Verbund

AutoScale

Psychische Erkrankungen wie Schizophrenie (SZ) oder bipolare Störungen (BD) verlaufen häufig schwerwiegend und sind bislang nicht heilbar. Das liegt unter anderem daran, dass noch zu wenig über die Ursachen von diesen psychischen Erkrankungen bekannt ist. Möglicherweise könnte ein Ungleichgewicht zwischen verschiedenen Botenstoff-Systemen im Gehirn die Symptome auslösen. Expertinnen und Experten diskutieren insbesondere darüber, ob die Signalwirkung des Botenstoffs Glutamat bei den Betroffenen gestört sein könnte.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des multidisziplinären Forschungsverbundes „MultiScale“ untersuchen daher, ob körpereigene Antikörper gegen einen bestimmten Rezeptor des Botenstoffs Glutamat (NMDAR) zur Entstehung und Ausprägung von SZ und BD beitragen. Solche sogenannten Autoantikörper erkennen ein körpereigenes Antigen und sind ein charakteristisches Merkmal für Autoimmunerkrankungen. Ihre Untersuchungen führen die Forschenden des Verbundes sowohl im Tiermodell als auch bei Patientinnen und Patienten durch. Die Vorhabenergebnisse können zur Klärung beitragen, ob Patientinnen und Patienten mit Autoantikörpern gegen NMDAR potentiell von einer Immuntherapie profitieren können.

Der Verbund ist Teil des transnationalen ERA-NET NEURON und umfasst zwei Forschungsgruppen aus Frankreich sowie jeweils eine Gruppe aus Spanien und Deutschland. Das Universitätsklinikum Jena untersucht, ob Antikörper von SZ- oder BD-Patienten gegen NMDAR im Tiermodell Verhaltensauffälligkeiten verursachen und die Gehirnfunktion beeinflussen.

Teilprojekte

Mehrdimensionale Analyse der Rolle von Antikörpern gegen den NMDA-Rezeptor bei Psychose und Schizophrenie

Förderkennzeichen: 01EW1901
Gesamte Fördersumme: 291.626 EUR
Förderzeitraum: 2019 - 2022
Projektleitung: Prof. Dr. Christian Geis
Adresse: Universitätsklinikum Jena, Klinik für Neurologie
Am Klinikum 1
07747 Jena

Mehrdimensionale Analyse der Rolle von Antikörpern gegen den NMDA-Rezeptor bei Psychose und Schizophrenie

Psychiatrische Erkrankungen wie Schizophrenie oder bipolare Erkrankungen sind häufige, schwerwiegende und bislang nicht ursächlich heilbare Erkrankungen. Die Ätiologie dieser Erkrankungen ist weiterhin unklar, ein Ungleichgewicht verschiedener Transmitter-Systeme, insbesondere glutamaterge und dopaminerge Transmission wird als mögliche Ursache der Krankheitssymptome diskutiert. In früheren und aktuellen Studien wurde beschrieben, dass bei Patienten mit diesen Erkrankungen zirkulierende Antikörper zu finden sind, die gegen unterschiedliche Neurotransmitter-Rezeptoren gerichtet sind. Allerdings variiert die Prävalenz dieser Antikörper in den verschiedenen Studien und es ist bislang nicht klar belegt, ob diesen Antikörpern eine Relevanz im Krankheitsprozess zukommt. Das übergeordnete Ziel des Verbundprojekts ist die Hypothese zu prüfen, ob Autoantikörper gegen den NMDA-Rezeptor (NMDAR) einen Anteil an der Entstehung und Ausprägung von Psychosen und Schizophrenie haben. Dies wird in einem mehrdimensionalen Ansatz erfolgen, was translationale und direkte Patienten-bezogene Einzelprojekte mit einschließt. Im konkreten Teilprojekt soll untersucht werden, ob Antikörper gegen den NMDAR, die bei Patienten mit primär psychiatrischen Erkrankungen (z. B. Schizophrenie oder erstmalig aufgetretenen Psychosen) detektiert werden, Verhaltensauffälligkeiten induzieren und die Gehirnfunktion beeinflussen. Hierzu wird ein etabliertes passiv-Transfer-Verfahren in Mäusen verwendet werden. Phänotypische Auffälligkeiten in den Versuchstieren sollen durch nachfolgende Verhaltensanalysen ermittelt werden. Mögliche Veränderungen der Erregbarkeit im Hippocampus in diesen Versuchstieren sollen mittels Elektrophysiologie untersucht werden. Zusätzlich wird untersucht werden, ob in diesem Gehirnareal Veränderungen der hemmenden und erregenden Aktivität induziert werden.