Verbund

#1Health-PREVENT - One Health Interventionen zur Prävention der zoonotischen Verbreitung von antibiotikaresistenten Erregern - Diagnostik, Interventionen und Antibiotic Stewardship im One Health Kontext

Das Vorkommen von multiresistenten Erregern (MRE) bei Nutztieren und bei Menschen wurde in zahlreichen Untersuchungen erforscht, jedoch fehlen Studien zu Interventionen, die eine Verbreitung von MRE im One Health Kontext eindämmen könnten.

Daher sollen im Verbund zum einen epidemiologische Studien zur zoonotischen Verbreitung von bakteriellen Erregern mit Antibiotika-Multiresistenz (MRE) durchgeführt werden. Dazu werden definierte MRE in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung (Schweine, Geflügel) und bei Menschen mit direktem Kontakt zu diesen Nutztieren untersucht werden.

Zum anderen sollen Interventionssstudien zur Eindämmung von MRE bei Nutztieren, Begleittieren und beim Menschen durchgeführt werden. Dabei soll auch untersucht werden, ob durch Verbesserung des Antibiotikaeinsatzes das Vorkommen von MRE in Tierkliniken und bei exponierten Menschen beeinflusst werden kann.

Außerdem sollen auch neue innovative Diagnostikverfahren, u.a. basierend auf Ganzgenomtypisierung, entwickelt und evaluiert werden, um Daten zur Prävalenz wichtiger MRE zu erheben. Letztendlich sollen basierend auf den Ergebnissen Empfehlungen zur Prävention und Kontrolle von MRE in der Allgemeinbevölkerung, bei Tieren und in human- und veterinärmedizinischen Gesundheitseinrichtungen, zur Verbesserung der Diagnostik und Therapie und zur Risikobewertung hinsichtlich des Potenzials für die Entstehung neuer Varianten des Erregers durch Evolution in unterschiedlichen ökologischen Nischen formuliert werden.

Der Verbund ist Teil des Nationalen Forschungsnetzes zoonotische Infektionskrankheiten. Dabei wird insbesondere der „One Health“-Ansatz (gleichzeitige Berücksichtigung human- und veterinärmedizinischer Aspekte) und der Transfer der Ergebnisse in die Anwendung des öffentlichen Gesundheitsdienstes verfolgt.

Teilprojekte

Diagnostik, Interventionen und Antibiotic Stewardship im One Health Kontext

Förderkennzeichen: 01KI1727A
Gesamte Fördersumme: 461.503 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2020
Projektleitung: Dr. Robin Köck
Adresse: Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Universitätsklinikum, Institut für Hygiene
Robert-Koch-Str. 41
48149 Münster

Diagnostik, Interventionen und Antibiotic Stewardship im One Health Kontext

In diesem Teilprojekt sind verschiedene epidemiologische und interventionelle Studien geplant, um die Prävalenz von multiresistenten Erregern (MRE) bei Tieren und Menschen exakt zu bestimmen. Hierzu sollen neue innovative Diagnostikverfahren, u. a. basierend auf Ganzgenomtypisierung (WGS), entwickelt und evaluiert werden, um zur zuverlässigeren, sensitiveren Detektion von MRE bei Untersuchungen im One Health Kontext beizutragen und Daten zur Prävalenz wichtiger MRE zu erheben.

Untersuchungen zur MRE-Reduktion in schweinehaltenden Betrieben

Förderkennzeichen: 01KI1727B
Gesamte Fördersumme: 298.211 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2020
Projektleitung: Prof. Dr. Marc Boelhauve
Adresse: Fachhochschule Südwestfalen, Standort Soest, Fachbereich Agrarwirtschaft
Lübecker Ring 2
59494 Soest

Untersuchungen zur MRE-Reduktion in schweinehaltenden Betrieben

Multiresistente Erreger (MRE) werden sowohl in der Humanmedizin wie auch in Nutztierhaltungen nachgewiesen. Darüber hinaus sind diese Erreger auch bei exponierten Personen und Verbrauchern vorkommend. Heutzutage werden MRSA und ESBL-produzierende Erreger in mehr als 50% aller Schweinehaltungen in Deutschland nachgewiesen, zum Teil auch Colistin-resistente Gram-negative und Linezolid- oder Daptomycin-resistente Gram-positive Erreger. Neben verstärkten Impfmaßnahmen, der Förderung der Tiergesundheit und der Reduktion des Antibiotikaeinsatzes, könnten zwei Hygiene-Interventionen die weitere Verbreitung von MRE minimieren: 1) Entfernung der MRE aus der Stallumgebung (Dekontamination) und 2) Entfernung der MRE aus Tieren und Menschen (Dekolonisation). Das Ziel dieses Teilprojektes ist die Untersuchung des Effektes von zwei unterschiedlichen Techniken, um MRE zu reduzieren: 1) Aktive Veränderung der Umgebung durch Ausbringungen von kompetitiven, nicht-resistenten, nicht-krankmachenden Bakterien (Lactobacillus spp.) im Schweinestall. Diese Ausbringung kann über die Luft bzw. durch eine Verfütterung erreicht werden. 2) Die Untersuchung des Einflusses von alternativen Haltungsformen, wie z. B. Einfluss der Tierhaltung auf Stroh auf das MRE-Vorkommen. Diese Interventionsprojekte sollen Ferkelaufzucht, Saugferkel und Sauen umfassen. Finales Ziel ist die Anwendung der MRE-Reduktionsmaßnahmen auf ganze Tierbestände.

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) und andere multi-resistente Erreger (MRE) in der Milchlebensmittelkette

Förderkennzeichen: 01KI1727C
Gesamte Fördersumme: 381.206 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2020
Projektleitung: Dr. Alexandra Fetsch
Adresse: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Abt. 4 Biologische Sicherheit
Diedersdorfer Weg 1
12277 Berlin

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) und andere multi-resistente Erreger (MRE) in der Milchlebensmittelkette

Die infektiöse Euterentzündung (Mastitis) zählt zu den häufigsten Erkrankungen bei Milchkühen und verursacht hohe wirtschaftliche Schäden. Neueste Studienergebnisse haben gezeigt, dass eine zunehmende Anzahl der Mastitiden bei Milchkühen durch Methicillin-resistente Staphylococcus (S.) aureus (MRSA) verursacht werden. Dies ist eine alarmierende Entwicklung, da Therapiekonzepte ohnehin bereits eingeschränkt sind und zudem in der Regel auf der Gabe von Beta-Laktam-Antibiotika basieren. Da MRSA per definitionem unempfindlich gegenüber Beta-Laktam-Antibiotika sind, könnte eine Behandlung als Selektion für multi-resistente Erreger (MRE) dienen. Neben diesem veterinärmedizinisch relevanten Aspekt besteht jedoch auch ein Risiko aus der Sicht des gesundheitlichen Verbraucherschutzes, da MRE in die Milchlebensmittelkette gelangen und es so zu einer Übertragung auch zoonotisch relevanter MRE kommen könnte. Das übergeordnete Ziel des Projektes ist es, das Vorkommen von MRE in Milchkuhbeständen und in der Folge eine Übertragung zoonotischer MRE wie MRSA auf den Menschen durch folgende Projektaktivitäten zu reduzieren: 1) Identifizierung von Risikofaktoren die zur Weiterverbreitung von MRE in Milchkuhbeständen und der Milchlebensmittelkette beitragen; 2) Charakterisierung der Gefahren auf der Ebene der Primärproduktion und im Einzelhandel; 3) Identifizierung und Etablierung geeigneter Interventionsmaßnahmen zur Bekämpfung von Mastitiden. Damit wird das Projekt entscheidend zur Verbesserung der Tiergesundheit und zur Prävention der Weiterverbreitung multi-resistenter Erreger vom Tier zum Menschen beitragen (One-Health-Ansatz).

Studien zur Biozidresistenz, Entwicklung eines Antibiotic Stewardship Konzepts und Erarbeitung von Dekolonisierungsstrategien

Förderkennzeichen: 01KI1727D
Gesamte Fördersumme: 472.091 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2020
Projektleitung: Prof. Dr. Stefan Schwarz
Adresse: Freie Universität Berlin, Fachbereich Veterinärmedizin, Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen
Robert-von-Ostertag-Str. 7-13
14163 Berlin

Studien zur Biozidresistenz, Entwicklung eines Antibiotic Stewardship Konzepts und Erarbeitung von Dekolonisierungsstrategien

Das Projekt beschäftigt sich mit der Biozidempfindlichkeit zoonotischer Erreger. Es ist in zwei Laborteile untergliedert, mit der Bestimmung der Biozidempfindlichkeit der bakteriellen Erreger und der Analyse von Bakterien, die Resistenz gegenüber Bioziden zeigen. Dazu kommt ein praktischer Teil, der darauf abzielt, verbesserte Protokolle und Empfehlungen zur Biozidanwendung in Tierkliniken und Haushalten zu testen und so zur Reduktion und Vermeidung der Übertragung zoonotisch relevanter Bakterien zwischen Hunden/Katzen und ihren Besitzern beizutragen. Das Projekt beschäftigt sich mit der Entwicklung eines "Antibiotic Stewardship"-Konzepts für zwei in der Kleintiermedizin besonders relevante Indikationen: Harnwegsinfektionen und eitrige Hautinfektionen bei Hunden. Darüber hinaus sollen in Zusammenarbeit mit der Klinik für kleine Haustiere individuelle MRS-Dekolonisierungsstrategien erarbeitet und evaluiert werden.

Antibiotikaresistenzen in Umweltkeimen: Einfluss auf die Resistenzlast in zoonotischen Krankheitserregern

Förderkennzeichen: 01KI1727E
Gesamte Fördersumme: 315.091 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2020
Projektleitung: Dr. Wilma Ziebuhr
Adresse: Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Medizinische Fakultät, Institut für Molekulare Infektionsbiologie
Josef-Schneider-Str. 2 / Bau D15
97080 Würzburg

Antibiotikaresistenzen in Umweltkeimen: Einfluss auf die Resistenzlast in zoonotischen Krankheitserregern

Koagulase-negative Staphylokokken (KoNS) und Enterokokken aus Staub- und Gülleproben in landwirtschaftlichen Betrieben weisen überraschend hohe antimikrobielle Resistenzen (AMR) gegen zahlreiche antimikrobielle Wirkstoffe (AMs) auf. In diesem Projekt soll das Zusammenspiel zwischen AMR-Umweltkeimem (i.e. KoNS und Enterokokken) mit kommensalen und pathogenen Bakterien in Nutztierhaltungen untersucht werden. Dabei sollen Wissenslücken zur Epidemiologie und Ökologie von resistenten KoNS und Enterokokken geschlossen werden sowie die Frage beantwortet werden, ob diese Umweltkeime einen Einfluss auf die Resistenzlage von zoonotischen Infektionserregern bei landwirtschaftlichen Nutztieren und Personen mit Tierkontakt ausüben. Hauptziel ist es dabei, den Eintritt von AMR-Genen aus Umweltkeimen in kommensale und pathogene Bakterien in einem möglichst frühen Stadium zu verhindern und so die Übertragung und Ausbreitung von (multi)resistenten Infektionserregern (MDRO) bei Nutztieren, in der Bevölkerung und in Krankenhäusern einzudämmen.

Studien zur Prävention der Verbreitung von LA-MRSA von Tieren zum Menschen sowie zur Reduktion der Resistenzlast im Mikrobiom durch verbesserte peri-operative Antibiose beim Pferd

Förderkennzeichen: 01KI1727F
Gesamte Fördersumme: 331.759 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2020
Projektleitung: Dr. Christiane Cuny
Adresse: Robert Koch-Institut (RKI)
Nordufer 20
13353 Berlin

Studien zur Prävention der Verbreitung von LA-MRSA von Tieren zum Menschen sowie zur Reduktion der Resistenzlast im Mikrobiom durch verbesserte peri-operative Antibiose beim Pferd

Arbeitsschritte sind: 1) Erkundung von Präventionsansätzen zur Reduktion der Übertragung von multiresistenten bakteriellen Infektionserregern (MDRO), insbesondere MRSA, von Mast-Tieren sowie von hospitalisierten Pferden auf beruflich exponierte Menschen (Landwirte, Tierärzte) durch Implementierung alternativer Haltungsbedingungen und Barrieremaßnahmen. 2) Erkundung der Auswirkung der gängigen peri-operativen antibiotischen Prophylaxen bei Pferden auf die Resistenz der Bakterien im Mikrobiom von Pferden und Vergleich herkömmlicher Prophylaxe-Regime mit alternativen Vorgehensweisen.