Fördermaßnahme

Nationales Forschungsnetz zoonotische Infektionskrankheiten

Veröffentlichung der Bekanntmachung: 2016
Förderzeitraum: 2017 - 2022
Gesamte Fördersumme: bis zu 40 Mio. Euro
Anzahl der Projekte: Insgesamt 54: Ein Koordinierungsprojekt; Modul 1: Sieben Verbünde mit insgesamt 47 Vorhaben; Modul 2: sechs Nachwuchsgruppen; Modul 3: noch offen – Einzelvorhaben zu aktuellen Herausforderungen (Rapid Response)

1. Ziele des Förderschwerpunktes

Die gesundheitspolitische Bedeutung von Infektionskrankheiten nimmt stetig zu. Ursachen liegen beispielsweise im Auftreten neuer Erreger, der Zunahme antimikrobieller Resistenzen, der Globalisierung von Gesellschaft und Wirtschaft sowie dem Bevölkerungswachstum. Von besonderer Bedeutung sind dabei zoonotische Infektionskrankheiten. Hier kann ein Erreger zwischen Tieren und Menschen übertragen werden. Epidemien infolge von Ebola, Influenza oder dem MERS-Corona-Virus sind prominente Beispiele für zoonotische Infektionskrankheiten der vergangenen Jahre. Der Bedarf an wissenschaftlich begründeten Konzepten für eine nachhaltig wirksame Prävention, Diagnostik und Therapie von zoonotischen Infektionskrankheiten ist daher groß.

Mit dem „Nationalen Forschungsnetz zoonotische Infektionskrankheiten“ wird die infektiologische Forschungsförderung des BMBF nachhaltig um die Zoonosenforschung und den One Health-Ansatz ergänzt. Das Nationale Forschungsnetz setzt sich aus drei eigenständigen Modulen zusammen.

In dem Forschungsnetz ist eine enge Vernetzung zwischen Arbeitsgruppen der Humanmedizin mit Gruppen vorzusehen, welche die tierischen Reservoire erforschen. Dazu können Arbeitsgruppen aus der Veterinärmedizin, dem Lebensmittel- und Umweltsektor oder der Wildtier- und Vektorbiologie gehören. Auch Arbeitsgruppen des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) in der Human- und Veterinärmedizin sollen eingebunden werden.

Das Forschungsnetz soll darauf ausgerichtet sein, die Ergebnisse in konkrete Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung von zoonotischen Infektionskrankheiten umzusetzen.

2. Stand der Fördermaßnahme

Modul 1 (Forschungsverbünde zoonotische Infektionskranksheiten): Für dieses Modul der Förderbekanntmachung wurden sieben Verbünde zur Förderung ausgewählt. Zwei Verbünde haben ihre Arbeit im Juli 2017 und fünf im September 2017 aufgenommen.

Modul 2 (Nachwuchsgruppen für die Zoonosenforschung): Sechs Nachwuchsgruppen werden gefördert – fünf ab Juli 2017 und eine ab August 2018.

Modul 3 (Einzelvorhaben zu aktuellen Herausforderungen – Rapid Response): noch offen

Die Verbünde und Nachwuchsgruppen werden in dem Forschungsnetz zusammengeführt und vernetzt. Dafür wurde ein Koordinierungskreis aus Vertreterinnen und Vertretern der Verbünde, Nachwuchsgruppen, des ÖGD in der Human- und Veterinärmedizin sowie der beteiligten Ministerien, BMBF, BMG, BMEL und BMVg, eingerichtet. Die konstituierende Sitzung fand am 29.05.2017 im BMBF statt. Auf der Sitzung wurde Prof. Dr. Christian Drosten, Charite Berlin, zum Sprecher der Koordinierungskreises und des Forschungsnetzes gewählt. Für die Koordination hat Prof. Drosten einen Antrag eingereicht. Das Koordinierungsprojekt wird seit November 2017 gefördert.

Aufgaben des Koordinierungskreises sind die Vernetzung der geförderten Partner untereinander und mit dem ÖGD in der Human- und Veterinärmedizin. Für die Vernetzungsprojekte stehen Finanzmittel zur Verfügung. Das Ziel ist letztendlich der Transfer der Ergebnisse in die Anwendung des ÖGDs.

Das BMBF stellt insgesamt 40 Millionen Euro für das Forschungsnetz für fünf Jahre (2017 bis 2022) zur Verfügung. Nach ca. 2,5 Jahren Förderung ist eine Zwischenbegutachtung vorgesehen.

Einzelprojekte

Nachwuchsgruppe: Entwicklung neuer Methoden zur Erforschung der zoonotischen Vektorbiologie von Schildzecken mittels CRISPR-Technologie und künstlicher Fütterung

Förderkennzeichen: 01KI1720
Gesamte Fördersumme: 1.206.101 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2022
Projektleitung: Dr. Ard Nijhof
Adresse: Freie Universität Berlin, Fachbereich Veterinärmedizin, Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin
Königsweg 67
14163 Berlin

Nachwuchsgruppe: Entwicklung neuer Methoden zur Erforschung der zoonotischen Vektorbiologie von Schildzecken mittels CRISPR-Technologie und künstlicher Fütterung

Ixodes ricinus ist die wichtigste Zeckenart in Europa, sowohl aus medizinischer als auch aus veterinärmedizinischer Sicht. Sie ist ein weitverbreiteter Vektor für eine Vielzahl zoonotischer Krankheiten wie z. B. Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). In dieser Forschungsgruppe sollen Methoden entwickelt werden, die zur Erforschung der Biologie dieser Zecke und ihrer vektoriellen Kapazität für Zoonosen einen Beitrag liefern. Dazu verfolgt dieses Projekt folgende Teilziele: 1) Etablierung einer CRISPR/Cas Technologie für Zecken und Zeckenzelllinien für funktionelle Genom-Analysen, 2) Fortsetzung von Studien zur künstlichen Fütterung von I. ricinus und die Verwendung dieser Methode für in vitro-Infektionsversuche mit kultivierten zoonotischen Krankheitserregern. Die im Rahmen dieses Projektes durchgeführten Studien werden einen großen Fortschritt für die Erforschung von Wirt-Zecken-Pathogen-Interaktionen haben und neue Paradigmen zur Bekämpfung von durch Zecken übertragenen Krankheiten aufstellen. Außerdem soll die Weiterentwicklung der künstlichen Schildzeckenfütterung dazu beitragen, die Verwendung von Versuchstieren, die für viele zeckenbiologische Studien erforderlich sind, zu ersetzen bzw. erheblich zu reduzieren.

 

Nachwuchsgruppe: Sich verbreitende RNA Viren und ihre Wechselwirkung mit dem menschlichen und tierischen Wirt

Förderkennzeichen: 01KI1719
Gesamte Fördersumme: 1.351.062 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2022
Projektleitung: PhD Imke Steffen
Adresse: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Physiologische Chemie
Bünteweg 17
30559 Hannover

Nachwuchsgruppe: Sich verbreitende RNA Viren und ihre Wechselwirkung mit dem menschlichen und tierischen Wirt

Eine wichtige Eigenschaft zoonotischer Viren ist die differenzielle Pathogenese in verschiedenen Wirtstieren. Während manche Wirte (oft Menschen oder domestizierte Tierarten) symptomatisch und zum Teil schwer erkranken, entwickeln andere Tierarten trotz Empfänglichkeit für die virale Infektion keine oder nur leichte Krankheitssymptome. Eine bessere Kenntnis des Zusammenspiels von Antigenen, Virulenzfaktoren und immunologischen Reaktionen bei Tieren und Menschen ist entscheidend für eine bessere Erkennung und Interpretation von Wirtsreaktionen auf virale Infektionen. In diesem Projekt sollen molekulare und immunregulierte Wirtsreaktionen in verschiedenen Wirten der Frühsommer-Meningoenzephalitis-(FSME)- und Japan-Enzephalitis-(JE)-Viren vergleichend analysiert werden, um Schutzmechanismen in natürlichen Reservoirwirten zu identifizieren, die die symptomatische Erkrankung verhindern und zur therapeutischen Anwendung auf andere Wirte übertragen werden können.

Nachwuchsgruppe: Immunologische Anforderungen für eine schützende Impfung gegen Zoonosen

Förderkennzeichen: 01KI1718
Gesamte Fördersumme: 1.072.585 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2022
Projektleitung: Dr. Asisa Volz
Adresse: Ludwig-Maximilians-Universität München, Tierärztliche Fakultät, Veterinärwissenschaftliches Department, Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen
Veterinärstr. 13
80539 München

Nachwuchsgruppe: Immunologische Anforderungen für eine schützende Impfung gegen Zoonosen

Das Projekt umfasst die Entwicklung von neuen Impfstoffen am Beispiel des Zikavirus (ZikV). Hauptfokus sind innovative Strategien zur schnellen Schutzwirkung. Bei ZikV soll einer schweren neurologischen Erkrankung vorgebeugt, die Übertragung auf den Fetus verhindert sowie ein schneller Schutz erreicht werden. So sollen die besten Impfantigene ermittelt sowie die für die Schutzwirkung verantwortlichen Immunmechanismen identifiziert werden und es sollen verbesserte Impfstoffe nach rationalem Impfstoffdesign entwickelt werden.

Nachwuchsgruppe: Vektorbiologie der Asiatischen Tigermücke Aedes albopictus und die sozial-ökologischen Faktoren für deren Prävention und Bekämpfung in kühleren Ökoregionen

Förderkennzeichen: 01KI1717
Gesamte Fördersumme: 1.281.649 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2022
Projektleitung: Dr. Ruth Müller
Adresse: JohannWolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, FB Medizin, Zentrum der Gesundheitswissenschaften, Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Umweltmedizin
Theodor-Stern-Kai 7 - Haus 9 b
60596 Frankfurt

Nachwuchsgruppe: Vektorbiologie der Asiatischen Tigermücke Aedes albopictus und die sozial-ökologischen Faktoren für deren Prävention und Bekämpfung in kühleren Ökoregionen

Die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus ist als Überträger von Infektionskrankheiten (beispielsweise Chikungunya und Denguefieber) von enomer gesellschaftlicher und medizinischer Relevanz. Unter der globalen Erwärmung wird sich A. albopictus und wahrscheinlich auch die assoziierten Viren in kühlere Ökoregionen ausbreiten. Das Forschungsvorhaben AECO hat zum Ziel, die Kältetoleranz der invasiven Stechmücke Aedes albopictus auf physiologischer, ultrastruktureller und epigenetischer Ebene zu verstehen und signifikante sozial-ökologische Faktoren für deren Prävention und Bekämpfung in verschiedenen Ökoregionen zu identifizieren und zu vergleichen.

Nachwuchsgruppe: Ökologie neuartiger Arboviren

Förderkennzeichen: 01KI1716
Gesamte Fördersumme: 1.669.228 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2022
Projektleitung: Dr. Sandra Junglen
Adresse: Charité - Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Virologie
Charitéplatz 1
10117 Berlin

Nachwuchsgruppe: Ökologie neuartiger Arboviren

Durch blutsaugende Arthropoden übertragene Viren (Arboviren) sind für ca. 1/4 aller Infektionskrankheiten verantwortlich. Insbesondere durch Stechmücken übertragene Viren, können sich schnell an neue Wirte anpassen und von ihrem Ursprungsort in abgelegenen tropischen Regionen in neue tropische Regionen und gemäßigte Zonen ausbreiten, wie z. B. die Ausbreitung der Zika, Chikungunya und Dengue Viren gezeigt hat. Unser Wissen über die Diversität, Evolution und geographische Ausbreitung von Arboviren ist allerdings fast ausschließlich auf die Erreger beschränkt, die es schon geschafft haben sich aus ihrem ursprünglichen Ökosystem auszubreiten und bei Menschen und Nutztieren Krankheiten auszulösen. Ziel dieses Projektes ist es, Arboviren in ihren natürlichen Vermehrungszyklen zu charakterisieren und zu verstehen welche Veränderungsprozesse eine Ausbreitung von prä-epidemischen zu epidemischen Virusvarianten begünstigen.

Nachwuchsgruppe: Persistenz von Toxoplasma gondii Infektionen: Wirkmechanismen von potentiellen Medikamentenkandidaten und die Rolle physiologischer Heterogenität in zoonotischen Infektionen

Förderkennzeichen: 01KI1715
Gesamte Fördersumme: 1.272.102 EUR
Förderzeitraum: 2017 - 2022
Projektleitung: Dr. Martin Blume
Adresse: Robert Koch-Institut (RKI)
Nordufer 20
13353 Berlin

Nachwuchsgruppe: Persistenz von Toxoplasma gondii Infektionen: Wirkmechanismen von potentiellen Medikamentenkandidaten und die Rolle physiologischer Heterogenität in zoonotischen Infektionen

Die Persistenz von mikrobiellen Subpopulationen ist ein Merkmal vieler zoonotisch übertragener Krankheitserreger. Wie solche ruhenden Zellstadien medikamentösen Behandlungen und dem Wirken des Wirtsimmunsystems entgehen ist derzeit nur unzureichend bekannt. Toxoplasma gondii ist ein einzelliger Parasit der weltweit Warmblüter und ca. 30% der Weltbevölkerung dauerhaft infiziert. Persistierende T. gondii Gewebszysten können derzeit nicht behandelt werden und stellen in Form von unzulänglich gegarten Fleischprodukten eine Hauptansteckungsquelle dar. Dieses Projekt hat zum Ziel die physiologische Heterogenität von Dauerstadien T. gondiis auf Einzelzellebene zu beschreiben, molekulare Persistenzmechanismen aufzuklären und entsprechende Medikamentenkandidaten und deren Wirkweise zu identifizieren.