittels sein. Nicht-interventionelle Studien sind dagegen Beobachtungsstudien ohne jegliches Eingreifen.

Interventionelle Studien

Wer von interventionellen Studien spricht, meint in der Regel Therapiestudien, bei denen eine neue Behandlungsmethode erprobt wird. Interventionelle (Arzneimittel-)Studien werden in vier Phasen eingeteilt.

  • Phase I-Studien sind kleine Studien, in denen eine neue Behandlung erstmals am Menschen, und zwar an gesunden Freiwilligen, eingesetzt wird. In diesem Stadium werden grundlegende Eigenschaften wie Verträglichkeit und Sicherheit eines neuen Medikaments überprüft, um zu sehen, ob es sich für einen Einsatz beim Menschen eignet.
  • Phase II-Studien sind etwas größer als Phase I-Studien. Sie haben meist 100 bis 300 Teilnehmende. In der Phase II wird ein Medikament zum ersten Mal bei Patientinnen und Patienten überprüft, die an jener Erkrankung leiden, für deren Behandlung das Medikament entwickelt wird. Dabei geht es um die optimale Dosierung. Zusätzlich werden erste Daten zur Wirksamkeit erhoben.
  • Phase III-Studien sind große Studien. Sie geben relativ präzise Auskunft über Wirksamkeit und Verträglichkeit. In den allermeisten Fällen sind es Vergleichsstudien. Dabei werden Patientinnen und Patienten, die die zu untersuchende Behandlung erhalten, mit einer Kontrollgruppe verglichen, die eine andere Behandlung erhält.
  • Phase IV-Studien finden statt, wenn ein Medikament bereits auf dem Markt ist. Für Phase IV-Studien gibt es unterschiedliche Gründe. So kann es sinnvoll sein, ein bereits zugelassenes Medikament bei Patientinnen und Patienten mit bestimmten Eigenschaften noch einmal gezielt zu untersuchen. In Phase IV-Studien können außerdem seltene Nebenwirkungen eines Medikaments besser beurteilt werden, weil mehr Patientinnen und Patienten behandelt werden.

Klinische Forschung – Der Grundstein für eine bessere Behandlung :

Jeder soll vom medizinischen Fortschritt profitieren. Die erfolgreiche Förderung der Gesundheitsforschung des BMBF macht dies möglich. Insbesondere die Förderung klinischer Studien schließt die Lücke, die oft den Übergang vielversprechender Forschungsergebnisse aus dem Labor von der Anwendung an Patientinnen bzw. Patienten trennt. Seit über einem Jahrzehnt fördert das BMBF wissenschaftsinitiierte klinische Studien der Phasen II-III. Drei aktuell offene Bekanntmachungen erweitern dieses Repertoire:

  1. Die Richtlinien zur Förderung von konfirmatorischen präklinischen Studien sollen die präklinische Forschung stärken und den Transfer ihrer Ergebnisse in die klinische Forschung verbessern. Insbesondere sollen erste Ergebnisse zu neuen Therapieverfahren vor der ersten Anwendung am Menschen durch gut geplante Studien geprüft und statistisch abgesichert werden.
    Das Ziel: Es sollen möglichst nur solche Therapieverfahren in die klinischen Untersuchungsphasen kommen, die auch die besten Aussichten haben, später als Therapeutikum zugelassen zu werden.
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  2. Die Richtlinien zur Förderung von wissenschaftsinitiierten frühen klinischen Studien stärken gezielt die frühen Phasen der klinischen Forschung.
    Das Ziel: In zwei Modulen sollen zum einen neue Anwendungsbereiche für bekannte Medikamente entwickelt und zum anderen neuartige therapeutische Ansätze mit komplexen biologischen Molekülen, Zellen oder Geweben untersucht werden.
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  3. Die Richtlinien zur Förderung praxisverändernder klinischer Studien ermöglichen den Vergleich erfolgreicher und etablierter Methoden in der Praxis bei Prävention, Diagnose oder Therapie von Krebserkrankungen.
    Das Ziel: Die besten Methoden in Prävention, Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen zu identifizieren und dadurch den Nutzen für die Patientinnen und Patienten verbessern.
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Die kontrollierte Studie als Goldstandard

Größere Interventionsstudien sind häufig so genannte „kontrollierte Studien“, bei denen die neue Behandlung mit einer anderen Behandlung oder mit einer Scheinbehandlung, einem Placebo, verglichen wird. Dieser Vergleich ist wichtig, um den tatsächlichen Effekt einer Behandlung zuverlässig beurteilen zu können.

Was sind Randomisierung und Verblindung?

Kontrollierte Interventionsstudien sollten möglichst randomisiert durchgeführt werden. Das bedeutet, dass die Teilnehmenden per Zufallslos in die unterschiedlichen Studiengruppen eingeteilt werden. Die Gruppe, die die neue Behandlung erhält, wird „Verumgruppe“ oder „Behandlungsgruppe“ genannt. Die Gruppe, die eine andere Behandlung oder ein Placebo erhält, ist die „Kontrollgruppe“. Ist die Studie groß genug, dann gewährleistet die Zufallsverteilung, dass die Patientinnen und Patienten in beiden Gruppen ähnliche Eigenschaften haben. Nur dann sind die Ergebnisse miteinander vergleichbar und aussagekräftig.

Verblindung ist ein weiterer wichtiger Begriff. Er bedeutet, dass die Patientinnen und Patienten nicht wissen, ob sie in der Behandlungsgruppe oder in der Kontrollgruppe sind. Bei einer doppelten Verblindung weiß auch die ärztliche Seite nicht Bescheid. Eine Verblindung verhindert, dass die Ergebnisse klinischer Studien durch Erwartungen und Suggestionseffekte verfälscht werden.

Nicht-interventionelle Studien

Bei den nicht-interventionellen Studien, auch Beobachtungsstudien genannt, findet keine gezielte „Intervention“ statt. Es wird lediglich beobachtet und dokumentiert. Es gibt drei wichtige Studientypen:

  • Fall-Kontroll-Studien vergleichen Patientinnen und Patienten, die eine bestimmte Behandlung erhalten haben, mit Patientinnen und Patienten, die diese Behandlung nicht erhalten haben. Fall-Kontroll-Studien sind „retrospektive“ Studien, das heißt die Auswertung des Behandlungserfolgs erfolgt rückblickend anhand medizinischer Unterlagen.
  • Kohortenstudien beobachten Gruppen von Patientinnen und Patienten, die eine bestimmte Behandlung erhalten haben, hinsichtlich des weiteren Krankheitsverlaufs, also prospektiv und oft über viele Jahre hinweg.
  • Querschnittsstudien bilden die Verteilung einer Exposition (Feinstaub, Lärm), einer Erkrankung oder von beidem gleichzeitig in der Bevölkerung ab. Sie tun das zu einem bestimmten Zeitpunkt. Eine Querschnittsstudie ist somit eine Momentaufnahme.

Ergebnisse der Gesundheitsforschung

Ein älterer Mann hält beide Hände an die Ohren

Studie zur Hörsturz-Therapie gestartet

Eine Studie untersucht die Wirkung hochdosierter, kortison- oder kortisonähnlicher Medikamente.

Eine Ärztin und Assistenten in einem Operationssaal

Studie zur Ablation bei Vorhofflimmern

Die vollständige elektrische Abkopplung der Lungenvenen vom Herzen erzielt die besten Therapieerfolge.

Eine Frau legt beide Hände auf den schmerzenden Bauch.

Behandlung von Blasenentzündungen

Der Einsatz von Antibiotika ist oft nicht nötig. In vielen Fällen reichen entzündungshemmende Wirkstoffe.

Ultraschalluntersuchung einer Schwangeren.

Schwangerschaft trotz Herzschwäche

Bromocriptin verbessert die Behandlung von schwangerschaftsbedingter Herzschwäche.